Scheinträchtigkeit beim Hund: So können Sie unterstützen

Die Scheinträchtigkeit (lactatio falsa) kommt bei vielen unkastrierten Hündinnen mehr oder weniger regelmäßig vor. Dieser Vorgang, dem hormonelle Einflüsse unterliegen, kann für die Hündin energieraubend und stressig sein. Hundehalter können ihr Tier in dieser Zeit jedoch vielseitig unterstützen. Es stehen darüber hinaus Therapien zur vollständigen Vermeidung der Scheinträchtigkeit beim Hund zur Verfügung. Mehr über das Verhalten von Hunden lesen Sie in unserem Hunderatgeber.

Scheinträchtigkeit beim Hund
Häufig bei Scheinträchtigkeit zu beobachten: Spielzeug dient als Welpenersatz - Pixabay

„Der Hund ist scheinträchtig“ – Was bedeutet das überhaupt?

Die Scheinträchtigkeit oder Scheinschwangerschaft beschreibt bei Hündinnen eine eingebildete Trächtigkeit oder Mutterschaft, die auf eine Veränderung der Hormone zurückzuführen ist. Die Scheinträchtigkeit tritt kurz nach der Läufigkeit bei Hündinnen auf, die nicht kastriert sind. Diese verhalten sich dann so, als wären sie trächtig oder hätten bereits Welpen, um die sie sich kümmern müssen.

Die Scheinträchtigkeit der Hündin ist keine Hundekrankheit im eigentlichen Sinne, auch wenn sie von den Tieren – und oft auch von deren Besitzern – meist als belastend empfunden wird.

Die Scheinschwangerschaft kommt jedoch nicht bei allen Hündinnen vor. Besonders häufig davon betroffen sind kleinere Hunderassen, beispielsweise Dackel.

Symptome und Anzeichen: Wie merken Hundehalter, dass ihre Hündin scheinträchtig ist?

Die Symptome, die eine Scheinträchtigkeit beim Hund begleiten, fallen je nach Tier unterschiedlich aus. Sie zeigen sich ungefähr drei bis zwölf Wochen nach der eigentlichen Läufigkeit und können körperlicher wie psychischer Natur und unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Einige Hündinnen treten in dieser Zeit lediglich etwas träge auf und zeigen keinen Appetit, während andere ein ausgeprägtes Nestbauverhalten entwickeln. Sie nehmen die Mutterrolle ein, behandeln Spielzeug oder andere Dinge, die sie in der Wohnung finden, wie ihre Welpen und verteidigen sie teilweise stark.

Möglich ist auch ein Anschwellen des Gesäuges bis hin zum Milchaustritt aus den Zitzen. Bei einer starken Hormonveränderung schwillt mitunter der Bauch der Hündin an. Die wichtigsten Anzeichen einer Scheinträchtigkeit bei Hündinnen sind also:

  • Verhaltensveränderungen (von träge über apathisch bis hin zu aggressiv)
  • Nestbautrieb
  • Aufsuchen von Welpenersatz
  • Schwellungen des Gesäuges und des Bauchumfangs
  • Milchaustritt aus dem Gesäuge

Die Begleitsymptome der Scheinträchtigkeit klingen ab, sobald sich der Hormonhaushalt der Hündin wieder eingependelt hat.

Wie lange dauert eine Scheinträchtigkeit bei Hunden?

Die Dauer der Scheinträchtigkeit variiert zwischen den Tieren, beträgt jedoch meistens zwei bis drei Wochen. Seltener dauert sie mehrere Wochen an. Nach maximal acht Wochen sollte sich der Hormonspiegel aber wieder normalisiert haben.

Wichtig:
Manche Hundehalter sind der Meinung, dass Hunde, die einmal Welpen hatten, nicht mehr anfällig für eine Scheinträchtigkeit sind. An diesem Mythos ist jedoch nichts dran. Auch Hündinnen, die einmal geworfen haben, können jederzeit wieder scheinträchtig werden.

Wie erfolgt die Diagnose der Scheinträchtigkeit?

Die Diagnose der Scheinträchtigkeit stellt der Tierarzt anhand der vorhandenen Begleiterscheinungen und der Zeit seit Auftreten der letzten Läufigkeit. Um eine tatsächliche Trächtigkeit auszuschließen, kann er außerdem eine Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung vornehmen.

