Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen

Wenn ältere Katzen plötzlich unruhig oder gar aggressiv werden, wenn sie plötzlich ständig Hunger haben und weitere Auffälligkeiten zeigen, so kann das an der Schilddrüse liegen. Die Schilddrüsenüberfunktion der Katze ist die häufigste hormonelle Erkrankung bei älteren Katzen, wohingegen eine Unterfunktion so gut wie gar nicht vorkommt.

Katze auf Heizung Schilddrüsenüberfunktion
Erhält eine Katze aufgrund einer Schilddrüsenüberfunktion Spezialfutter, sollte der Freigang eingestellt werden. - 123rf

Wie wirkt sich eine Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze aus?

Die Schilddrüse ist ein Organ, welches für den Stoffwechsel wichtige Hormone produziert, nämlich T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin). Beide steuern den Stoffwechsel an wichtigen Punkten wie Herzfrequenz, Blutdruck, Körpertemperatur, Darmbewegung und Funktion der Nervenzellen.

Eine Überfunktion beeinflusst den gesamten Stoffwechsel. Die Schilddrüse sitzt im Hals direkt unter dem Kehlkopf links und rechts der Luftröhre. Ist sie stark vergrößert, behindert sie die Luftzufuhr der Katze.

Worin liegt die Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion der Katze?

Die häufigste Ursache ist eine gutartige Wucherung, die zu einer überschießenden Hormonproduktion führt. Seltener sind gutartige größere Tumore (Adenome) und nur in sehr wenigen Fällen, etwa 2 %, ist ein bösartiger Tumor die Ursache (Karzinom).

Warum Katzen so häufig Wucherungen an der Schilddrüse entwickeln, ist bisher nicht bekannt.

Welche Symptome weisen Katzen auf?

Die Symptome können unterschiedlich sein, typisch sind:

  • Gesteigerte Aktivität, Ruhelosigkeit
  • Heißhunger
  • Abmagerung

Zusätzlich treten weitere Symptome auf, die unterschiedlich sein können und nicht alle vorhanden sein müssen:

  • Aggressivität
  • Nervosität
  • Durchfall
  • Mehr Kotabsatz als gewöhnlich
  • Erbrechen
  • Vermehrtes Trinken und Urinieren
  • Haarausfall, kahle Stellen, struppiges Fell
  • Weniger oder mehr Fellpflege als gewöhnlich
  • Appetitlosigkeit
  • Schwäche, schnelles Ermüden
  • Atemnot, Hecheln

Schon gewusst?

Meist werden Katzen erst in fortgeschrittenem Stadium dem Tierarzt vorgestellt, da die ersten Veränderungen den Tierbesitzern nicht als Krankheitssymptome auffallen. Wenn eine alte Katze mehr Aktivität und Appetit zeigt, wird das erst einmal als gutes Zeichen interpretiert. Erst wenn weitere Symptome hinzukommen, fällt die Erkrankung auf. Dies ist oft ein halbes Jahr oder Jahr nach Beginn der Schilddrüsenüberfunktion der Katze.

Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze diagnostiziert?

Zuerst wird der Tierarzt bei einer allgemeinen Untersuchung den Hals der Katze abtasten. Normalerweise ist die Schilddrüse nicht fühlbar, deshalb ist eine spürbare Verdickung ein wichtiger Hinweis.

Das Herz wird abgehört, da meist ein beschleunigter Herzschlag vorliegt. Es können auch Herzgeräusche oder Rhythmusstörungen festgestellt werden, wenn die Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze länger besteht.

Als Nächstes wird Blut abgenommen. Die Blutuntersuchung auf die Schilddrüsenhormone T4 und T3 gibt Aufschluss über Vorliegen und Schwere der Überfunktion. Bei manchen Katzen ist der T4-Wert allerdings trotz Erkrankung nicht erhöht. Daher empfehlen sich auf jeden Fall weitere diagnostische Maßnahmen bei passenden Symptomen. Ein großes Blutbild zeigt ebenfalls, ob es bereits Probleme mit den Nieren oder der Leber gibt. Dies ist sehr wichtig für die spätere Behandlung der Katze.

In einer Ultraschalluntersuchung untersucht der Tierarzt Schilddrüse, Herz und die Nieren. Röntgenaufnahmen des Brustkorbes können ausschließen, dass Herzerkrankungen vorliegen. Diese treten ebenso wie eine Nierenfunktionsstörung (Niereninsuffizienz) häufig infolge einer Schilddrüsenüberfunktion auf. Eine Blutdruckmessung gibt Aufschluss. Eine Überwachung ist sinnvoll, da ein hoher Blutdruck für eine Schädigung der Nieren verantwortlich sein kann und sogar für eine Erblindung der Katze.

Eine Szintigrafie in einer Klinik kann sinnvoll sein, wenn die Tests im Labor nicht eindeutig sind oder der Verdacht auf einen bösartigen Tumor besteht. So können eventuelle Metastasen gefunden werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Grundsätzlich kommen vier Möglichkeiten infrage. Egal welcher Weg angestrebt wird, zuerst wird die Überfunktion immer medikamentös behandelt, um festzustellen, ob die Nieren in Ordnung sind.

