Zahnstein beim Hund: Krankheitsbild mit Folgen

Braune Beläge auf den Zähnen sehen nicht nur unschön aus und riechen streng: Sie sind auch der Vorbote von Karies und Parodontitis. Verschiedene Vorsorgemaßnahmen können die Bildung von Plaque verhindern. Bereits vorhandener Zahnstein sollte zeitnah vom Tierarzt entfernt werden.

Zahnfleisch mit Zahnstein beim Hund
Je nach Fortschreiten des Zahnsteins beim Hund ist ein Besuch beim Tierarzt ggf. notwendig - 123rf

Entstehung von Zahnstein: Was geschieht am Zahn?

Bei der Futteraufnahme bleiben zwangsläufig Nahrungsbestandteile an der Zahnoberfläche haften, sogenannte Plaque. Dabei handelt es sich vorrangig um Zucker; aber auch um Proteine. In diese Beläge können sich ab einem bestimmten Ausmaß Mineralien aus dem Speichel (Calcium- und Phosphatverbindungen) einlagern.

In der Folge bilden sich steinharte Ablagerungen. Diese verbinden sich so fest mit dem Zahn, dass sie sich auch durch Zähneputzen nicht mehr entfernen lassen. Im Laufe der Zeit nimmt der Zahnstein fortschreitend an Dicke zu.

Er bildet einen idealen Nährboden für Bakterien, die von Natur aus in der Maulhöhle vorkommen. Ihre Stoffwechselprodukte haben den zahnsteintypischen fauligen Geruch zur Folge. Die Bakterien verstoffwechseln Zucker zu Milchsäure, die den Zahnschmelz angreift: Es kommt zu Karies (Zahnfäule). Auch am Zahnfleisch entstehen entzündliche Prozesse – Gingivitis.

Welche Ursachen gibt es?

Die Bildung von Zahnstein wird durch verschiedene, individuelle Faktoren begünstigt. Hunde können daher von Natur aus mehr oder weniger anfällig sein. Entscheidend sind unter anderem:

  • Zahnsubstanz
  • Zahnstellung
  • Breite der Zahnzwischenräume
  • Speichelzusammensetzung

Zahnfehlstellungen, enge Zahnzwischenräume und eine raue Zahnoberfläche begünstigen das Anhaften von Nahrungsbestandteilen. Wie schnell und intensiv sich darin Mineralien einlagern, hängt von der Zusammensetzung des Speichels ab.

Wie äußert sich Zahnstein beim Hund?

Besitzer, deren Hund an Zahnstein leidet, berichten hauptsächlich von den folgenden Symptomen:

  • Braune Verfärbungen der Zahnoberflächen
  • Raue Ablagerungen
  • Gerötetes, empfindliches Zahnfleisch
  • Rückbildung des Zahnfleischs
  • Verändertes Fressverhalten
  • Maulgeruch
  • Ausfall von Zähnen

Beim Blick ins Maul ist Zahnstein bereits anhand der braunen, rauen Auflagerungen eindeutig feststellbar. Tendenziell treten diese zuerst am Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch auf und breiten sich dann über den restlichen Zahnkörper aus. Das Zahnfleisch ist entzündet, neigt zum Bluten und bildet sich langfristig zurück, wodurch die Zahnhälse freiliegen.

Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu einer generalisierten Lockerung des Zahnhalteapparates und einer Zerstörung der Zähne durch das Eindringen von Bakterien. Die Folgen sind Karies, lockere Zähne und schließlich Zahnausfall. Einige Hunde zeigen ein verändertes Fressverhalten, indem sie beispielsweise nur noch weiches Futter aufnehmen oder auffällige Kaubewegungen zeigen.

Mögliche Komplikationen

Bleibt Zahnstein beim Hund langfristig unbehandelt, sind verschiedene Folgeerkrankungen möglich. So können kariesbedingte Zahnwurzelentzündungen auf den Kieferknochen übergreifen und diesen schwer schädigen. Die extreme Anzahl an Bakterien, die sich im Zahnstein ansiedelt, kann den kompletten Organismus schädigen. Im Zuge der Entzündungsprozesse geraten sie in die Blutbahn und können unter anderem Entzündungen des Herzens und Abszesse in Leber und Nieren verursachen.