Ursachen: Warum kommt es überhaupt zur Scheinträchtigkeit der Hündin?

Hormonelle Einflüsse sorgen dafür, dass sich der Körper der Hündin verhält, als wäre diese trächtig. Zum Ende der Läufigkeit hin sinkt die Konzentration des Hormons Prolaktin im Blut. Prolaktin, auch als Gelbkörper-Hormon bezeichnet, spielt eine wichtige Rolle bei der Trächtigkeit. Steigt die Konzentration des Hormons wieder, wirkt dieses auf den Körper der Hündin ein: Das Gesäuge schwillt an, die Milchbildung wird angeregt.

Je mehr die Konzentration an Prolaktin zuvor gesunken ist, umso steiler steigt sie anschließend wieder an – und umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Scheinträchtigkeit der Hündin kommt. Man könnte sagen: Die Hormone spielen dem Körper des Hundes eine Trächtigkeit vor und dieser reagiert darauf mit den typischen Anzeichen einer Schwangerschaft.

Schon gewusst?
Im Wolfsrudel ist dieses Phänomen recht wichtig. Der Zyklus der dort lebenden Wölfinnen passt sich so an, dass scheinträchtige Wölfinnen in der Lage sind, die eigentliche Wolfsmutter bei der Aufzucht ihrer Jungen zu unterstützen.

Was tun, wenn der Hund scheinschwanger ist?

Bei der Scheinträchtigkeit handelt es sich um eine hormonelle Ausnahmesituation. Sollte die Hündin sehr darunter leiden, können Tierärzte und Halter ihr mit verschiedenen Maßnahmen Abhilfe verschaffen. Prolaktinhemmer werden eingesetzt, um die Hormonschwankungen abzumildern. Sie eignen sich, wenn die Hündin während den Scheinträchtigkeiten eher leichte Symptome zeigt. Prolaktinhemmer verabreicht man für einige Tage während der Scheinträchtigkeit.

Ist es notwendig, die Läufigkeit komplett zu unterdrücken – etwa, weil die Symptome sehr stark und belastend sind – kommen sogenannte Gestagene zum Einsatz. Sie verhindern, dass die Hündin läufig und damit auch scheinträchtig wird, bergen aber ein gewisses Risiko für die Entstehung von Gesäuge-Tumoren. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Risiken und den Nutzen des Präparates sorgfältig mit dem Tierarzt abzuwägen.

Eine Kastration kommt infrage, wenn die Scheinträchtigkeit auf Dauer komplett ausgeschlossen werden soll. Diese ist mittlerweile als minimalinvasiver Eingriff möglich, der sehr schonend und mit geringen Risiken verbunden ist. Der Tierarzt klärt Halter genauer darüber auf.

Wichtig:
Die Kastration darf nicht erfolgen, wenn aktuell eine Scheinträchtigkeit vorliegt. Der OP-Termin sollte daher in Absprache mit dem Tierarzt längere Zeit im Vorhinein sorgfältig ausgewählt werden.

Fallen die Symptome der Scheinträchtigkeit eher mild aus und ist keine Medikation oder Operation gewünscht, können Hundehalter ihre Hündin dennoch in dieser stressigen Phaseunterstützen:

  • Lange Spaziergänge und Beschäftigung sorgen für Ablenkung.
  • Spielzeug und andere Gegenstände, die als Welpenersatz dienen könnten, werden (heimlich!) weggeräumt.
  • Das Lecken am Gesäuge gilt es zu verhindern, da dieses die Milchproduktion anregt.
  • Pflanzliche Mittel zur Entspannung können risikoarm zum Einsatz kommen – der Tierarzt hält Empfehlungen hierzu bereit.

Grundsätzlich ist die Scheinträchtigkeit also keine Erkrankung, sondern ein hormonell bedingter normaler Vorgang. Bei milden Begleitsymptomen lassen Hündinnen sich durch Ablenkung, Bewegung und das Meiden von Welpenersatz unterstützen. Wiederholt sich die Scheinträchtigkeit ständig und ist diese für den Hund sehr belastend, können Hormonpräparate oder eine Kastration für Abhilfe sorgen.

Tipp
Die Kosten tiermedizinischer Behandlungen Ihres Hundes können Sie sich mit der Hundekrankenversicherung von SantéVet zurückerstatten lassen.

 

Herausgegeben von

Martin Walter