Ohrenentzündungen bei Hunden erkennen & behandeln

Die Otitis bzw. Ohrenentzündung beim Hund kann das äußere Ohr, das Mittelohr und das Innenohr betreffen. Als Ursachen kommen die Anatomie des Hundeohres, die Lebensumstände, ein Parasitenbefall oder ein Fremdkörper sowie bestimmte Erkrankungen infrage. Bleibt eine Otitis unbemerkt und wird zu einem chronischen Problem, entstehen Veränderungen am Gehörgang, die sich oft nur chirurgisch behandeln lassen.

Hund Ohrenentzündung
Wenn eine Ohrenentzündung beim Hund übel riechendes Ohrsekret hervorruft, sollten Sie zum Tierarzt gehen. - 123rf

Wie entsteht eine Otitis beim Hund und welche Hunde sind betroffen?

Für die Ohrenentzündung beim Hund existieren verschiedene Ursachen. Zum einen spielt die Anatomie des Hundeohres eine Rolle.

Rassen mit Schlappohren (z. B. Retriever oder Spaniel), die an Orten mit einer hohen Umgebungsfeuchte leben oder die gerne in Gewässern schwimmen, haben ein höheres Risiko, Ohrenentzündungen zu entwickeln.

Auch Hunde mit ausgiebigem oder übermäßigem Haarwuchs im Gehörgang wie Pudel oder Terrier leiden häufiger an einer Otitis als andere Hunde. Feuchtigkeit und Schmutz verfangen sich in den Haaren und können zu Infektionen führen.

Außerdem sind Hunde betroffen, die züchtungsbedingt einen zu engen Gehörgang aufweisen (z. B. Bulldoggen).

Neben rassebedingten Prädispositionen gibt es Gründe für Ohrenentzündungen, die jeden Hund treffen können. Dazu gehören:

  • Parasitenbefall (v. a. Ohrmilben)
  • Fremdkörper im Ohr (z. B. Granne)
  • Trauma durch falsch durchgeführte Ohrreinigung
  • erhöhte Produktion von Ohrsekret
  • Bakterien- und Pilzinfektionen
  • Futtermittelunverträglichkeiten
  • Allergien
  • Medikamentenreaktionen
  • Verhornungsstörungen der Haut
  • endokrine oder autoimmun-bedingte Erkrankungen
  • Verlegung des Gehörgangs (z. B. durch Gewebewucherungen)

Symptome – eine Ohrenentzündung beim Hund erkennen

Eine Ohrenentzündung (auch Ohrenzwang beim Hund genannt) kann starke Schmerzen verursachen. Die Berührungsempfindlichkeit ist ein Zeichen dafür, dass etwas mit dem Ohr nicht stimmt. Aber auch andere Verhaltensveränderungen wie das Reiben des Kopfes an Gegenständen, das vermehrte Kratzen der Ohren mit den Pfoten, ständiges Kopfschütteln oder die Kopfschiefhaltung sind Symptome für Ohrenprobleme beim Hund.

Eine vermehrte Produktion von Ohrsekret kann als primäre Erkrankung auftreten sowie durch Ohrinfektionen und -entzündungen verursacht werden. Findet sich beim Hund im Ohr braunes Sekret, ist die Abklärung in der Tierarztpraxis notwendig. Eine mikroskopische Untersuchung des Sekrets kann Aufschluss darüber geben, welche Ursache vorliegt.

Gerade bei einer Überbesiedelung des Ohres mit Hefepilzen (Malassezien-Otitis) ist zudem ein charakteristischer Geruch wahrnehmbar. Die Ohren des Hundes riechen gärig und säuerlich. Aber auch andere Ohrerkrankungen können schlechte Ohrgerüche verursachen.

Die Ohrenentzündung des äußeren Ohres (Otitis externa) kann zudem durch ein verändertes Aussehen des Ohres erkannt werden. Rötungen der Haut und Schwellungen des Gewebes bis hin zum Verschluss des Gehörgangs sowie eine vermehrte Wärme der Ohren sind Zeichen für die Entzündung.

Andere Symptome, die im Zusammenhang mit Ohrenentzündungen bei Hunden auftreten können, sind:

  • Gleichgewichtsstörungen und Ataxie
  • Schmerzen beim Öffnen des Mauls
  • Probleme beim Kauen
  • Appetitlosigkeit
  • Fieber
  • Lymphknotenschwellungen
  • Hörschwäche oder Taubheit

Der Hund kratzt sich am Ohr und am Körper – Allergietest und Atopie

Häufige Ursachen für wiederkehrende und chronische Ohrentzündungen sind Futtermittelunverträglichkeiten oder Allergien. In diesem Fall zeigen die Hunde meist noch andere Symptome (z. B. chronische Verdauungsprobleme oder Juckreiz an weiteren Körperstellen oder am gesamten Körper).

