FIV bei Katzen: Symptome & Maßnahmen

Die Infektion mit FIV bei Katzen führt zu einer Immunschwäche, die der AIDS-Erkrankung bei Menschen ähnelt. Daher wird die Krankheit umgangssprachlich auch als Katzenaids bezeichnet. Die Übertragung erfolgt von Katze zu Katze, meist über Bisswunden. Durch die abnehmende Immunkompetenz haben die Katzen ein höheres Risiko, Krankheiten zu entwickeln, die Lebensqualität und Lebenserwartung beeinträchtigen können. Aber auch asymptomatische Verläufe kommen vor.

Katze mit Gewichtsverlust
Das feline Immundefizienzvirus schwächt das Immunsystem, wodurch die Katze anfälliger für andere Erkrankungen wird. - Pixabay

Umgang mit FIV-Katzen: Was bedeutet die Virusinfektion für Katzen?

FIV ist die Abkürzung für Felines Immundefizienzvirus. Eine Immundefizienz ist eine Immunschwäche. Diese entwickelt sich im Laufe der Jahre nach einer FIV-Infektion und ähnelt der Immunschwäche bei einer AIDS-Erkrankung. Sie beruht auf einer Abnahme von Immunzellen (der T-Helferzellen oder CD4-Lymphozyten). Die Katzen werden anfälliger für zum Beispiel Tumorerkrankungen und andere Infektionen.

Männliche Freigänger, die häufig in Kämpfe verwickelt sind, sind stärker gefährdet, sich mit FIV zu infizieren. Die Übertragung erfolgt zum Beispiel bei einem Biss, wenn der Speichel einer infizierten Katze in die Wunde gelangt. Das Feline Immundefizienzvirus breitet sich im Körper aus und befällt Organzellen und Immunzellen. Die Virus-RNA wird in das Erbgut der Wirtszellen eingebaut, wodurch die Virusvermehrung stattfinden kann.

Die Infektion mit FIV bei Katzen verläuft in mehreren Phasen. Die ersten Wochen nach einer Infektion werden als akute Phase bezeichnet. Danach folgt die Trägerphase, die Monate bis Jahre bestehen kann. Hat das Virus die Zellimmunität zerstört, kommt es zu einer Phase, in der die Katze häufig an Sekundärinfektionen leidet. In der Spätphase – der eigentlichen Katzenaids-Phase, ist die Gesundheit der Tiere stark beeinträchtig. Persistierende oder wiederkehrende Infektionen sowie das Auftreten von Tumorerkrankungen können die Lebensqualität stark einschränken.

Gut zu wissen:
Katzen, bei denen eine FIV-Infektion nachgewiesen wurde, sollten nach Möglichkeit nicht mehr als Freigänger durch die Gegend ziehen. Einerseits können sie das Feline Immundefizienzvirus verbreiten und andere Katzen gefährden. Andererseits finden sich in der Umwelt vielfältige Infektionserreger.

Durch die Immunschwäche sind die Katzen nicht mehr in der Lage, diese abzuwehren. Ebenso ist es nicht sinnvoll, FIV-positive Katzen zu gesunden Katzen zu setzen. Soll eine neue Katze in einem Mehrkatzenhaushalt einziehen, ist eine Quarantäne und ein FIV-Test vor der Zusammenführung empfohlen.

Freigänger-Katzen sollten einmal jährlich und insbesondere nach einer Beißerei auf FIV untersucht werden. Lebt eine FIV-Katze bereits mit anderen Katzen zusammen und ist das soziale Gefüge stabil, muss die Katze nicht aus dem Verband gerissen werden. Solange keine Kämpfe stattfinden, ist die Gefahr einer Übertragung gering.

freigänger katzen
Freigängerkatzen haben ein erhöhtes Risiko an FIV zu erkranken.

Das Feline Immundefizienzvirus ist außerhalb des Wirts nur wenige Stunden stabil. Es lässt sich mit üblichen Desinfektionsmitteln unschädlich machen, was das Hygienemanagement in einem FIV-Katzenhaushalt erleichtert.

