Bindehautentzündung beim Hund

Die Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist eine häufige und für den Hund sehr unangenehme Augenkrankheit. Sie muss in jedem Fall ernstgenommen werden, um dem Hund Schmerzen zu ersparen und Komplikationen zu vermeiden. Vermuten Sie eine andere Erkrankung? In unserem Ratgeber über Hundekrankheiten und Vorsorgemaßnahmen informieren wir über viele weitere Gesundheitsthemen.

Bindehautentzündung beim Hund
Eine Bindehautentzündung beim Hund kann vielfältige Ursachen haben - Pixabay

Ursachen der Bindehautentzündung beim Hund

Das Auge ist ein sehr sensibles Organ, das von verschiedenen Augenkrankheiten betroffen sein kann. Dies gilt auch für die Bindehäute (Konjunktiven) als Schleimhäute der Augenlider. Mögliche Ursachen für Entzündungsreaktionen sind:

  • extreme Hitze oder Kälte, niedrige Luftfeuchtigkeit, Zugluft
  • mechanische Reizung durch Wimpern, Haare, Staubpartikel, sonstige Fremdkörper
  • reizende Aerosole oder Flüssigkeiten
  • Verletzung, zum Beispiel ein Kratzer
  • Infektion durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten
  • mangelhafter Lidschluss
  • verminderte Tränenproduktion
  • Allergie

Extreme Temperaturen und Heizungsluft führen zu einer sehr trockenen Umgebungsluft, welche den Tränenfilm auf der Augenoberfläche in seiner Zusammensetzung stört. Denselben Effekt hat Zugluft.

Um die Austrocknung des Tränenfilms zu zu vermeiden, bilden die Tränendrüsen größere Mengen Tränenflüssigkeit. Jedoch verdunstet diese deutlich schneller als der durch die sogenannten Meibom-Drüsen gebildete, lipidhaltige Tränenfilm. In der Folge entsteht ein trockenes Auge, wodurch sich häufig die Bindehäute entzünden.

Fremdkörper verschiedener Art reizen das Auge massiv. Oft wandern sie von der Augenoberfläche zu den Bindehäuten und verbleiben dort. Es kommt zur mechanischen Reizung und zu entzündlichen Reaktionen. Mögliche Auslöser sind beispielsweise Staubpartikel, Sand oder Aerosole (Sprays, Reinigungsmittel, Gase ...).

Haare und Wimpern stellen dann einen permanenten Reiz dar, wenn sie aufgrund einer angeborenen Missbildung in Richtung Auge wachsen. Bei Wimpern ist dies der Fall, wenn ein eingerolltes Augenlid, ein sogenanntes Entropium, vorliegt.

Bereits sehr kleine Verletzungen führen schnell zu einer schmerzhaften Konjunktivitis. Kratzer beispielsweise können nicht nur beim wilden Spiel mit Artgenossen auftreten, sondern der Hund kann sie sich auch versehentlich selber zufügen oder beim Streifen durchs Dickicht zuziehen.

Infektionen durch Krankheitserreger wie Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten können zu heftigen Entzündungen führen. Sie siedeln sich entweder infolge einer Verletzung, Verunreinigung, Allgemeininfektion oder Ansteckung bei Artgenossen an.

Ein mangelhafter Lidschluss ist vor allem die Folge angeborener Missbildungen, die teilweise zu den Zuchtmerkmalen zählen. So beispielsweise bei Möpsen, Boxern und Französischen Bulldoggen vermehrt zu beobachten. Gelegentlich wird der ausbleibende Lidschluss auch in Narkosen zum Problem, wenn die Augen des Hundes geöffnet sind und eine adäquate Befeuchtung versäumt wird. In beiden Fällen kommt es zur Austrocknung des Auges, da der Lidschlag für die Verteilung des Tränenfilms verantwortlich ist.

Ebenso führt eine verminderte Tränenproduktion zur Austrocknung des Auges. Auch hierfür besteht mitunter eine genetische Prädisposition.

Letztlich können allergische Reaktionen zu massiven Entzündungsreaktionen der Bindehäute führen.

Symptome der Bindehautentzündung beim Hund

Die typischen Symptome einer Konjunktivitis sind:

  • Rötungen und Schwellungen der Bindehäute
  • vermehrter Tränenfluss
  • Bläschen an den Bindehäuten
  • vermehrtes Blinzeln, Zukneifen des Auges
  • Reiben und Kratzen am Auge
  • Lichtempfindlichkeit
  • Berührungsempfindlichkeit, Reizbarkeit

Entzündete Schleimhäute sind gerötet und oft auch geschwollen. Häufig tränt das betroffene Auge, wobei der Ausfluss klar, trüb oder eitrig sein kann. Meist handelt es sich zunächst um klare Flüssigkeit, die sich infolge der Entzündungsreaktion eintrübt und bei ausbleibender Behandlung schließlich eitrig wird, da sich sekundär Bakterien ansiedeln.

