Magendrehung beim Hund: Risikofaktoren, Alarmzeichen und Behandlung

Die Magendrehung (Torsio ventriculi) gehört unter Hundehaltern zu den am meisten gefürchteten Notfallsituationen. Da die Erkrankung meist unvermittelt auftritt und die konkreten Auslöser noch nicht eindeutig geklärt sind, ist es besonders wichtig, dass Hundebesitzer die Symptome kennen. Nur auf diese Weise ist ein schnelles und zielgerichtetes Handeln möglich.

Magendrehung Hund
Bei der Magendrehung des Hundes handelt es sich um einen absoluten Notfall, der sofort behandelt werden muss. - Jaromir Chalabala

Was geschieht bei einer Magendrehung?

Anatomische Hintergründe

Der Magen ist über sogenannte Bänder an der Bauchdecke aufgehängt. Bei großen, ausgewachsenen Hunden mit einem tiefen Brustkorb sind diese Bänder vergleichsweise locker ausgebildet. Bestimmte Faktoren können dazu führen, dass der Magen sich um seine Längsachse dreht. Durch die Drehung werden sowohl der Ösophagus (die Speiseröhre) als auch das Duodenum (der Zwölffingerdarm) abgeschnürt. Infolgedessen kann der Nahrungsbrei weder in den Darm weitertransportiert noch zurück in die Speiseröhre befördert werden.

Beeinträchtigung der Lungen- und Herzfunktion

Während der Verdauungsprozesse entstehen im Magen Gase. Diese können im Falle einer Magendrehung nicht entweichen. In der Folge bläht sich der Magen zunehmend auf und übt Druck auf das Diaphragma (Zwerchfell) aus. Die im Brustkorb befindlichen Organe, insbesondere das Herz und die Lunge, werden dadurch eingeengt.

Komprimierung von Gefäßen und Nerven

Darüber hinaus kommt es zu einer Quetschung verschiedener Nerven und Blutgefäße. Dies betrifft insbesondere die Vena portae (Pfortader) und die Vena cava caudalis (hintere Hohlvene). Das Resultat ist eine lebensbedrohliche Blutmangelversorgung des kompletten Organismus.

Ursachen und Vorbeugung einer Magendrehung

Bezüglich der Ursachen gehen die Expertenmeinungen auseinander. Als mögliche Risikofaktoren gelten:

  • Tiefer Brustkorb
  • Hohes Alter
  • Plötzliche, starke Magenfüllung
  • Quellfähiges Futter
  • Plötzliche Futterumstellung
  • Körperliche Betätigung nach der Nahrungsaufnahme

Prädisponierte Rassen

Zu den aufgrund ihres tiefen Brustkorbs besonders gefährdeten Rassen zählen Doggen, Schäferhunde, Irish Setter, Chow Chows, Dobermänner, Bernhardiner und Greyhounds. Kleine Hunde sind nur sehr selten betroffen.

Lebensalter

Mit zunehmendem Alter leiern die bindegewebigen Magenbänder allmählich aus. Dementsprechend steigt das Risiko einer Magendrehung. Eine Magendrehung beim Welpen kommt extrem selten vor.

Fütterungsmanagement

Hunde, die ihr Futter hastig herunterschlingen, scheinen ein erhöhtes Risiko aufzuweisen. Dies wird auf die plötzliche Füllung des zuvor leeren Magens sowie das Abschlucken von Luft zurückgeführt.

Trockenfutter ist hier möglicherweise besonders problematisch, da es im Magen aufquillt. Hunde, die nur einmal täglich fressen, nehmen ein entsprechend großes Futtervolumen in kurzer Zeit auf. Eine mindestens zweimal täglich erfolgende Fütterung entlastet den Magen.

Das Fressen aus erhöhten Futternäpfen begünstigt das Abschlucken von Luft und gilt daher ebenfalls als ein möglicher Risikofaktor. Ein abrupter Futterwechsel kann zu verstärkten Gärprozessen im Magen führen.

Auch das gleichzeitige Füttern vieler verschiedener Futtermittel oder von Nahrungsmitteln unterschiedlicher Konsistenzen fördert tendenziell die Gasbildung. Dadurch erhöht sich der im Magen vorherrschende Druck.

