Grauer Star beim Hund

Der Graue Star (sogenannte Katarakt) bezeichnet eine zunehmende Trübung der Augenlinse. Dahinter kann eine entsprechende Veranlagung oder eine Erkrankung stecken. Da eine Erblindung die Lebensqualität des Hundes deutlich beeinträchtigt, sind eine eindeutige Diagnose und eine darauf basierende Therapie gefragt. Informieren Sie sich hier auch über weitere Hundekrankheiten und Vorsorgemaßnahmen.

Hund grauer Star
Durch einen operativen Eingriff gewinnen Hunde mit grauem Star ein großes Stück Lebensqualität zurück - 123rf

Hintergründe: Was passiert bei einem grauen Star?

Das Auge ist ein komplexes Organ, dessen einzelne Strukturen in einem Zusammenspiel miteinander stehen. Bereits durch kleine Veränderungen kann dieses Gleichgewicht gestört werden. Das ins Auge einfallende Licht wird mehrmals gebrochen und anschließend in einem Punkt auf der Netzhaut gebündelt, sodass ein scharfes Bild entsteht. Die Lichtbrechung erfolgt zunächst an der Hornhaut, anschließend im Kammerwasser, in der Linse und schließlich im Glaskörper.

Doch die Linse hat neben der Lichtbrechung noch eine andere wichtige Eigenschaft: Sie kann ihre Form verändern und die Intensität der Lichtbrechung dadurch stark beeinflussen. Auf die Weise ermöglicht sie es dem Betrachter, Objekte in unterschiedlichen Entfernungen scharf zu sehen: Wird ein Punkt dicht vor dem Augapfel fixiert, nimmt die Linse eine kugelförmige Gestalt an und sorgt für eine starke Brechung des einfallenden Lichts. Beim Blick in die Ferne hingegen flacht sie sich ab.

Durch eine Linsentrübung erscheint das Bild verschleiert und die Linse verliert an Elastizität. Beides beeinträchtigt die Sehfähigkeit zunehmend.

Schon gewusst?
Ein grauer Star ist beim Hund keine typische Alterserscheinung. Er sollte immer tierärztlich abgeklärt werden!

Mögliche Ursachen für einen grauen Star bei Hunden

Der Graue Star kann durch verschiedene Auslöser entstehen. Dazu gehören:

  • Veranlagung
  • Stoffwechselstörung (zum Beispiel Diabetes mellitus)
  • Augenerkrankung (zum Beispiel Netzhautschädigung, Uveitis)
  • Augenverletzung

Neben diversen Krankheiten und Verletzungen kann eine genetische Komponente zur Entwicklung einer Katarakt führen. Häufig betroffene Rassen sind zum Beispiel Dackel, Pudel, Retriever, Zwergschnauzer, Afghanen und Cocker Spaniel.

Symptome beim Grauen Star

Grauer Star beim Hund ist ab einem gewissen Stadium mit bloßem Auge zu erkennen: Die Linse ist weiß bis bläulich verfärbt. Bis zur vollständigen Eintrübung können je nach Ursache ein bis zwei Wochen, mehrere Monate oder sogar Jahre vergehen. Aber Achtung: Mit einer Blickdiagnose ist es nicht getan.

Verfärbte Linse = Grauer Star?

Eine Katarakt darf nicht mit anderweitigen Linsenverfärbungen verwechselt werden. Insbesondere ist hier die Linsensklerose zu nennen, welche zu einer altersbedingten Ergrauung führt, ohne jedoch dabei die Sehfähigkeit zu beeinträchtigen. Eine Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut) führt oft zu einer rötlichen Verfärbung der Linse.

Symptome bei Sehstörungen

Eine beginnende Linsentrübung, die noch nicht eindeutig zu sehen ist, kann sich auch anderweitig äußern: Augenkrankheiten, die mit einer Verschlechterung der Sehfähigkeit einhergehen, führen zu typischen Verhaltensauffälligkeiten. Dazu gehören:

  • Lichtempfindlichkeit
  • Orientierungsprobleme bei Dunkelheit
  • vermehrtes Anstoßen an Gegenstände
  • verminderte Aktivität
  • Unsicherheit in fremden oder veränderten Umgebungen
  • Schreckhaftigkeit

Durch den verstreuten Lichteinfall auf die Netzhaut fühlen sich betroffene Hunde leicht geblendet. Bei Sonne oder plötzlicher Beleuchtung kneifen sie vermehrt die Augen zusammen oder suchen einen weniger hellen Bereich auf.

