Das Wichtigste in Kürze (TL;DR):
- Ursachen sind häufig Unsicherheit, Angst, Energieüberschuss, Dominanz oder fehlende Sozialisierung.
- Training ist möglich. Ruhiges Verhalten belohnen, Körpersignale erkennen, Begegnungen schrittweise üben.
- Bei ausbleibendem Fortschritt oder problematischem Verhalten Profi hinzuziehen.
Warum bellen Hunde andere Hunde an?
Das Bellen ist eine Form der Kommunikation, allerdings bei Hunden eigentlich nicht die erste Wahl. Vielmehr versuchen sie, sich durch ihre Körpersprache Menschen und anderen Hunden mitzuteilen.
Gerade an der Leine ist das jedoch meist nicht in dem Umfang möglich, den das Tier gerne hätte. Dann greifen manche Hunde auf das Bellen zurück. Die Situation ist meist ähnlich: Das Tier erblickt einen Artgenossen und macht lautstark auf sich aufmerksam. Aber was ist der Auslöser hierfür?
Verschiedene Möglichkeiten kommen in Betracht, häufige Gründe sind:
- Angst und Unsicherheit
- Aggressivität
- Übereifer
- Dominanzverhalten
- Fehlende Sozialisierung
Dass ein Hund von sich aus aggressiv auf andere Hunde reagiert, ist äußerst selten. Das Problem liegt fast immer an einer falschen Hundeerziehung. Daher sollten Sie auch Ihr eigenes Verhalten prüfen, mit dem Sie den Hund möglicherweise unterschwellig zum Bellen verleiten.
Ein häufiger Grund: ein unsicherer Hund
Der Hund bellt andere Hunde an, wenn er sehr unsicher ist. Dies ist einer der häufigsten Gründe für übermäßiges Bellen. Die Auslöser können wiederum ganz unterschiedlich sein. Es gibt etwa Tiere, die von Natur aus ängstlich sind.
Aber auch eine fehlende Sozialisierung kann dazu führen, dass das Tier unsicher wird. Wenn Sie die Möglichkeit haben, sollten Sie daher schon mit dem Welpen frühzeitig zur Welpenschule gehen, damit das Tier Artgenossen kennenlernt. Hunde aus dem Tierheim wurden meist nicht oder nicht nachvollziehbar sozialisiert.
Ebenso wie bei Versäumnissen im Welpenalter ist es nun die Aufgabe von Herrchen und Frauchen, dem Tier die Unsicherheit bei Hundebegegnungen zu nehmen und so das Bellen abzugewöhnen. Wie bringe ich meinem Hund bei, andere Hunde zu ignorieren? In jedem Fall brauchen Sie dafür Zeit. Am besten ist es, zunächst auf einem Übungsplatz mit anderen Hundehaltern zu trainieren, eventuell mit einem Hundetrainer. So lernt Ihr Hund mit der Zeit, dass andere Tiere keine allgemeine Gefahr darstellen.
Tipp von Santévet: Beim Training eines unsicheren Hundes ist es besonders wichtig, richtiges Verhalten zu loben und nicht Fehlverhalten zu bestrafen. Mit der Strafe fördern Sie die Unsicherheit des Tieres jedes Mal.
Ganz konkret können Sie Leckerlis mit zum Spaziergang nehmen, wenn Sie Hundebegegnungen üben. Bei jeder Begegnung, die Ihr Hund ruhig mitmacht, gibt es eine Belohnung.
Junghund ändert plötzlich Verhalten: Aggressivität in der Pubertät
Zwischen dem sechsten und zwölften Monat – bei manchen Rassen auch bis ins zweite Lebensjahr – durchlaufen Hunde eine hormonelle Umstellungsphase, die sich stark auf ihr Verhalten auswirken kann. In dieser Zeit wirken viele Junghunde selbstbewusster, unruhiger und probieren aus, wie weit sie gehen können. Häufig treten dabei erstmals aggressivere Reaktionen oder verstärktes Bellen gegenüber anderen Hunden auf.
Dieses Verhalten ist nicht bloß eine vorübergehende „Laune“, sondern Teil einer Entwicklungsphase, in der sich der Charakter dauerhaft festigt. Wenn der Hund jetzt lernt, dass Bellen oder Dominanzverhalten erfolgreich ist, wird er dieses Muster wahrscheinlich auch im Erwachsenenalter beibehalten.