Besteht der Verdacht auf eine solche Ursache, wird mittels Eliminationsdiät oder Allergietest eine Diagnose gestellt. Hängen Juckreiz und Ohrenentzündung des Hundes mit der Fütterung zusammen, wird zunächst versucht, mit einer Eliminationsdiät typische Allergene aus dem Hundefutter zu verbannen. Ist das Allergen identifiziert (und eliminiert) worden und zeigt sich daraufhin eine Verbesserung der Symptomatik, darf der Hund in Zukunft nur noch das allergenfreie Futter bekommen.

Bei einer Umweltallergie oder Atopie reagieren die Hunde zum Beispiel auf Pollen, Schimmelpilzsporen oder Hausstaubmilben. Identifiziert werden können die Allergene mittels Blut- oder Intradermaltest.

Atopiker zeigen häufig schon in jungen Jahren Symptome und Auffälligkeiten. Als spezifische Therapie gilt die Desensibilisierung, bei der regelmäßig ein speziell hergestelltes Allergenextrakt gespritzt wird.

Folgen von Otitis beim Hund

Eine Ohrenentzündung kann starke Schmerzen und quälenden Juckreiz für den Hund bedeuten und sollte schnellstmöglich diagnostiziert und therapiert werden. Die zugrunde liegende Ursache oder Erkrankung muss ermittelt und behandelt werden, da es sonst zu wiederkehrenden Entzündungen mit Sekundärinfektionen kommen kann. Chronische Ohrentzündungen sind mit schwerwiegenden Folgen verbunden.

Folgende Komplikationen können auftreten:

  • Entzündungen des äußeren Ohres können auf Mittel-, Innenohr, Gehirn oder Temporalknochen übergehen
  • Schädigung des Trommelfells
  • Gewebezubildung mit Verlegung des Gehörgangs
  • Verlust des Gehörs
  • Schädigung von Hirn- und Gesichtsnerven
  • Lähmungen von Gesichtsmuskeln und damit verbundene Augenerkrankungen
  • Verlust des Gleichgewichtsinns

Schon gewusst?
Bei Hunden mit chronischen Ohrentzündungen finden sich oft Veränderungen oder Risse des Trommelfells. Vor einer Behandlung, zum Beispiel mit Reinigungslösungen oder Ohrentropfen, müssen die Ohren und das Trommelfell untersucht werden. Manche Wirkstoffe dürfen bei geschädigtem Trommelfell nicht angewendet werden.

Die Ohrenentzündung therapieren – Behandlungsmöglichkeiten und Prognose

Ohrenentzündungen bei Hunden werden medikamentös oder chirurgisch behandelt. Üblicherweise erfolgt zunächst eine gründliche Reinigung der Ohren. Dies kann durch die Anwendung von Reinigungslösungen oder durch eine Ohrspülung unter Sedation geschehen.

Der Ursache entsprechend, kommen daraufhin Präparate gegen Bakterien, Pilze oder Parasiten zum Einsatz. Die symptomatische Therapie umfasst zudem die Entzündungshemmung sowie die Schmerz- und Juckreizstillung.

Die Reinigung und Behandlung der Ohren muss in regelmäßigen Abständen erfolgen und ist auch vom Tierbesitzer zu Hause weiterzuführen. Wie die Ohrreinigung durchgeführt wird, sollten sich Hundebesitzer in der Tierarztpraxis zeigen lassen. Werden Ohrentropfen für Hunde verschrieben, sollten auch das Eintropfen und die Verwendung der richtigen Mengen einmal vorgeführt werden.

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Dauer einer Otitis

Die Dauer einer Ohrenentzündung beim Hund hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab und davon, welcher Teil des Ohres betroffen ist. Bei einer Otitis externa kann die Behandlung nach drei Wochen erfolgreich sein. Mittel- oder Innenohrentzündungen benötigen häufig eine Therapie von bis zu zwei Monaten.

Wird die Ursache nicht ermittelt und bekämpft, kommt es bei vielen Hunden zu Rückfällen. Die chirurgische Behandlung einer Ohrenentzündung beim Hund ist dann indiziert, wenn der Gehörgang nicht mehr durchgängig ist oder wenn die medikamentöse Otitisbehandlung keine Wirkung zeigt.

Einer Otitis vorbeugen – Hundeohren kontrollieren und reinigen

Um einer Ohrenentzündung vorzubeugen, ist die regelmäßige Kontrolle und bei Bedarf auch die Reinigung der Hundeohren essenziell. Sind Krankheiten als Auslöser der Ohrenentzündung identifiziert worden (z. B. die Atopie oder eine Schilddrüsenerkrankung), ist deren Therapie eine wichtige Maßnahme, um die Entzündung der Ohren in den Griff zu bekommen.

Herausgegeben von

Martin Walter