Durch die eingeschränkte Sehfähigkeit kommt es vor allem bei Dunkelheit zu Orientierungsproblemen, dem Übersehen von Gegenständen und einer vorsichtigen, ruhigen Fortbewegung. Manche Hunde reagieren auch schreckhaft auf Berührungen, da sie die jeweilige Person nicht haben kommen sehen.

Diagnostik: Welche Untersuchungen führt der Tierarzt durch?

Selbst wenn die Linsentrübung unübersehbar ist: Eine ausführliche tierärztliche Diagnostik ist unerlässlich, um eine eindeutige und vollständige Diagnose zu stellen.

Augenuntersuchung beim Hund

Zunächst ist eine eingehende Untersuchung der Augen durch einen Spezialisten erforderlich: Schließlich tritt der Graue Star oft infolge von oder in Verbindung mit anderweitigen Augenveränderungen auf.

Eine Augenuntersuchung beinhaltet beispielsweise:

  • Adspektion (Betrachtung) mit einem Ophthalmoskop
  • Anfärbung des Auges: Untersuchung auf Hornhautverletzungen
  • Prüfung der Reflexe, zum Beispiel des Pupillar- und Drohreflexes
  • Tonoskopie: Messung des Augeninnendrucks
  • Gonioskopie: Untersuchung der Kammerwinkel
  • Schirmer-Tränentest: Messung der Tränenproduktion
  • Spaltlampendiagnostik: Untersuchung der verschiedenen Ebenen im Auge
  • Elektroretinogramm (ERG): Untersuchung der Netzhaut
  • Ultraschall: Untersuchung der hinter der Linse befindlichen Bereiche

Weitere Augenveränderungen neben dem Grauen Star dürfen nicht übersehen werden: einerseits, da sie mitunter ebenfalls behandlungsbedürftig sind und andererseits, da die Erfolgsaussichten eines operativen Eingriffs davon abhängig sein können.

Schon gewusst?
Ob Grauer Star oder Bindehautentzündung: Bei Augenveränderungen aller Art empfiehlt sich der Besuch bei einem Fachtierarzt für Augenheilkunde (Ophthalmologie).

Weitere Diagnostik bei Grauem Star

Neben anderweitigen Augenerkrankungen muss eine systemische Grunderkrankung als Ursache für die Linsentrübung ausgeschlossen werden. Keinesfalls sollte Grauer Star beim Hund blindlings dem Alter oder der Veranlagung zugeschrieben werden: Gerade im Alter neigen Hunde zu verschiedenen Erkrankungen, die unter anderem zu einer Katarakt führen können. Neben einer gründlichen Allgemeinuntersuchung eignen sich Blut- und Urinuntersuchungen als weiterführende Diagnostik.

Therapie des grauen Stars

Die einzige Möglichkeit, einen Grauen Star zu therapieren, ist eine Operation. Analog zum Eingriff beim Menschen wird die eingetrübte Linse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt.

Die Kosten für die Operation eines grauen Stars können Sie sich mit der Hundekrankenversicherung von SantéVet einfach zurückerstatten lassen.

Ist bei Grauem Star eine OP notwendig?

Bei ausbleibender Therapie erblindet der Hund nicht nur, sondern es sind auch verschiedene Folgeerkrankungen möglich. Dazu gehören:

  • Uveitis
  • Loslösung der Linse
  • Glaukom (Grüner Star)

Erfolgt (aus welchem Grund auch immer) keine Operation, sollte der Hund lebenslang Augentropfen bekommen, um das Risiko der genannten Komplikation zu senken.

Wie läuft der Eingriff ab?

Der Eingriff wird von einem spezialisierten Tierarzt unter einem Operationsmikroskop durchgeführt. Der Hund darf taggleich wieder nach Hause; muss allerdings in den nächsten zwei bis drei Wochen sehr gut beaufsichtigt und konsequent nachbehandelt werden. Letzteres erfolgt insbesondere durch die engmaschige Eingabe von Augentropfen.

Darüber hinaus sind mehrmalige Nachuntersuchungen durch den Augenspezialisten unerlässlich.

Tipp:
Obwohl blinde Hunde gut zurechtkommen können, wird ihre Lebensqualität erheblich gesteigert, wenn sie ihre Sehfähigkeit durch eine Operation zurückgewinnen.

 

Herausgegeben von

Martin Walter