Deshalb ist es besonders wichtig, in dieser Zeit konsequent zu bleiben: Klare Regeln, ruhige, bestimmte Führung und das konsequente Belohnen von erwünschtem Verhalten helfen, Orientierung zu geben. Fehlverhalten sollte frühzeitig und kontrolliert unterbrochen werden, ohne den Hund zu verunsichern.
Zusätzlich wirkt es oft unterstützend, den Junghund körperlich und geistig auszulasten – etwa durch Suchspiele, Apportierübungen oder Trainingseinheiten mit anderen Hunden in einem sicheren Umfeld. So lernt er, überschüssige Energie positiv zu nutzen und bei Begegnungen gelassener zu reagieren. Mit Geduld und Struktur kann die Pubertät so zu einer wichtigen Lernphase werden, die langfristig ein stabiles, soziales Verhalten fördert.
Energieüberschuss: Hund bellt beim Gassi gehen
Ein weiterer Grund für das Bellen ist ein Überschuss an Tatkraft. Hat sich der Hund den Tag über gelangweilt, sprüht er vor Motivation. Wenn er seine Energie nicht beim gemeinsamen Spiel entladen kann, dann eben beim Bellen. Hunde, die unterfordert sind, suchen sich oft selbst Beschäftigung – und lautes Melden bei Hundebegegnungen ist für viele eine naheliegende Option.
Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Hund zu viel Energie hat, sollte er vor dem Spazieren ausgiebig toben, zum Beispiel auf dem Übungsplatz oder im Garten. Auch Such- und Apportierspiele oder kurze Trainingseinheiten können helfen, den Kopf zu beschäftigen und überschüssige Energie zu reduzieren. Ist der Hund körperlich und geistig ausgelastet, kann er Begegnungen entspannter meistern. Können Sie ihn danach an anderen Hunden vorbeiführen, ohne dass er bellt, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass der Auslöser in einem Energieüberschuss lag.
Dominanzverhalten und Beschützerinstinkt
Manche Hunde sind nicht unsicher, sondern fühlen sich ganz im Gegenteil als Rudelführer. Auch hier liegt das Problem in der Erziehung, denn Sie sollten den Ton angeben – nicht das Tier. Wenn Ihr Hund sich als Alpha-Tier fühlt, müssen Sie durch konsequente, aber faire Erziehung zeigen, wer das Sagen hat. Dies bedeutet klare Regeln im Alltag, kontrollierte Freiheiten und ein verlässlicher Ablauf, an dem sich der Hund orientieren kann. Mit der Zeit sollten sich Probleme wie übermäßiges Bellen dann bessern.
Eventuell hat Ihr Tier auch einen ausgeprägten Wunsch, Sie zu beschützen. Das Problem hierbei: Ihr Hund erkennt andere Hunde fälschlicherweise als Gefahr und reagiert entsprechend. In solchen Momenten hilft es, selbst bewusst ruhig und souverän zu bleiben, denn Hunde orientieren sich stark an der Körpersprache ihres Halters. Bleiben Sie bei einer Hundebegegnung möglichst gelassen, halten Sie ein gleichmäßiges Tempo und gehen Sie kommentarlos weiter. So lernt Ihr Hund, dass kein Grund zur Aufregung besteht und Sie die Situation „im Griff“ haben.
Frühe Sozialisierung als Schlüssel zum Bellen abgewöhnen
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen deutlich, dass ein frühzeitiges Training – idealerweise vor dem sechsten Lebensmonat – das Risiko für spätere Verhaltensprobleme stark senken kann. Dazu zählen neben Aggressivität und Zwangsverhalten auch destruktive Handlungen und übermäßiges Bellen. Welpen, die in dieser frühen Phase gezielt sozialisiert werden, lernen schneller, neue Situationen souverän zu meistern und mit Artgenossen friedlich umzugehen.
