Vergiftung bei Hunden: Welche gibt es und wie erkenne ich sie?

Ist ein Hund apathisch, zieht sich zurück oder zeigt Erbrechen oder Durchfall, ist es möglich, dass der Vierbeiner an einer Vergiftung leidet. Vergiftungen beim Hund können durch die unterschiedlichsten Substanzen verursacht werden. Recht häufig wird zum Beispiel Rattengift von Hunden aufgenommen. Welche weiteren Stoffe zu Vergiftungen bei Hunden führen und wie sich Vergiftungserscheinungen beim Hund erkennen lassen, erklären die folgenden Abschnitte.

Vergiftung Hund Pfütze
Giftige Stoffe für Hunde gibt es sowohl in der Natur als auch zu Hause - Pixabay

Welche Vergiftungen bei Hunden kommen vor?

Sowohl im Haus als auch auf Spaziergängen können Hunde mit Substanzen in Kontakt kommen, die giftig sind. Draußen sind es vor allem Pestizide, Düngemittel, Giftköder oder ungenießbare Pflanzen und Pilze, die für den Hund eine Gefahr darstellen. Innerhalb des Hauses sind es Reinigungs- und Frostschutzmittel, Medikamente, Alkohol und Nikotin, bestimmte Lebensmittel sowie einige Wohnungspflanzen.

Was für den Menschen zu den Genussmitteln zählt, wie Schokolade oder Kaffee, kann schwere Vergiftungserscheinungen bei Hunden hervorrufen. Gehört ein Hund zum Haushalt, ist es wichtig, alle Gefahren zu kennen und potenzielle Giftstoffe außer Reichweite der Vierbeiner aufzubewahren. Weitere Informationen zur richtigen Hundehaltung finden sich im Hunderatgeber.

Vergiftung durch Schädlingsbekämpfungsmittel

Der Einsatz von Insektiziden, Rodentiziden oder Herbiziden kann zu Vergiftungen bei Hunden führen. Ob im eigenen Garten, auf dem Grundstück der Nachbarn oder auf den Feldern: Hunde können die Substanzen direkt aufnehmen oder indirekt durch das Fressen vergifteter Tiere oder behandelter Pflanzen.

Gerade im Frühjahr oder im Herbst, wenn die Mittel vermehrt zur Anwendung kommen, sollte darauf geachtet werden, was die Hunde draußen zu sich nehmen. Sehr häufig kommen Vergiftungen mit Rattengift oder Schneckenkorn vor. Viele Rodentizide beruhen auf Antikoagulanzien (Hemmer der Blutgerinnung).

Wird ein solches Rattengift vom Hund gefressen, hemmen die enthaltenen Substanzen wichtige Enzyme für die Synthese von Vitamin K. Vitamin K wiederum ist für die Bildung von bestimmten Blutgerinnungsfaktoren essenziell. Ist der Speicher an diesen Faktoren erschöpft, kann das Blut nicht mehr gerinnen. Schwere Blutungen der inneren Organe können die Folge sein. Die Behandlung erfolgt unter anderem durch Vitamin K-Gabe.

Achtung: Das Tückische an der Vergiftung mit auf Antikoagulanzien beruhenden Stoffen ist, dass die Vergiftungserscheinungen meist verzögert (drei bis fünf Tage später) auftreten. Oft werden die Symptome dann nicht mehr mit der Aufnahme einer Substanz (z. B. während eines Spaziergangs) in Verbindung gebracht.

Schneckenkorn dagegen enthält Metaldehyd. Vergiftungserscheinungen bei Hunden, die Schneckenkorn gefressen haben, treten schneller ein – oft schon zwei bis drei Stunden nach der Giftaufnahme. Da das Metaldehyd die Blut-Hirn-Schranke passiert, kommt es zu zentralnervösen Symptomen wie Depression, Krämpfen oder Anfällen.

Begleitend tritt meist eine Hyperthermie (Körpertemperatur 41 Grad Celsius oder höher) auf, die ein Multiorganversagen bewirken kann. Die Behandlung besteht aus der Giftentfernung aus dem Körper. Hunde, die die ersten 24 Stunden überstehen, haben in der Regel gute Überlebenschancen.

Vergiftungen durch Düngemittel

Auch mineralische Düngemittel können für Hunde gefährlich werden. Blaukorn, ein NPK (Nitrat, Phosphat & Kaliumsalz)-Dünger, der sowohl in der Landwirtschaft als auch im Hobbygarten zum Einsatz kommt, verursacht Vergiftungen bei Hunden durch die direkte Aufnahme, aber auch durch das Trinken aus Pfützen an Feldrändern oder durch das Ablecken der Pfoten nach Kontakt. Reizungen der Schleimhäute des Verdauungstraktes können die Folge sein sowie ein verminderter Sauerstofftransport über das Blut. Auch hier müssen Giftrückstände aus dem Magen-Darm-Trakt entfernt und zudem meist kreislaufstabilisierende Maßnahmen ergriffen werden.

