Kreuzbandriss beim Hund: Vorbeugung, Behandlung und Nachsorge der orthopädischen Erkrankung

Der Kreuzbandriss beim Hund zählt zu den häufigsten orthopädischen Erkrankungen, wegen denen Hundebesitzer den Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen. Der Riss macht sich meist schleichend durch zunehmendes Lahmen bemerkbar und muss schnellstmöglich behandelt werden, um den einwandfreien Bewegungsablauf wiederherzustellen und weitere Folgen zu verhindern.

Hund Kreuzbandriss
Sportliche Hunde sind häufiger von Kreuzbandrissen betroffen - 123rf

Das Kreuzband des Hundes: ein anatomischer Einblick

Das Kniegelenk des Hundes hat eine wichtige Funktion, wenn es um die vielseitigen Bewegungsabläufe des Vierbeiners geht. Es verbindet den Ober- mit dem Unterschenkel und ist für die Kraftübertragung, die Stoßdämpfung und die Fortbewegung von großer Bedeutung. Damit das Kniegelenk ausreichend stabilisiert ist, wird es von mehreren Bändern umfasst.

Besonders wichtig sind dabei die Kreuzbänder. Jede Gliedmaße verfügt über zwei von ihnen: ein hinteres und ein vorderes. Bei Hunden kommt es häufig zu einer Ruptur (einem Riss) dieser Bänder, weil sie stetiger Belastung ausgesetzt sind.

Anders als beim Mensch ist das Hundeknie ständig in gebeugter Position und damit größerem Widerstand ausgesetzt. Auf Dauer können zunächst kleine Mikroverletzungen der Bänder entstehen, die immer weiter fortschreiten, bis das Kreuzband komplett reißt.

Die genaue Ursache für diese Risse der Kreuzbänder können falsche oder starke Belastung oder eine unphysiologische (also von der gesunden Norm abweichende) Knie-Winkelung sein. Eine häufige Folge des (lange unbehandelten) Kreuzbandrisses ist die Arthrose, eine degenerative Erkrankung der Gelenke, die mit einem fortschreitenden Funktionsverlust durch Abnutzung und Verschleiß einhergeht.

Mit welchen Symptomen geht der Kreuzbandriss beim Hund einher?

Hunde, die an einem Kreuzbandriss erleiden, zeigen häufig Lahmheiten der betroffenen Gliedmaße. Manche Hunde hinken auch, halten das betroffene Bein hoch oder winkeln es beim Sitzen ab. Bei Berührung ist das Gelenk möglicherweise schmerzhaft. Es kann auch geschwollen sein oder beim Gehen knackende Geräusche machen.

Schon gewusst? In den meisten Fällen reißt das Kreuzband der vorderen Gliedmaße, da es stärkeren Belastungen ausgesetzt ist.

Die Beschwerden können sich im Wechsel verbessern und verschlimmern. Oft treten diese Symptome des Kreuzbandrisses beim Hund nach der Belastung, etwa nach dem Spielen oder nach Spaziergängen, auf. In der Regel ist davon auszugehen, dass der Kreuzbandriss bereits seit einigen Wochen oder gar Monaten besteht, bevor eindeutige Beschwerden sichtbar werden.

Welche Hunde sind besonders häufig vom Kreuzbandriss betroffen?

Einige Hunde sind häufiger von einem Kreuzbandriss betroffen als andere:

  • große Hunderassen wie Berner Sennenhunde oder Rottweiler, aber auch Labrador-Retriever
  • Übergewichtige Hunde
  • Hundesenioren
  • Sportlich aktive Hunde
  • Welpen und Junghunde, die sich noch im Wachstum befinden

Wie stellt der Tierarzt fest, ob ein Kreuzbandriss beim Hund vorliegt?

Hundehalter, die die oben genannten Symptome bei ihrem Hund bemerken, sollten schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen. Dieser wird zunächst im Rahmen einer klinischen Untersuchung ermitteln, ob eine Ruptur des Bandes vorliegt. Dabei achtet er unter anderem darauf, ob die Streckung des betroffenen Gelenks schmerzhaft scheint.