„Hunde, die vor dem sechsten Lebensmonat ein strukturiertes Welpentraining erhalten, neigen im Erwachsenenalter deutlich weniger zu Aggressivität, zwanghaftem Verhalten, destruktivem Verhalten und übermäßigem Bellen. Zudem kann belohnungsbasiertes Training aggressives Verhalten nachhaltig reduzieren.“
(Casey, R.A., Loftus, B., Bolster, C., Richards, G.J., & Blackwell, E.J. (2021). Human directed aggression in domestic dogs (Canis familiaris): Occurrence in different contexts and risk factors. Animals, 11(5), 1298.)
Diese „Prägezeit“ ist besonders wertvoll, weil junge Hunde in dieser Lebensphase sehr aufnahmefähig sind und Reize nachhaltig abspeichern. Ein Besuch der Welpenschule oder regelmäßige kontrollierte Begegnungen mit anderen Hunden und Menschen können daher eine stabile Basis für ein ruhigeres, ausgeglicheneres Verhalten schaffen. Doch auch bei älteren Hunden lohnt sich konsequentes Training: Durch positive Erfahrungen und klare Strukturen kann Unsicherheit abgebaut und das Bellen in unerwünschten Situationen reduziert werden.
Bellen als Teil der Hundesprache
Bellen ist für Hunde ein vollkommen natürliche Art der Kommunikation. Anders als Wölfe setzen Hunde diese Lautäußerung viel häufiger ein – oft, um über Distanz auf sich aufmerksam zu machen oder um eine Botschaft zu übermitteln, wenn Körpersprache oder Mimik nicht ausreichen. Dabei kann Bellen je nach Tonlage, Dauer und Intensität ganz unterschiedliche Bedeutungen haben: von einer freudigen Begrüßung über eine Warnung bis hin zu einem Ausdruck von Frust oder Langeweile.
In vielen Fällen ist Bellen zunächst kein „Problem“, sondern ein Signal, das ernst genommen werden sollte. Es zeigt, dass der Hund auf etwas reagiert, das für ihn relevant ist – sei es ein unbekannter Reiz, ein anderer Hund oder ein Geräusch. Entscheidend ist daher, die Ursache zu erkennen: Reagiert der Hund aus Unsicherheit? Möchte er spielen? Verteidigt er sein Revier? Je nach Auslöser sollte der Halter unterschiedlich vorgehen. Anstatt das Bellen pauschal zu unterdrücken, ist es sinnvoll, gezielt in dem Moment einzugreifen, in dem das Verhalten unerwünscht wird, und dem Hund eine alternative Handlung anzubieten. Auf diese Weise bleibt die Kommunikationsfähigkeit erhalten, während übermäßiges oder störendes Bellen abnimmt.
Wie erkenne ich, ob mein Hund bellen will?
Auf dem Spaziergang ist es wichtig, das Verhalten frühzeitig einzuschätzen – gerade für die Belohnung. Das Leckerli darf es nämlich nur geben, wenn Ihr Hund sich richtig verhält. Ein Vorbote des Bellens ist es, wenn der Hund sich in Position stellt. Bei manchen Rassen stellen sich auch die Haare im Nacken und auf dem Rücken auf.
Ihr Hund fixiert andere Hunde? Auch das ist ein Zeichen, dass er in Hab-Acht-Stellung ist.
Wenn Sie das bemerken, sollten Sie das Tier beruhigen und möglichst ablenken. Achten Sie jedoch darauf, nicht versehentlich das Fixieren mit einem Leckerchen zu belohnen, weil Sie es zur Ablenkung einsetzen. Mit dem falschen Welpentraining können Sie sonst schnell unerwünschtes Verhalten antrainieren. Hier sind die wichtigsten Anzeichen, die darauf hinweisen, dass Ihr Hund bellen will:
Gespanntes Körperverhalten und fixierender Blick
Bevor ein Hund bellt, spannt er häufig seinen Körper an. Sie könnten bemerken, dass er plötzlich aufrecht steht oder sich nach vorn lehnt, um eine bestimmte Situation besser zu beobachten. Die Körpersprache verändert sich deutlich und der Hund zeigt sich aufmerksamer und wacher.
Ein deutliches Zeichen, dass Ihr Hund gleich bellen wird, ist ein intensiver, fixierender Blick auf das, was seine Aufmerksamkeit erregt hat. Ob es ein anderer Hund, ein Fremder oder ein ungewöhnliches Geräusch ist – Ihr Hund konzentriert sich stark auf das Objekt oder die Person, die er wahrnimmt.
