Grützbeutel beim Hund richtig erkennen und behandeln

Entdeckt man beim geliebten Vierbeiner einen Knoten oder Knubbel unter der Haut, steht oft das Herz im ersten Moment still. Häufig steht direkt unterschwellig die Frage im Raum: Ist das vielleicht ein Tumor? In den meisten Fällen sind Umfangsvermehrungen der Haut sehr harmlos. Oft handelt es sich um sogenannte Atherome, also Grützbeutel. Alles zur Entstehung, Diagnostik und Therapie erfahren Sie im Folgenden.

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Grützbeutel bei Hunde können verschiedene Größen aufweisen und sind in der Regel harmlos. - Pixabay

Was sind Atherome beim Hund und wie entstehen sie?

Atherome, Grützbeutel oder Grießknoten, wie sie im Volksmund auch genannt werden, sind gutartige Zysten der Talgdrüsen. Talgdrüsen sind über der gesamten Haut verteilt. Sie produzieren Talg, der sich als natürlicher Schutz vor Schmutz und Krankheitserregern über die Haut verteilt.

„Echte“ Atherome besitzen keinen Ausführungsgang. Sie entstehen, wenn Epithelgewebe versprengt und sich in einer Kapsel zusammen mit Talg nach und nach ansammelt.

Manchmal kommt es vor, dass eine Talgdrüse beim Hund verstopft, zum Beispiel durch eingetrockneten Talg oder durch abgestorbene Hautschüppchen. Tritt dieser Fall ein, kann der von der Talgdrüse produzierte Talg sich nicht mehr auf der Haut verteilen. Der Talg beginnt stattdessen, sich, umschlossen von einer Kapsel, am Drüsenausgang anzusammeln. In diesem Fall handelt es sich um ein „falsches“ Atherom. Sie besitzen einen Ausführungsgang.

Wie erkennt man ein Atherom beim Hund?

Atherome in der Haut sind gar nicht immer so leicht zu erkennen. Sie variieren stark in der Größe, manche sind kaum größer als eine Linse, andere wiederum erreichen die Größe eines Hühnereis.

Außerdem können sie nahezu überall am Körper auftauchen. Deshalb ist es sinnvoll, eine Umfangsvermehrung grundsätzlich immer dem Tierarzt zu zeigen und sich ausführlich beraten zu lassen. Der Tierarzt kann mittels Probenahme und seiner Erfahrung oft sicherer sagen, um was für eine Problematik es sich handelt.

Dennoch gibt es auch für den Besitzer Hinweise, dass es sich bei dem entdeckten Knoten in der Hundehaut um einen Grützbeutel handelt:

  • Grützbeutel fühlen sich prall und elastisch an
  • Sie treten besonders oft an sehr stark behaarten Stellen auf, zum Beispiel im Genick oder auf dem Rücken.
  • In der Regel ist das Fell über dem Atherom unverändert. Häufig fällt einem die Hautveränderung beim Streicheln auf.
  • Atherome sind gut und klar abgrenzbar vom restlichen Gewebe.
  • Atherome sind in der Regel nicht schmerzhaft, außer bei Entzündungen.
  • Sie lassen sich innerhalb der Haut gut gegen die Unterhaut verschieben. Der Hund hat einen beweglichen Knubbel unter der Haut.
     

Knubbel im Genick entdeckt: Wann man zum Tierarzt sollte

Wie harmlos und klein ein Knötchen in der Haut auch erscheinen mag – es sollte immer vom Tierarzt untersucht werden. Auch kleine Knubbel können sich als Tumor herausstellen, wohingegen große Knubbel auch vollkommen harmlose Ursachen haben können.

Die Untersuchung beim Tierarzt beinhaltet im Regelfall eine Punktion des Knotens mitsamt einer zytologischen Untersuchung. Über diese Untersuchung lässt sich mit großer Sicherheit bestimmen, um was für eine Art von Umfangsvermehrung es sich handelt und was man am besten dagegen unternehmen kann. Es kann zum Beispiel auch ein Lipom sein.

Wann sollte man Atherome behandeln?