Eine Schilddrüsenüberfunktion der Katze kann eine Niereninsuffizienz überdecken. Dies liegt an einer Mehrdurchblutung der Nieren aufgrund es erhöhten Blutdrucks. Unter der Behandlung der Schilddrüse verschlechtert sich dann die Nierenfunktion und die Insuffizienz wird sichtbar. So kann der Tierarzt die Behandlung der Nieren und der Schilddrüse anpassen. Meist erhält man dann eine leichte Überfunktion, um die Nierenfunktion nicht zu sehr einzuschränken.

Die möglichen Behandlungen aufgelistet:

  1. Medikamente
  2. Futter
  3. Chirurgische Entfernung der Schilddrüse
  4. Zerstörung von Schilddrüsengewebe durch radioaktives Jod

Medikamente

Eine Behandlung ist möglich, sofern der Katzenhalter ein- oder zweimal täglich zur selben Zeit ein Medikament verabreichen kann. Es ist entweder mit Futter zu geben oder ohne. Die Methode muss bei der Einstellung der Dosierung berücksichtigt werden. Die Nebenwirkungen sind gering, das Medikament wird langsam eingeschlichen, um die Nieren zu schonen. Die Behandlung ist dauerhaft fortzuführen. Werden die Medikamente abgesetzt, treten alle Symptome wieder auf.

Futter

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion der Katze ist die Ernährung ein Ansatzpunkt. Es sind Spezialfutter auf dem Markt, die einen sehr niedrigen Jodgehalt haben. Dies sorgt für eine verminderte Bildung der jodhaltigen Schilddrüsenhormone T4 und T3. Ob eine solche Fütterung ausreicht, ist mit dem Tierarzt abzuklären, ebenso wie die Futterumstellung selbst.

Chirurgische Entfernung der Schilddrüse

Eine Operation wird durchgeführt, wenn:

  • ein bösartiger Tumor die Ursache der Schilddrüsenüberfunktion der Katze ist und noch keine Metastasen vorhanden sind.
  • nur eine Seite betroffen ist. So kann nur der betroffene Schilddrüsenteil entfernt werden und die Katze gilt als geheilt.

Die Operation wird in einer Klinik durchgeführt und die Katze bleibt dort einige Zeit, da die Blutwerte streng überwacht werden müssen. Wird die Schilddrüse vollständig entfernt, benötigt die Katze aufgrund der Unterfunktion dauerhaft Medikamente.

Die Kosten für die Entfernung der Schilddrüse und sonstigen tiermedizinischen Behandlungen können Sie sich mit der Katzenkrankenversicherung von SantéVet zurückerstatten lassen.

Zerstörung von Schilddrüsengewebe durch radioaktives Jod

Das ist für Katzen mit Metastasen die einzige Möglichkeit. Hierbei wird der Katze schwach radioaktives Jod gespritzt. Dies reichert sich in der Schilddrüse an, da sie das Jodspeicherorgan des Körpers ist. Vor allem in den Tumoren, in denen die Hormonproduktion am stärksten ist, wird es gespeichert.

Durch die radioaktive Strahlung wird auch genau dieses Gewebe zerstört. Meist kommt es nicht zu einer Unterfunktion, da das gesunde Gewebe nicht zerstört wird. Aufgrund seiner geringeren Produktionsrate speichert es nicht so viel Jod.

Die Erfolgsaussicht ist sehr hoch, allerdings gibt es nur sehr wenige Kliniken, die diese spezielle Therapie anbieten können, und die Kosten sind sehr hoch.

Gut zu wissen:
Wichtig ist, dass die Blutwerte einer Katze regelmäßig beim Tierarzt überprüft werden. Anfangs mindestens zweimal im Monat. Später verlängern sich die Abstände bis hin zu sechs Monaten.

Unbehandelt sterben Katzen. Die Schilddrüsenüberfunktion der Katze im Endstadium ist geprägt durch eine der Folgeerkrankungen wie Herzversagen, Nierenversagen oder Leberversagen. Je früher die Krankheit behandelt wird, umso besser die Prognose.

Was sollte der Halter einer erkrankten Katze beachten?

Eine Katze mit Schilddrüsenüberfunktion in Behandlung sollte keinen Freigang mehr haben.

Die Gründe sind:

  • Wenn die Therapie über das Futter erfolgt, muss sichergestellt sein, dass sie nichts anderes frisst.
  • Bei einer Therapie mit Medikamenten muss sichergestellt sein, dass sie diese täglich um dieselbe Zeit einnimmt.
  • Der Tierhalter muss sie genau beobachten können, um neuerliche Symptome sehr frühzeitig zu erkennen.
  • Harnwegsinfektionen und Magen-Darm-Beschwerden kommen häufiger vor und können so zeitig erkannt werden.

Herausgegeben von

Martin Walter