Achten Sie auf Ohren und Schwanz
Die Ohren Ihres Hundes werden aufrechtstehen oder nach vorn geneigt sein, wenn er aufmerksam etwas beobachtet. Dies zeigt, dass er bereit ist, auf das, was er wahrnimmt, zu reagieren. Besonders Hunde mit beweglichen Ohren lassen dies sehr deutlich erkennen.
Die Schwanzhaltung gibt ebenfalls Hinweise auf die Stimmung des Hundes. Ein hoch getragener, steifer Schwanz kann ein Zeichen dafür sein, dass der Hund aufgeregt ist und gleich bellen möchte. Einige Hunde wedeln auch intensiv mit dem Schwanz, wenn sie aufgeregt sind und reagieren wollen.
Anspannung, erhöhter Puls und Knurren
Oft können Sie an der Atmung und Körperhaltung Ihres Hundes spüren, dass er sich aufgeregt oder angespannt fühlt. Eine beschleunigte Atmung oder ein schnellerer Herzschlag sind häufig Vorzeichen für Bellen, besonders wenn der Hund sich auf eine Situation vorbereitet, die ihn aufregt.
Ein weiteres Anzeichen dafür, dass Ihr Hund gleich bellen wird, sind leise Knurrgeräusche oder andere Lautäußerungen wie Winseln. Diese Geräusche können als Vorwarnung verstanden werden und zeigen, dass sich Ihr Hund darauf vorbereitet, lauter zu werden.
Bewegungslosigkeit oder Aufmerksamkeitswechsel
Viele Hunde bleiben kurz regungslos, bevor sie anfangen zu bellen. Dies passiert oft in Momenten höchster Konzentration, wenn sie etwa eine Bewegung wahrnehmen oder ein Geräusch hören, das ihre Aufmerksamkeit erregt. Dieser Moment der Stille wird oft unmittelbar vom Bellen unterbrochen.
Wenn Ihr Hund plötzlich auf etwas Unerwartetes aufmerksam wird, können schnelle Kopf- oder Körperdrehungen ein Anzeichen dafür sein, dass er gleich reagieren wird – häufig mit Bellen. Beobachten Sie, wie Ihr Hund auf neue Reize reagiert, sei es ein Geräusch, eine Bewegung oder eine unbekannte Person.
Körpersignal |
Bedeutung / Hinweis auf Bellen |
Gespannte Körperhaltung |
Hund ist aufmerksam, bereit zu reagieren |
Fixierender Blick |
Starke Fokussierung auf anderen Hund / Reiz |
Aufgerichtete Ohren |
Hohe Aufmerksamkeit, mögliche Reaktion |
Hoch getragener, steifer Schwanz |
Aufregung oder Dominanzsignal |
Beschleunigte Atmung / Puls |
Erhöhte Erregung, kurz vor Lautäußerung |
Leises Knurren / Winseln |
Vorwarnung, bevor Bellen einsetzt |
Bewegungslosigkeit |
Kurze Anspannung vor der Reaktion |
Plötzliche Kopf- oder Körperdrehung |
Neuer Reiz wurde erfasst, mögliche Reaktion |
Wie gewöhne ich meinem Hund das Bellen ab?
Der Hund bellt andere Hunde an – das soll sicher nicht so bleiben. Mit den richtigen Übungen ist es möglich, das Verhalten zu ändern. Unverzichtbar dafür sind Zeit und Konsequenz. Wahrscheinlich können Sie Ihrem Hund nicht innerhalb einer Woche beibringen, nicht mehr zu bellen, wenn er andere Hunde sieht. Aber mit jedem Tag sollten Begegnungen besser funktionieren.
Konzentrieren Sie sich immer darauf, richtiges Verhalten zu belohnen. In jedem Fall ist es wichtig, dass Sie handeln. Ob der Hund in der Pubertät bellt oder später, von allein löst sich das Problem in der Regel nicht. Eventuell ist es hilfreich, einen Hundetrainer hinzuzuziehen.
Üben: Wie beruhige ich meinen Hund bei Hundebegegnungen?