Therapie – frühzeitiges Handeln ist notwendig

Je eher Zahnstein beim Hund erkannt wird, desto einfacher lässt er sich entfernen und desto geringer ist das Risiko von Folgeschäden. Ideale Voraussetzungen dafür sind Wachsamkeit von Seiten des Besitzers und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durch den Tierarzt, beispielsweise im Zuge der Jahresimpfungen.

Zahnstein aufweichen beim Hund

Bis zu einem gewissen Grad kann Zahnstein vom Besitzer aufgeweicht und entfernt werden. Hierzu bieten Tierärzte spezielle Gels an. Sie werden wie Zahnpasta auf den betroffenen Zähnen verteilt. Die enthaltenen Enzyme weichen den Zahnstein auf. Im Anschluss kann er vom Besitzer abgekratzt werden oder der Hund enthält geeignetes Kaumaterial, um einen eigenständigen Abrieb zu erzielen.

Ist das komplette Gebiss betroffen, sind bereits deutliche Entzündungen vorhanden oder erkrankte Zähne sichtbar, gehört die Zahnsteinentfernung immer in tierärztliche Hände. Dasselbe gilt, wenn der Hund Schmerzen oder Probleme beim Fressen zeigt. Darüber hinaus tolerieren nicht alle Hunde die Aufweichung des Zahnsteins durch den Besitzer.

Tipp: Der ideale Ansprechpartner für Anliegen rund ums Thema Hundegebiss ist ein Fachtierarzt für Zahnheilkunde.

Zahnstein in Narkose beim Hund entfernen

Im fortgeschrittenen Stadium und bei Zahnschädigungen ist eine professionelle Zahnreinigung beim Tierarzt unerlässlich. Hierfür erhält der Hund eine Narkose, der Fang wird mit einem Maulspreizer weit geöffnet und der Zahnstein mit einem speziellen Ultraschallgerät entfernt.

Im Anschluss poliert der Tierarzt die Zahnoberflächen sorgfältig. Nach der Reinigung sind die Zähne des Hundes wieder strahlend weiß. Erkrankte oder lockere Zähne werden während der Zahnreinigung direkt mitbehandelt beziehungsweise entfernt. Im Zweifelsfall führt der Tierarzt ein Dentalröntgen durch, um die Zahnwurzeln zu beurteilen.

Die Kosten für Zahnbehandlungen, wie die Entfernung von Zahnstein, können Sie sich mit der Hundekrankenversicherung von SantéVet erstatten lassen.

Zahnstein beim Hund vorbeugen

Die Zahnsteinprophylaxe beinhaltet in erster Linie:

  • Zuckerarme Ernährung
  • Geeignete Kaumaterialien
  • Zähneputzen

Ernährung

Eine zuckerarme Ernährung entspricht der Natur des Hundes und beugt vielen Problemen vor. Zu den negativen Folgen von Zucker gehört unter anderem, dass er sich besonders leicht am Zahnschmelz anlagert und zur Ansiedelung von Bakterien führt.

Auch Kaumaterialien wirken der Zahnsteinbildung entgegen: Bei wildlebenden Hunden und Wölfen erfolgt durch das Zerreißen von Beutetieren sowie das Benagen und Zerbeißen ihrer Knochen eine mechanische Zahnreinigung. Vorhandene Plaque wird dabei automatisch abgerieben. Bei Hunden, die mit Fertigfutter ernährt werden, fällt dieser Mechanismus weg. Sie sollten daher regelmäßig feste, naturbelassene Kaumaterialien (zum Beispiel Schweineohren oder Kauknochen) erhalten. Weiterhin eignet sich Kauspielzeug mit einer speziellen Oberfläche aus Lamellen und Noppen.

Achtung: Neben naturbelassenen werden teilweise auch verarbeitete, zuckerhaltige Kauprodukte angeboten. Diese sind nicht geeignet!

Zähne putzen

Äußerst empfehlenswert ist die tägliche Zahnpflege durch den Besitzer. Hierzu bieten Tierärzte spezielle Hundezahnpasta an. Diese trägt der Besitzer auf eine weiche (Hunde-)Zahnbürste oder einen Fingerling auf, um anschließend die Zahnoberflächen damit einzureiben. Idealerweise werden Hunde bereits als Welpen spielerisch an die tägliche Zahnpflege gewöhnt.

Herausgegeben von

Martin Walter