Physiotherapie beim Hund: Methoden & Kosten

Die Physiotherapie für Hunde beinhaltet Übungen und Behandlungsverfahren, die schonend die Beweglichkeit, den Muskelaufbau und die Balance der Hunde trainieren. Schmerzen, die beispielsweise durch chronische Gelenkerkrankungen oder Verspannungen entstehen, können mit der Krankengymnastik für Hunde oder der Hundemassage gelindert werden. Eine Physiotherapie wird häufig nach Operationen oder Krankheiten verordnet, um die Körperkraft wieder aufzubauen.

Hund Physiotherapie
Massagen und Dehnungsübungen sind nur einige Methoden der Physiotherapie für Hunde - 123rf

Wann kommt die Physiotherapie für Hunde zum Einsatz?

Von der Physiotherapie profitieren Tiere, die an Erkrankungen des Bewegungsapparates leiden oder die eine Operation hinter sich haben. Lange Phasen ohne ausreichende Bewegung führen zum Verlust von Muskelmasse und zu einer Verringerung der Knochenstabilität.

Mit der Physiotherapie wird schonend versucht, die Beweglichkeit wieder herzustellen und gesunde Bewegungen zu fördern. Die Anwendungen können außerdem die Schmerzlinderung durch Medikamente unterstützen.

Aber nicht nur für kranke Hunde kann die Physiotherapie nützlich sein. Hunde, die ausgiebig Hundesport betreiben, können mit physiotherapeutischen Anwendungen ihre Leistungsfähigkeit erhalten und möglichen Verspannungen entgegenwirken. Der Tierbesitzer bekommt zudem gezeigt, mit welchen Übungen die Muskulatur des Hundes vor dem Sport richtig aufgewärmt und gedehnt werden kann. Fehlbelastungen oder Unfälle treten seltener auf.

Zudem wird die Physiotherapie bei älteren Hunden prophylaktisch eingesetzt. Das Ziel ist, Erkrankungen der Wirbelsäule vorzubeugen oder deren Fortschreiten zu verlangsamen sowie die Gelenkgesundheit zu fördern. Typische Beispiele für Wirbelsäulenerkrankungen älterer Hunde sind Spondylosen oder Bandscheibenvorfälle. Mit gezielten Therapieanwendungen soll Degenerationserscheinungen entgegengewirkt und die Stabilität und Biegsamkeit der Wirbelsäule erhalten werden.

Typische Anwendungsgebiete der Physiotherapie beim Hund

Im Folgenden sind einige Erkrankungen und Einsatzgebiete aufgeführt, für die sich die Krankengymnastik für Hunde bewährt hat:

  • Rehabilitation nach Erkrankungen und OPs
  • chronische Erkrankungen des Bewegungsapparates (z. B. Arthrosen)
  • angeborene Fehlstellungen oder Wachstumsstörungen
  • Trainieren von Kondition und Koordination
  • Abbau von Übergewicht (z. B. mit Aquatraining)
  • Lockerung und Dehnung für sportlich aktive Hunde und Arbeitshunde
  • Beweglichkeit im Alter erhalten

Üblicherweise erhält jeder Hund einen individuellen Therapieplan. Die Physiotherapie für Hunde umfasst unterschiedliche Behandlungsverfahren. Diese werden in aktive und passive Methoden unterteilt. Während der Hund bei der aktiven Bewegungstherapie die Übungen ausführen muss, erhält er bei der passiven Therapie Anwendungen durch den Physiotherapeuten.

Physiotherapie für Hunde – aktive Behandlungsverfahren

Ziel der aktiven Bewegungstherapie ist es, den Muskelaufbau gezielt zu fördern und die Koordination und Kondition der Hunde zu verbessern. Übungen sollen schonend, langsam und kontrolliert stattfinden und können je nach Fortschritt des Hundes gesteigert werden.

Laufbänder und Aquatraining

Gut für den koordinierten Einsatz der Gliedmaße und für die Gangschulung eignet sich das Training auf Laufbändern. Laufbänder können in der Geschwindigkeit und Steigung variabel eingestellt werden, sodass die Muskulatur von Vorder- oder Hintergliedmaßen optimal aufgebaut wird. Zusätzlich können auf dem Laufband Gewichte und Bänder zum Einsatz kommen.

Für Hunde mit starken Schmerzen oder Übergewicht ist das Unterwasserlaufband eine Alternative. Durch den Auftrieb des Wassers trainieren die Hunde besonders gelenkschonend. Das Training im Wasser kann auch Tieren mit Lähmungserscheinungen helfen, ihr Gewicht zu tragen und die Gliedmaßen aufzusetzen. Da die Hunde gegen den Wasserwiderstand antreten, kommt es zu einem schnellen Muskelaufbau. Die Wassertherapie erfolgt in beheiztem Wasser, üblicherweise mit Temperaturen zwischen 25 und 35 Grad Celsius.