Egal, ob Ihr Hund aus Unsicherheit oder Dominanz heraus reagiert, mit Geduld und Konsequenz können Sie Ihrem Vierbeiner dieses unerwünschte Verhalten abtrainieren. Mit den richtigen Methoden können Sie ihm helfen, ruhig und gelassen zu bleiben. Hier erfahren Sie, wie das gelingt.
1. Entspannt an anderen vorbeigehen, Ruhe und Abstand bewahren
Hunde spüren die Emotionen ihrer Besitzer. Je entspannter und ruhiger Sie selbst bleiben, desto mehr Sicherheit strahlen Sie auf Ihren Hund aus. Vermeiden Sie hektische Bewegungen und ein angespanntes Verhalten. Ihr Hund wird sich an Ihrer Gelassenheit orientieren.
Falls Ihr Vierbeiner unsicher reagiert, sollten Sie zunächst Abstand zum anderen Hund halten. Achten Sie darauf, dass Ihr Hund sich nicht bedrängt fühlt. Ein paar Meter mehr Raum können die Situation deutlich entspannen und Ihrem Hund Sicherheit geben.
2. Ablenkung durch Leckerlis oder Spielzeug
Eine gute Möglichkeit, den Hund bei einer Begegnung abzulenken, ist die Verwendung von Leckerlis oder seinem Lieblingsspielzeug. Indem Sie seine Aufmerksamkeit auf eine positive Erfahrung lenken, verbinden Sie Hundebegegnungen mit etwas Angenehmem. Belohnen Sie ruhiges Verhalten sofort.
3. Positives Training und Vertrauen
Durch regelmäßiges Training können Sie Ihrem Hund helfen, besser mit Hundebegegnungen umzugehen. Beginnen Sie mit kleineren Distanzen zu anderen Hunden und belohnen Sie ihn für ruhiges Verhalten. Schritt für Schritt können Sie die Abstände verringern und so die Reaktion Ihres Hundes verbessern.
Wenn Ihr Hund besonders nervös ist, sollten Sie ihn nicht überfordern. Bauen Sie das Vertrauen langsam auf, indem Sie positive Begegnungen ermöglichen. Geduld ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Mit der Zeit wird Ihr Hund lernen, dass Hundebegegnungen keine Bedrohung darstellen.
Wann benötigen Sie professionelle Hilfe?
Es ist völlig normal, dass Hunde bei Hundebegegnungen manchmal unsicher oder aufgeregt reagieren. In vielen Fällen können Sie durch Geduld, Training und positive Verstärkung das Verhalten Ihres Hundes erfolgreich beeinflussen. Doch was, wenn die üblichen Methoden nicht den gewünschten Erfolg bringen oder sich die Situation sogar verschlimmert? In bestimmten Fällen ist es sinnvoll, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
1. Ständige Aggression oder starke Angst
Wenn Ihr Hund bei jeder Hundebegegnung stark aggressiv, ängstlich oder extrem aufgeregt reagiert, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass tiefere Verhaltensmuster oder Traumata vorliegen. Aggressives Verhalten wie Zähnefletschen, Bellen, Knurren oder sogar Beißen sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Ebenso kann übermäßige Angst – zum Beispiel wenn Ihr Hund sich zurückzieht, zittert oder panisch reagiert – auf tiefer liegende Unsicherheiten hinweisen. In solchen Fällen können ein erfahrener Hundetrainer oder ein Tierverhaltenstherapeut gezielt helfen, die Ursachen zu analysieren und geeignete Lösungsansätze zu entwickeln.
2. Unvorhersehbares oder gefährliches Verhalten
Wenn Ihr Hund in bestimmten Situationen unerwartet reagiert und Sie sein Verhalten nicht mehr richtig einschätzen können, ist dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass professionelle Hilfe notwendig ist. Unvorhersehbares Verhalten kann sowohl für den Hund selbst als auch für seine Umgebung gefährlich werden. Beispielsweise kann ein Hund, der plötzlich aggressiv auf Artgenossen reagiert, unkontrollierbar werden, was potenziell gefährlich ist. Hier ist es wichtig, frühzeitig einzugreifen, um solche Situationen künftig zu vermeiden.