Bestimmte Viren führen zur Bildung schmerzhafter Bläschen auf den Bindehäuten. Schmerzen, Juckreiz und ein Fremdkörpergefühl im betroffenen Auge führen dazu, dass der Hund es zukneift oder auffällig oft blinzelt. Auch ein Reiben und Kratzen mit der Pfote ist möglich. Patienten mit einer Konjunktivitis sind häufig licht- und berührungsempfindlich und besonders reizbar.

Bindehautentzündung beim Hund: Was ist zu tun?

Die Therapie richtet sich nach der Ursache und der Schwere der Konjunktivitis: Handelt es sich lediglich um eine Rötung, die zum Beispiel durch Zugluft oder eine kleine Verletzung entstanden ist, können bereits pflegende Augentropfen dem Hund helfen.

Schon gewusst?
Wenn Hunde beim Autofahren aus dem geöffneten Fenster schauen, entwickeln sie besonders leicht eine Bindehautentzündung.

Wann ist ein Tierarztbesuch notwendig?

Bei ausbleibender Besserung bis zum nächsten Tag sowie bei schweren Symptomen muss zügig ein Tierarzt aufgesucht werden. Dies gilt insbesondere in folgenden Fällen:

  • eitriger Ausfluss
  • Bläschenbildung
  • sichtbarer, nicht ausspülbarer Fremdkörper
  • weitere Augensymptome, zum Beispiel Trübung oder Blutung
  • gestörtes Allgemeinbefinden
  • deutliche Schmerzsymptomatik

In diesen Fällen ist es wichtig, die Grundursache gezielt zu behandeln beziehungsweise den Hund nicht nur mit Augentropfen, sondern auch mit Schmerzmitteln zu behandeln.

Diagnostik

Eine Bindehautentzündung beim Hund ist mit bloßem Auge erkennbar. Für eine ursächliche Behandlung und zur Feststellung möglicher Komplikationen ist jedoch eine sorgfältige Diagnostik notwendig. Dazu können beispielsweise gehören:

  • Ophthalmoskopie (Betrachtung des Auges mit dem Ophthalmoskop)
  • Flourescein-Färbung: Untersuchung auf Hornhautläsionen
  • Schirmer-Tränentest: Überprüfung der Tränenproduktion
  • Abstrich: Untersuchung auf Krankheitserreger

Je nach ersten Befunden kommt eine Vielzahl weiterer Untersuchungen infrage, zum Beispiel:

  • Prüfung des Pupillar- und Drohreflexes
  • Tonoskopie: Ermittlung des Augeninnendrucks
  • Gonioskopie: Betrachtung der Kammerwinkel
  • Spaltlampendiagnostik: Betrachtung der einzelnen Strukturen im Auge
  • Bildgebende Diagnostik: zum Beispiel Ultraschall, Röntgen, Computertomographie (CT)

Augenkrankheiten können nicht nur sehr unangenehm sein, sondern auch schnell voranschreiten und zu ernsthaften Komplikationen führen. Im schlimmsten Fall verliert der Hund dadurch sein Augenlicht. Daher gilt: Im Zweifelsfall sollte lieber einmal zu häufig ein Tierarzt aufgesucht werden.

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Therapie von Bindehautentzündungen bei Hunden

Je nach Ergebnis der Diagnostik kommen unterschiedliche Behandlungsmethoden zum Einsatz:

  • Bakterielle Infektion: antibiotische Augenmedikamente
  • Pilzinfektion: antimykotische Augenmedikamente
  • Virale Infektion: eventuell Virostatika
  • Allergie: Hyposensibilisierung, Cortison
  • Fremdkörper, Parasiten: chirurgische Entfernung
  • Missbildungen: operative Korrektur

Augenmedikamente können in Form von Tropfen, Gelen oder Salben verabreicht werden.

Tipp:

Insbesondere bei chronischen Bindehautentzündungen oder zusätzlichen Augensymptomen, zum Beispiel einer Linsentrübung, ist ein Fachtierarzt für Augenheilkunde der ideale Ansprechpartner.

 

Herausgegeben von

Martin Walter