Symptome bei Katzenaids

Die ersten Symptome bei einer Infektion mit FIV können sich während der akuten Phase zeigen. Das Virus wandert von der Eintrittsstelle zu den Lymphgeweben und befällt Lymphozyten und Makrophagen. Die Lymphknoten schwellen an und es kommt zu Fieber. Auch Durchfälle können zu den ersten Krankheitszeichen nach einer Infektion gehören. Im Verlauf der Immunschwäche treten oft weitere Krankheitserscheinungen auf, die entweder durch die Virusvermehrung und -freisetzung oder durch Sekundärinfektionen verursacht werden. Dazu zählen:

  • Entzündungen von Zahnfleisch und Maulschleimhaut
  • Nasen- und Augenausfluss, Bindehautentzündungen
  • Haut- und Ohrenentzündungen
  • stumpfes, ungepflegtes Fell
  • Gewichtsabnahme
  • anhaltende Durchfälle
  • Nierenfunktionsstörungen
  • neurologische Auffälligkeiten (z. B. Verhaltensänderungen, Anfälle oder Ataxie)
  • Entwicklung von Tumoren

Bakterielle Infektionserreger, Viren, Parasiten oder Pilze, die durch das Immunsystem gesunder Katzen effektiv abgewehrt werden, können bei FIV-Katzen schwere Krankheitserscheinungen hervorrufen.

Auch Verletzungen stellen ein Risiko dar. Wunden können Eintrittsstellen für Krankheitserreger sein. Auch nimmt die Wundheilung bei FIV-positiven Katzen oft mehr Zeit in Anspruch.

Tipp:
Besteht der Verdacht auf eine Infektion mit FIV bei Katzen, sollten die Tiere in einer Tierarztpraxis untersucht werden. Mit einem Bluttest ist ein Screening auf FIV-positive Katzen möglich. Ein positives Ergebnis sollte jedoch immer durch einen weiteren Test verifiziert werden.

Katzenwelpen können FIV-Antikörper mit der Muttermilch aufgenommen haben. Diese Antikörper interferieren mit dem Screening-Test: Der Test fällt positiv aus, obwohl die Katzen nicht an einer FIV-Infektion leiden. Umgekehrt kann eine FIV-infizierte Katze negativ getestet werden, wenn der Test zu früh nach einer Infektion stattfindet und der Körper noch keine Antikörper gebildet hat.

Behandlung von Katzenaids und Prognose für FIV-positive Katzen

Zu den wichtigsten Maßnahmen bei FIV-positiven Katzen zählt, die Tiere von Infektionserregern fernzuhalten. Eine möglichst stressfreie Haltung und eine hochwertige, artgerechte und gesunde Ernährung unterstützen das Immunsystem. Zudem kommen häufig antivirale Medikamente zum Einsatz, die eine Virusreplikation hemmen sollen.

Tierbesitzer sollten die FIV-positive Katze gut beobachten und auf alle Anzeichen für Infektionen und andere Erkrankungen achten. Die Immunschwäche schreitet langsam voran und Katzen, die sich im mittleren Alter infizieren, können bei guten Haltungsbedingungen mit geringem Infektionsdruck über Jahre symptomlos bleiben. Leidet die Katze an Sekundärinfektionen, müssen diese behandelt werden.

fiv katze mit geschlossenen augen
FIV kann nicht auf Hunde oder Menschen übertragen werden.

Katzenaids ist nicht heilbar. Die Katze kann das Virus nicht aus dem Körper eliminieren. Treten Infektionen und Erkrankungen auf, sind sie oft schwer zu bekämpfen und verursachen regelmäßige Behandlungskosten. Wie hoch diese ausfallen und wie gut die Katze auf die Behandlung anspricht, hängt von der Art der Erkrankung ab.

Sie können sich vor hohen Tierarztkosten schützen, indem Sie eine Krankenversicherung für Ihre Katze abschließen.

Im Endstadium einer FIV-Erkrankung kann die Lebensqualität der Katzen durch schwere Infektionen, Tumorleiden und andere Krankheiten sowie durch eine kontinuierliche Auszehrung mit Gewichtsverlust stark beeinträchtigt sein. Ist dies der Fall, wird häufig in Erwägung gezogen, die FIV-Katze einschläfern zu lassen. Der Tierarzt wird den Leidensdruck der Katze individuell einschätzen.

Viele FIV-Katzen, bei denen die Immunabwehr lange stabil bleibt, gehen nicht in das Spätstadium über und haben eine ähnliche Lebenserwartung wie nicht-infizierte Katzen. Die Haltung einer FIV-Katze zusammen mit anderen Haustieren ist möglich. Das Feline Immundefizienzvirus befällt ausschließlich Katzenartige und stellt zum Beispiel für Hunde keine Gefahr dar. Auch der Mensch kann sich nicht infizieren.

Herausgegeben von

Martin Walter