Sie sollten über eine Hundehaftpflichtversicherung nachdenken, um sich vor eventuellen Kosten zu schützen. In vielen Bundesländern ist eine Haftpflicht für Hundebesitzer:innen obligatorisch. Informieren Sie sich über die vor Ort geltenden Regeln. Die Kosten für medizinische Behandlungen Ihres Hundes können Sie sich einfach mit der Hundekrankenversicherung von Santévet zurückerstatten lassen.
3. Trotz Training keine Fortschritte beim abgewöhnen des Kläffens
Manchmal bleiben die gewünschten Fortschritte aus, obwohl Sie bereits viel Zeit und Mühe in das Training investiert haben. Wenn Ihr Hund nach Wochen oder Monaten noch immer keine positiven Verhaltensänderungen zeigt, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass spezielle Techniken oder tiefere Verhaltensanalysen notwendig sind. Professionelle Hundetrainer können hier mit ihrer Erfahrung und ihrem Wissen helfen, effektive Ansätze zu entwickeln, die individuell auf Ihren Hund abgestimmt sind.
4. Hunde aus dem Tierschutz oder mit unklarer Vorgeschichte
Hunde, die aus dem Tierschutz kommen oder eine unklare Vergangenheit haben, zeigen oft Verhaltensauffälligkeiten, die ohne professionelle Hilfe nur schwer zu bewältigen sind. Diese Hunde haben häufig traumatische Erfahrungen gemacht oder hatten nicht die Gelegenheit, soziale Interaktionen mit Artgenossen richtig zu lernen. Ein Hundetrainer oder Verhaltensberater kann in solchen Fällen gezielt unterstützen, indem er auf die speziellen Bedürfnisse des Hundes eingeht und maßgeschneiderte Trainingsmethoden entwickelt.
5. Vorbeugung von langfristigen Problemen
In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, bereits frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um langfristigen Verhaltensproblemen vorzubeugen. Ein Hund, der regelmäßig Schwierigkeiten bei Hundebegegnungen hat, kann im Laufe der Zeit zunehmend frustrierter oder ängstlicher werden. Diese Probleme können sich festigen, wenn sie nicht rechtzeitig adressiert werden. Durch frühzeitige Unterstützung können Sie vermeiden, dass sich unerwünschte Verhaltensweisen manifestieren und die Lebensqualität von Ihnen und Ihrem Hund beeinträchtigt wird.
6. Individuelle Betreuung für spezielle Bedürfnisse
Jeder Hund ist einzigartig und nicht alle Trainingsmethoden funktionieren bei jedem gleich gut. Manche Hunde haben spezielle Bedürfnisse, die ein individuelles Training erfordern. Ein professioneller Trainer kann gezielt auf diese Bedürfnisse eingehen und Ihnen helfen, passende Lösungen für Ihren Hund zu finden. Egal, ob es um spezielle Techniken, Sozialisationstraining oder Verhaltensanalyse geht – mit professioneller Hilfe erhalten Sie maßgeschneiderte Unterstützung, die genau auf Ihren Hund abgestimmt ist.
Für Ruhe am Zaun: Körpersprache frühzeitig deuten
Es gibt verschiedene Gründe für das Bellen und es kann auch nur Teil der Kommunikation Ihres Hundes sein. Wenn das Bellen aber zu intensiv oder sogar aggressiv wird, müssen Sie als Hundehalter:in einschreiten. Indem Sie die Körpersprache und das Verhalten Ihres Hundes genau beobachten, können Sie frühzeitig erkennen, dass er gleich bellen wird. Dies erlaubt Ihnen, rechtzeitig einzugreifen, sei es durch Ablenkung, Beruhigung oder ein alternatives Kommando. Das frühe Erkennen dieser Signale kann helfen, unerwünschtes Bellen zu minimieren und die Kontrolle über die Situation zu behalten. Wenn Sie hierbei Ihre Ziele nicht erreichen, zögern Sie nicht, die Hilfe eines Hundetrainers in Anspruch zu nehmen. So werden die täglichen Spaziergänge mit Ihrem Vierbeiner wieder zu einem gemeinsamen Moment der Entspannung.
Quellen:
https://www.fressnapf.de/magazin/hund/erziehung/hund-bellt/
https://www.zooplus.de/magazin/hund/hundeerziehung/bellenden-hund-beruhigen
https://www.mdpi.com/2076-2615/11/5/1298