Grützbeutel beim Hund sind in der Regel kein Notfall. Da sie normalerweise nicht schmerzen und meist auch nicht an störenden Stellen liegen, werden sie häufig nicht therapiert. Wenn das Atherom jedoch an einer ungünstigen Stelle liegt und den Hund stört oder es sehr groß ist, sollte man in Erwägung ziehen, es entfernen zu lassen.

Außerdem bieten die abgestorbenen Hautzellen mitsamt dem Talg ein ideales Milieu für Bakterien, die sehr leicht in die Haut eindringen können. Sie siedeln sich mit großer Vorliebe in den Grützbeuteln an und lösen dort häufig heftige, äußerst schmerzhafte, eitrige Entzündungen aus, die die Lebensqualität des Hundes massiv einschränken können. Auch in einem solchen Fall ist es notwendig, das Atherom zu behandeln.

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Wie behandelt man Atherome beim Hund?

Bei einem Atherom genügt es in der Regel nicht, es auszudrücken. Bei einem Hund Pickel ausdrücken zu wollen, gestaltet sich häufig generell als schwierig, da dieser Vorgang recht schmerzhaft ist. Außerdem kann der Versuch des Ausdrückens einen Entzündungsprozess erst recht in Gang setzen.

Noch wichtiger ist aber die Problematik, dass ein Atherom durch das Ausdrücken für gewöhnlich nicht verschwindet. Die das Atherom umgebende Kapsel bleibt nach dem Ausdrücken bestehen und bewirkt die Ansammlung von neuem Talg und Hautschüppchen, sodass sich das Atherom nach kurzer Zeit wieder füllt.

Möchte man ein Atherom also vollständig entfernen, reicht es nicht, es auszudrücken und auch nicht, es zu spalten. Stattdessen muss bei einer Entfernung auch die Kapsel das Atheroms entnommen werden. Meistens wird dies in Vollnarkose, zumindest aber mit einer lokalen Betäubung durchgeführt. Ist das Atherom aufgegangen, so ist auch da eine gute Versorgung durch den Tierarzt notwendig. Er reinigt die Haut und entfernt Reste aus dem Atherom, um möglichen Entzündungen vorzubeugen und eine Wiederkehr des Atheroms zu verhindern.

Ein entzündlich verändertes Atherom erfordert zumeist zusätzlich zur Entfernung eine Therapie mit passendenAntibiotika.

Wie ist die Prognose bei der Entfernung eines Atheroms?

Wenn das Atherom vollständig mitsamt Kapsel entfernt wurde, ist die Prognose in der Regel günstig. Je stärker das Atherom beim Eingriff entzündet ist, desto schlechter wird die Prognose. Deshalb gibt es in manchen Fällen, zum Beispiel bei einem großen oder bei einem ungünstig gelegenen Atherom, Sinn, es prophylaktisch zu entfernen, bevor es sich entzündet.

Wichtig ist immer eine vernünftige Nachsorge, bei der der Tierarzt in Abständen von wenigen Tagen die Wunde kontrolliert und sie gut reinigt. Oftmals gibt es zur korrekten Reinigung der Wunde auch Anleitungen für den Besitzer mit nach Hause.

Gibt es eine Prophylaxe gegen Grützbeutel?

Es gibt keine richtige Prophylaxe gegen Atherome. Die Vermeidung von Druckstellen im Nacken und Rücken durch schlecht sitzende Geschirre kann eventuell die Bildung eines Grützbeutels verhindern. Auch das regelmäßige Bürsten fördert die Verteilung des Talgs über die Haut und regt die Funktion der Talgdrüsen an. Dies kann verhindern, dass sie verstopfen.

Fazit

Atherome bzw. Grützbeutel beim Hund sind harmlose Umfangsvermehrungen der Haut, sie sich meistens gut therapieren lassen. Man sollte jedoch bei jedem auch noch so unscheinbaren Knubbel unter der Haut vom Vierbeiner den Tierarzt zur Sicherheit konsultieren, um auszuschließen, dass es sich dabei um einen bösartigen Tumor handelt.

Herausgegeben von

Martin Walter