Einen eindeutigen Hinweis liefert auch der sogenannte Schubladentest. Dabei lässt sich der Unterschenkel des Hundes vorschieben, während der Oberschenkel festgehalten wird. Gelingt dies (ähnlich wie bei einer Schublade), gilt der Test als positiv und ein Kreuzbandriss ist wahrscheinlich.

 

Zur weiteren Abklärung und zum Ausschluss anderer, ähnlich verlaufender Erkrankungen bietet sich eine Röntgenaufnahme der Gliedmaße an.

Auch eine Arthroskopie des Gelenks ist möglich. Dabei handelt es sich um einen minimalinvasiven Eingriff, bei dem der Tiermediziner mit einem Endoskop in das Kniegelenk hineinschaut. Auf diese Weise ist es ihm auch möglich, nur teilweise gerissene Bänder zu bemerken.

Wie lässt sich ein Kreuzbandriss beim Hund therapieren?

Für die Kreuzbandriss-Behandlung beim Hund stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Im Vordergrund steht die Beseitigung der Schmerzen, die durch das gerissene Band entstehen, sowie die Verhinderung fortschreitender Prozesse. Es soll beispielsweise vermeiden werden, dass eine Arthrose entsteht.

In der Regel kommen operative Verfahren zum Einsatz, um die Ruptur des Bandes zu behandeln. Die Kosten für diese Verfahren können sich auf etwa 1.600 Euro belaufen, hängen aber von vielen verschiedenen Faktoren ab und können daher variieren.

Eine häufige Operation ist der Bandersatz, bei dem das Kreuzband durch Muskulatur oder Sehnen ersetzt wird. Mit stabilem Nahtmaterial wie Stahl oder Nylon werden diese sicher befestigt, um für eine gute Stabilisierung zu sorgen. Diese Methode findet vorrangig bei kleineren Hunden Anwendung, da es bei größeren Tieren mitunter zur Lockerung oder zum Riss des Fadens kommt.

Eine Alternative dazu ist die Versetzung des Oberschenkelmuskels. Dieser wird mit einem Abstandshalter, Schrauben und einer Platte so fixiert, dass er die Kraftübertragung ausgleicht und das Vorgleiten des Unterschenkels verhindert.

Oft begleitet ein Schaden am Meniskus (ein Knorpel im Kniegelenk) den Kreuzbandriss. In dem Fall muss auch dieser behandelt werden. Da beschädigte Menisken funktionslos sind und lediglich für Schmerzen sorgen, entfernt der Tierarzt sie in der Regel.

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Mit welcher Heilungsdauer ist bei einem Kreuzbandriss zu rechnen?

Nach der Behandlung des Kreuzbandrisses steht eine Heilungsphase an, die zwischen 6 und 16 Wochen andauert. In dieser ist darauf zu achten, dass sich das Kniegelenk nicht entzündet und der Hund dieses langsam wieder belastet, ohne es zu überlasten.

Für einen gezielten Muskulatur-Aufbau und ein Wiedererlangen der Beweglichkeit ist es ratsam, den Tierarzt oder einen Hunde-Physiotherapeuten für geeignete Übungen hinzuzuziehen. Es kann zudem sinnvoll sein, eine stützende Kniebandage zu verwenden.

Wie können Hundehalter einem Kreuzbandriss vorbeugen?

Da übergewichtige Hunde zur Risikogruppe zählen, ist ein gesundes Gewichtsmanagement wichtig, um orthopädische Beschwerden wie den Kreuzbandriss zu verhindern. Auch starke oder unnatürliche Belastungen sollten Hundehalter vermeiden. Dazu zählen vorrangig Start-Stopp-Bewegungen.

Aber auch beim Hundekauf kann ein wichtiger Grundstein zur Prophylaxe gelegt werden: Ein Hund aus einer seriösen Zucht, der schon als Welpe eine bedarfsgerechte Fütterung erhält, hat ein geringeres Risiko für einen Kreuzbandriss.

Und auch im Erwachsenenalter sollten Halter darauf achten, ihrem Hund ein ausgewogenes, nährstoffreiches Futter anzubieten, das Muskeln und Knochen optimal versorgt.

Herausgegeben von

Martin Walter