Manche Physiotherapiepraxen verfügen zudem über einen Pool und bieten Schwimmübungen und Wassergymnastik an. Aquatraining ist effektiv für einen gleichmäßigen Muskelaufbau und die Schulung von Kondition und Ausdauer bei gleichzeitiger Entlastung der Gelenke. Die Hunde müssen allerdings über ein gesundes Herz-Kreislaufsystem verfügen.

Krankengymnastik für Hunde – Übungen für Balance und Koordination

Gymnastik für Hunde wird im Stehen, Gehen, Liegen oder Sitzen am Boden durchgeführt. Um die Koordination und Beweglichkeit zu schulen, müssen die Hunde zum Beispiel über Stangen steigen oder einen Slalom laufen. Für die Schulung der Balance und Stabilität der Bewegungsabläufe kommen Wackelbretter, Gymnastikbälle sowie Trampoline zum Einsatz.

Der Hund muss die Bewegungen der verschiedenen Untergründe durch Muskelanspannung ausgleichen.

Tipp:
Viele krankengymnastische Übungen lassen sich hervorragend in den Tagesablauf integrieren und können daher auch in den eigenen vier Wänden oder im Garten mit dem Hund geübt werden.

Physiotherapie für Hunde – passive Behandlungsverfahren

Zu den passiven physiotherapeutischen Methoden zählen die Hundemassage, Dehnungsübungen, Kälte- und Wärmeanwendungen sowie spezielle Therapien wie die Lasertherapie, die Elektrotherapie oder die Magnetfeldtherapie. Durch die Stimulation der Gliedmaße, während der Hund sich entspannt, sollen die Durchblutung und der Stoffwechsel angeregt werden.

Hundemassage

Massagen können auch auf Tiere entspannend wirken und zu einer Steigerung des Allgemeinbefindens führen. Muskelpartien werden gezielt gelockert, was nicht nur eine Schmerzlinderung und Dosisreduktion von Schmerzmitteln bedeuten kann, sondern auch eine gute Vorbereitung für die aktive Bewegungstherapie oder den Sport darstellt.

Es existieren unterschiedliche Massagetechniken. Neben klassischen Massagen und der Triggerpunktaktivierung bieten viele Physiotherapeuten die Lymphdrainage an. Diese stimuliert den Lymphfluss und den Abtransport von Giftstoffen und stellt eine Behandlungsmethode gegen die Ödembildung dar. Kälteanwendungen können Entzündungen zurückdrängen, während Wärmebehandlungen einen entspannenden und schmerzstillenden Effekt haben.

Dehnungsübungen

Das passive Bewegen der Gliedmaßen, ohne dass der Hund dabei sein Gewicht tragen muss, unterstützt die schonende Dehnung der Muskulatur, die Regeneration von Knorpelgewebe und die Produktion von Gelenkflüssigkeit. Durch sanften Druck und Zug wird die Gesunderhaltung und Beweglichkeit der Gelenke gefördert.

Spezielle Therapieverfahren

Eine Elektrotherapie für Hunde dient der Stimulation von Nerven und Muskelgewebe. Ist es aufgrund von Lähmungen zu einer Atrophie der Muskeln gekommen, wird mit Reizstromimpulsen der Aufbau der Muskulatur angeregt. Gleichzeitig wird die Durchblutung gefördert. Außerdem kann eine effektive Schmerzstillung erreicht werden.

Lasertherapien unterstützen die Wundheilung und Regeneration von Gewebe. Zellen und deren Stoffwechselvorgänge werden aktiviert, wodurch die Selbstheilungskraft des Körpers angeregt bzw. gestärkt wird. Ein ähnlicher tiefenwirksamer Effekt wird auch bei der Magnetfeldtherapie erzielt.

Goldimplantate werden zur Behandlung chronischer Schmerzen in Erwägung gezogen. Dabei werden kleine Goldstückchen unter die Haut gesetzt. Dies soll den Stoffwechsel an den betroffenen Stellen anregen und den Abbau von Entzündungsstoffen beschleunigen.

Kosten für die physiotherapeutische Behandlung beim Hund

Physiotherapeutische Behandlungen dauern zwischen 15 und 60 Minuten, je nachdem, welche Methoden zur Anwendung kommen und was die Kondition und Gesundheit des Tieres zulässt. Manche Hunde benötigen mehrere Therapieeinheiten in der Woche, während andere nur einmal pro Woche oder pro Monat behandelt werden.

Tipp:

85% der Kosten für die Physiotherapie Ihres Hundes können Sie sich mit der Hundekrankenversicherung von SantéVet zurückerstatten lassen.

Die Kosten für eine Physiotherapie beim Hund werden auch durch die eingesetzten Behandlungsmethoden bestimmt. Zudem können Physiotherapeuten ihre Preise selbst gestalten. Kommt der Hund zum ersten Mal zur Therapie, erfolgt zudem eine Voruntersuchung oder eine Gangbildanalyse, wodurch die erste Sitzung teurer sein kann. Preise zwischen 50 und 200 Euro pro Einheit sind üblich.

 

Herausgegeben von

Martin Walter