Cherry Eye beim Hund: Ursache und Behandlung

Als Cherry Eye oder Nickhautdrüsen-Vorfall bezeichnet man eine Augenerkrankung des Hundes, die schmerzhaft ist und zu weiteren Beschwerden wie Augentrockenheit, Entzündungen und Sehschwierigkeiten führen kann. Um diese zu verhindern, ist ein schneller Therapie-Beginn wichtig. Doch wie merken Hundehalter, ob ein Cherry Eye des Hundes vorliegt und welche Therapien stehen in diesem Fall zur Verfügung?

Cherry Eye Hund französische Bulldogge braun
Das Kirschauge beim Hund ist meist sofort zu erkennen - Pixabay

Was ist ein Cherry Eye beim Hund?

Der Hund verfügt über drei unterschiedliche Augenlider: ein oberes, ein unteres und die Nickhaut. In der Nickhaut befindet sich die Nickhautdrüse, die einen Teil der Tränenflüssigkeit produziert. Stabilisiert wird die Nickhautdrüse, die geschützt unter dem Auge liegt, von Knorpeln und Gewebe. Sind diese zu schwach oder vergrößert sich die Drüse („Nickhautdrüsen-Hyperplasie“), ragt sie über das Augenlid hervor und ist von außen sichtbar.

Der Name Cherry Eye (Kirschauge) ist auf dieses Erscheinungsbild zurückzuführen. Übrigens: Mehr zum Verhalten und über die Gesundheit von Hunden erfahren Sie in unserem Hunderatgeber.

Symptome: Wie macht sich ein Cherry Eye bei Hunden bemerkbar?

Wenn ein Hund einen Nickhautvorfall hat, ist dies für den Besitzer relativ deutlich erkennbar: Am inneren Augenwinkel wird das Cherry Eye als rote Struktur deutlich. Zusätzlich sind die Bindehaut und die Augenlider meistens gerötet.

In der ersten Zeit nach dem Nickhautvorfall ist ein tränendes Auge typisch, während es im späteren Krankheitsverlauf zu einem trockenen Auge und häufigem Blinzeln kommt. Möglicherweise kneift der Hund dann verstärkt das Auge zu oder versucht, sich daran zu kratzen.

Welche Folgen können durch das Cherry Eye entstehen?

Unbehandelt führt der Nickhautvorfall schnell zu einer Bindehautentzündung. Meist wird durch die Auslagerung der Drüse nicht mehr genug Tränenflüssigkeit produziert. Dies begünstigt eine chronische Augentrockenheit. Außerdem bleibt es selten bei einem Cherry Eye. Nach einiger Zeit zeigt sich in vielen Fällen auch ein Nickhautvorfall am anderen Auge des Hundes.

Ursachen: Wie entsteht ein Cherry Eye beim Hund?

Warum genau es zu einem Vorfall der Nickhautdrüse beim Hund kommt, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Angenommen wird, dass dieser insbesondere bei kurznasigen Hunderassen vererbt wird.

Auch das Alter des Hundes scheint eine Rolle bei der Entstehung der Krankheit zu spielen: Bei älteren Hunden kommt es zur Ausbildung eines Cherry Eye, wenn diese zu trockenen Augen neigen oder unter Augentumoren leiden. Häufiger spielt das Cherry Eye aber bei relativ jungen Hunden – insbesondere unter zwei Jahren – eine Rolle.

Rassen, die ein erhöhtes Risiko für einen Nickhautvorfall zu haben scheinen, sind

  • Amerikanische Cockerspaniel
  • Beagle
  • Englische Bulldoggen und
  • Lhasa Apso

Das gehäufte Auftreten bei kurzköpfigen Hunderassen ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass bei diesen weniger Platz für die Organe des Kopfes zur Verfügung steht. Die Nase ist hier oft kürzer und die Augenhöhlen sind flacher. Die Augäpfel liegen dadurch nicht tief in den Augenhöhlen, sondern liegen diesen eher flach auf.

Bei großen Hunderassen hingegen liegt das Problem eher darin begründet, dass der Knorpel, der die Nickhaut mitträgt, zu lang ist. So kann sich die Nickhaut leichter nach außen hin umschlagen und aus dem Auge hervortreten. Dies ist etwa bei Deutschen Doggen hin und wieder der Fall. Aber auch ein Nickhautdrüsenprolaps durch eine Bindegewebsschwäche, chronische Reize am Auge oder einen Tumor ist möglich.

Wie lässt sich das Cherry Eye behandeln?

Bei einem Nickhautvorfall ist es wichtig, dass die Nickhaut wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückgebracht wird. Bei manchen Hunden rutscht sie von selbst wieder dorthin zurück, oft ist allerdings das Einstülpen unter örtlicher Betäubung durch den Tierarzt nötig. Eine Entfernung der Nickhautdrüse ist nicht zielführend, da es hierdurch zu mangelnder Tränenflüssigkeit kommt, was im trockenen Auge resultiert.

Bis zur OP können Hundebesitzer das Auge ihres Tieres mit einer pflegenden Salbe vom Tierarzt behandeln, um ein Austrocknen und eine Entzündung zu verhindern. Als operative Maßnahme eignet sich die Fixierung der Nickhaut an ihrer ursprünglichen Position. Dabei wird meist der Knorpel korrigiert und die Innenseite der Nickhaut gestrafft, sodass diese sich nicht erneut vorschiebt. Die OP-Nachsorge nach einer solchen Nickhautdrüsenhyperplasie OP umfasst:

  • Antibiotische Augentropfen und Antibiotika in Tablettenform
  • Gegebenenfalls ein Präparat gegen Entzündungen und Schmerzen sowie
  • Das Tragen einer Halskrause oder einer anderen Vorrichtung, welche verhindert, dass der Hund sich am Auge kratzt

Wichtig ist auch, den Hund in der Zeit der Heilung des Auges zu schonen. Zugluft ist zu vermeiden, damit es nicht zur Entzündung kommt. Eine regelmäßige OP-Nachkontrolle und möglicherweise das Fädenziehen finden anschließend beim Tierarzt statt.

Wie sieht die Prognose bei einer Cherry Eye Erkrankung aus?

Es kommt vor, dass die Nickhautdrüse von selbst wieder an ihre korrekte Position zurückrutscht, doch meistens ist eine Operation unumgänglich. Ob diese erfolgreich verläuft und die Drüse dauerhaft hinter dem Augenlid fixiert bleibt, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Wie lange bestand das Cherry Eye, bevor es behandelt wurde?
  • Lag bereits eine Entzündung vor und falls ja: Wie fortgeschritten war diese?
  • Wie groß ist die Nickhautdrüse des Hundes?
  • Wie stabil sind Knorpel und Bindegewebe?
  • Wie flach ist die Augenhöhle des Tieres?
  • Befindet sich das Auge noch im Wachstum oder ist der Hund bereits ausgewachsen?
  • Wie gut halten die OP-Fäden und wie gut ist die OP-Nachsorge durch den Hundehalter?

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Grundsätzlich besteht aber eine gute Chance auf dauerhafte Besserung des Nickhautdrüsenvorfalls. Wichtig ist, dass Tierhalter möglichst zeitnah nach dem Auftreten der ersten Symptome einen Tierarzt aufsuchen und eine Therapie beginnen. Von großer Bedeutung ist auch, dass die Anweisungen des Tierarztes zur Nachsorge nach der Operation eingehalten werden.

Herausgegeben von

Martin Walter