Vergiftungen durch Haushaltsprodukte und Lebensmittel

Im Haushalt vergiften sich Hunde am häufigsten durch die Aufnahme von Schokolade, Medikamenten, Trauben oder Rosinen sowie Reinigungs- oder Frostschutzmitteln. Schokolade enthält unter anderem das Methylxanthin Theobromin, das Auswirkungen auf verschiedene Organsysteme haben kann.

Erste Anzeichen einer Schokoladenintoxikation sind oft Erbrechen oder Durchfall. Zudem kann es zu Unruhe, Herzrasen, Muskelkrämpfen oder Anfällen kommen. Erfolgt eine Behandlung innerhalb von zwei bis vier Stunden nach Aufnahme, ist die Prognose meist gut.

Schon gewusst?
Dunkle Schokolade sowie Backschokolade enthält 20- bis 25-mal mehr Theobromin als Vollmilchschokolade. Bei Hunden kann es schon ab 15 mg Theobromin pro Kilogramm Körpergewicht zu Vergiftungserscheinungen kommen.

Trauben oder Rosinen können bei Hunden innerhalb von 24 Stunden ein akutes Nierenversagen verursachen. Die ersten Anzeichen sind oft Erbrechen oder Durchfall und unterscheiden sich somit nicht von den Symptomen vieler anderer Vergiftungen. Ab wie viel Gramm es zu Vergiftungserscheinungen kommt, ist allerdings von Hund zu Hund unterschiedlich. Bei manchen Hunden reichen wenige Trauben oder Rosinen aus, während andere Hunde klinisch unauffällig bleiben.

Bei Verdacht auf eine Weintraubenvergiftung sollten die Hunde ausreichend Flüssigkeit erhalten (in der Regel mittels einer Infusionstherapie über mindestens 48 Stunden in einer Tierklinik), um die Nierenfunktion zu unterstützen und zu erhalten.

Vergiftungen durch Pflanzen

Ob im Garten, in der Wohnung oder auf dem Spaziergang – an vielen Orten können Hunde mit giftigen Pflanzen in Kontakt kommen. Hat der Hund von solchen Pflanzen gefressen, sollten die Pflanzenreste aus der Maulhöhle entfernt werden und der Hund einem Tierarzt vorgestellt werden. Die Liste der Pflanzen, die Vergiftungserscheinungen bei Hunden auslösen können, ist lang.

Hier sind einige dieser Pflanzen beispielhaft aufgeführt:

  • Kirschlorbeer
  • Weihnachtsstern
  • Osterglocke
  • Efeu
  • Farne
  • Rhododendron
  • Maiglöckchen
  • Tulpen
  • Ficusarten
  • Orchideen

Vergiftungserscheinungen beim Hund erkennen

Die Vergiftungserscheinungen bei Hunden variieren. Sie hängen von der Substanz sowie von der aufgenommenen Menge ab. Für viele Stoffe gilt: Je mehr gefressen wurde, desto schwerwiegender sind die Symptome.

Ist der Hund apathisch und zieht sich zurück, kann dies auf eine Vergiftung hindeuten, aber auch auf andere Erkrankungen. Sehr häufig reagieren Hunde mit Erbrechen oder Durchfall auf die Aufnahme giftiger Substanzen.

Die folgende Liste zeigt weitere Symptome, die bei Vergiftungen auftreten können:

  • Unruhe
  • Taumeln
  • starkes Speicheln
  • erhöhte Herz- oder Atemfrequenz
  • Blutungen aus Körperöffnungen
  • blasse, bläuliche oder deutlich gerötete Schleimhäute
  • Muskelzittern, Krämpfe oder Anfälle
  • stark erhöhte oder erniedrigte Körpertemperatur
  • Verlust des Bewusstseins
  • plötzliche Todesfälle

Was tun bei einer Vergiftung?

Ist die Aufnahme giftiger Stoffe beobachtet worden oder wird aufgrund der Symptome des Hundes eine Vergiftung vermutet, sollte schnellstmöglich eine Tierklinik aufgesucht werden. Eine frühzeitige Behandlung verbessert die Prognose.

Ist die Giftaufnahme gerade erst geschehen oder nicht länger als zwei Stunden her, kann Erbrechen ausgelöst werden, um die Substanzen aus dem Magen zu entfernen. Bei starken Vergiftungserscheinungen wird häufig auch eine Magenspülung in Narkose durchgeführt. Im Anschluss bleibt der Hund für eine Infusionstherapie zur Stabilisierung des Kreislaufs und zur Überwachung der Organfunktionen stationär.

Als Erste-Hilfe-Maßnahme bei Vergiftungen kann Aktivkohle (medizinische Kohle) verabreicht werden. Die Dosierung beträgt ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Die Gabe von Kohle sollte jedoch nur erfolgen, wenn der Hund noch schlucken kann und die Tabletten oder die Suspension bereitwillig aufnimmt. Auch nach der Verabreichung der Kohle ist ein Tierarztbesuch sinnvoll, um die Blutgerinnung und die Organwerte überprüfen zu lassen. Zur Erholung der Magen-Darm-Schleimhäute kann es zudem nötig sein, eine Weile eine Schonkost zu füttern.

Herausgegeben von

Martin Walter