Bewegung nach der Futteraufnahme

Als möglicher Auslöser der Magendrehung beim Hund gelten auch Toben, Sprinten und Wälzen unmittelbar nach der Futteraufnahme. Nach dem Fressen sollten ausgewachsene Hunde etwa zwei Stunden lang nicht ausgeführt, zum Spielen animiert oder zum Toben in den Garten gelassen werden.

Welche Symptome zeigen Hunde mit einer Magendrehung?

Die Symptome der Magendrehung beim Hund sind meistens relativ eindeutig. Alarmzeichen, die in der Regel plötzlich auftreten, sind:

  • Aufgetriebener Bauch
  • Würgen ohne Futterauswurf
  • Massives Speicheln, Schluckbeschwerden
  • Ruhelosigkeit, Angst- und Schmerzanzeichen

Zusätzlich möglich sind:

  • Atembeschwerden
  • Blasse Schleimhäute
  • Schwäche, Apathie

Den aufgetriebenen Leib stellen Besitzer oft schon mit bloßem Auge fest. Durch die Gärprozesse im Magen nimmt die Aufgasung immer weiter zu. Der zunehmende Druck führt zu einem Brechreiz, der durch die Abschnürung der Speiseröhre aber anders als bei Würmern beim Hund keinen Futterauswurf nach sich zieht. Aus demselben Grund können betroffene Hunde nicht schlucken, was sich vor allem durch ein vermehrtes Speicheln zeigt.

Die Magendrehung ist mit hochgradigen Schmerzen verbunden. Diese äußern sich meist in einer Ruhelosigkeit mit einem permanenten Wechsel der Körperposition, Zittern, Hecheln, Winseln und Stöhnen.

Bei ausbleibender Therapie führt die Magendrehung beim Hund zu einem Kreislaufschock. Die anfängliche Ruhelosigkeit wandelt sich in Gehunfähigkeit und Apathie. Die Hunde zeigen blasse Schleimhäute; im Falle von Atembeschwerden ist auch eine Zyanose (Blaufärbung der Schleimhäute) zu beobachten. Der Schockzustand endet unbehandelt immer tödlich.

Achtung:
Der dringende Verdacht auf eine Magendrehung besteht bei einem plötzlich aufgetriebenen Leib und dem vergeblichen Versuch, zu erbrechen. Ein Hund mit diesen Symptomen muss sofort einem (Not-)Tierarzt vorgestellt werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Beim Verdacht auf eine Magendrehung ist eine umgehende tierärztliche Behandlung unerlässlich, um das Leben des Hundes zu retten. Außerhalb der Sprechzeiten muss ein Notdienst aufgesucht werden.

Stabilisierung

Die erste tierärztliche Maßnahme besteht in einer Stabilisierung des Kreislaufs. Hierzu erhält der Hund einen venösen Zugang und eine Schockinfusion. Auch Schmerzmedikamente, Wärme und gegebenenfalls Sauerstoffzufuhr gehören zur Notfallversorgung. Im Falle einer hochgradigen Aufgasung punktiert der Tierarzt den Magen durch die Bauchdecke mit einer Kanüle und zieht einen Teil des Gases ab.

Operation

Nach der Erstversorgung wird der Hund schnellstmöglich operiert. Der Tierarzt eröffnet den Bauchraum und dreht den Magen vorsichtig in seine physiologische Position zurück. Im Anschluss näht er ihn im Rahmen einer sogenannten Gastropexie an der Bauchwand fest. Diese Stabilisierungsmaßnahme verringert das Risiko einer weiteren Magendrehung für die Zukunft erheblich.

Die Kosten für eine Magendrehung-OP können Sie sich einfach mit der Hundekrankenversicherung von SantéVet zurückerstatten lassen.

Nachsorge

Nach dem Eingriff verbleibt der Hund zunächst zur Beobachtung in stationärer Behandlung. Erst, wenn sein Kreislauf stabil ist, wird er nach Hause entlassen. Um einen einwandfreien Heilungsverlauf zu gewährleisten, sind Nachkontrollen nach tierärztlicher Anweisung unerlässlich.

Tipp:
Bei prädisponierten (besonders gefährdeten) Hunden ist auch eine vorsorgliche Gastropexie möglich. Diese kann beispielsweise vorgenommen werden, wenn der Bauchraum aufgrund einer anderweitigen Operation ohnehin eröffnet wird.

 

Herausgegeben von

Martin Walter