Das Wichtigste in Kürze (TL;DR):
- Zwei Formen: Diskoider Lupus (DLE) betrifft hauptsächlich die Haut; systemischer Lupus (SLE) kann mehrere Organe befallen.
- Typische Symptome sind Depigmentation und Krusten an der Nase, Gelenkschmerzen, Fieber und Erschöpfung.
- Bestimmte Rassen (Siberian Husky, Shetland Sheepdog, Deutsch Kurzhaar) sind häufiger betroffen.
Was ist Lupus beim Hund?

Lupus beim Hund bezeichnet eine Autoimmunerkrankung, bei der Autoantikörper gegen körpereigene Zellen gebildet werden. Die Ablagerung von Immunkomplexen in Geweben löst chronische Entzündungsreaktionen aus. Es gibt zwei Hauptformen:
- Diskoider Lupus erythematodes (DLE): Die häufigere und mildere Form. Sie betrifft vor allem die Haut, insbesondere Nase und mukokutane Übergänge (Lippenwinkel, Augenlider).
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE): Die seltenere, aber schwerwiegendere Form. Sie kann Haut, Gelenke, Nieren, Blut und Herz gleichzeitig befallen.
Experten-Zitat: „Die CLE-Varianten bei Hunden sind heterogen. Einige entsprechen den entsprechenden Varianten beim Menschen, während andere bislang nur bei Hunden vorkommen.“ – Olivry, Linder & Banovic, BMC Veterinary Research 2018
Ursachen der Autoimmunerkrankung und betroffene Hunde
Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig erforscht. Als gesichert gelten folgende Faktoren:
1. Genetische Veranlagung: Bestimmte Rassen tragen eine erbliche Prädisposition. Untersuchungen zeigen ein erhöhtes CD4+/CD8+-T-Zell-Verhältnis, das Autoimmunreaktionen begünstigt.
2. UV-Strahlung: Sonnenlicht kann beim DLE Schübe auslösen oder verstärken.
3. Infektionen und Medikamente: Virale oder bakterielle Infektionen sowie bestimmte Arzneimittel können bei prädisponierten Hunden einen Lupus triggern.
Häufiger betroffene Rassen: Siberian Husky, Shetland Sheepdog, Deutsch Kurzhaar, Gordon Setter, Collie, Beagle und Berger Blanc Suisse. Lupus ist nicht ansteckend und kann weder auf Tiere im gleichen Haushalt noch auf Menschen übertragen werden.
Symptome: Wie äußert sich die Autoimmunerkrankung beim Hund?
Symptome des DLE
- Depigmentation: Die Nase verliert ihre schwarze Farbe und wird grau, rosa oder weiß – das Leitsymptom des DLE.
- Erosionen, Krusten und Schuppenbildung: Die Hautveränderungen beginnen an der Nasenoberfläche und können sich auf Mukokutane Übergänge und Augenlider ausweiten.
- Lokaler Haarausfall: Im betroffenen Bereich, selten mit Juckreiz.
Symptome des SLE
- Gelenkerkrankung (Erosive Polyarthritis): Schmerzen und Steifheit wechselnder Gelenke – eines der häufigsten SLE-Zeichen.
- Hämolytische Anämie und Thrombozytopenie: Das Immunsystem zerstört rote Blutkörperchen und Blutplättchen; Folge: Blässe und Blutungsneigung.
- Intermittierendes Fieber und schnelle Ermüdung: wiederkehrendes Fieber ohne erkennbaren Infektionsherd.
- Nieren- und Herzbeteiligung: Bei fortgeschrittenem SLE möglich; erfordert rasche diagnostische Abklärung.
Tipp von Santévet: Veränderungen an der Nase Ihres Hundes – besonders Depigmentation oder Krusten – sollten zeitnah tierärztlich abgeklärt werden. Je früher Lupus erkannt wird, desto besser die Behandlungschancen.
Diagnose: Wie wird Lupus beim Hund festgestellt?
Da Lupus eine Erkrankung mit vielfältigen Symptomen ist, gibt es keinen einzigen diagnostischen Test. Die Diagnose erfolgt über eine Kombination aus:
- Blutbild und ANA-Titer: Antinukleäre Antikörper sind typisch für den SLE; ein erhöhter ANA-Titer ist ein wichtiger Hinweis, muss aber im Gesamtkontext bewertet werden.
- Histologische Untersuchung (Biopsie): Besonders aussagekräftig für den DLE – erlaubt die mikroskopische Beurteilung der Hautveränderungen.
- Harnanalyse und Bildgebung: Zum Ausschluss einer Nierenbeteiligung beim SLE.
| Diagnostische Maßnahme | Durchschnittliche Kosten | Inhalt |
| Blutbild & ANA-Titer | 80–200 € | Labordiagnostik |
| Hautbiopsie & Histologie | 150–350 € | Gewebeprobe & Auswertung |
| Bildgebung (Röntgen/Ultraschall) | 100–250 € | Organbeurteilung |
| Gesamtdiagnostik | ca. 200–500 € | Je nach Umfang |
Behandlung: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Behandlung des diskoden Lupus erythematodes
- Lokale Kortikosteroide: Als Creme oder Salbe direkt auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen.
- Sonnenschutz: Meiden von direkter Sonneneinstrahlung; spezielle Tierschutzcremes können aufgetragen werden.
- Immunsuppressiva (bei Bedarf): Bei ausgeprägten Fällen, z. B. Doxycyclin/Niacinamid oder Ciclosporin.
Behandlung des systemischer Lupus erythematodes
- Immunsuppressive Medikamente: Kortikosteroide (z. B. Prednisolon) sind die Therapie der Wahl. In resistenten Fällen: Azathioprin, Ciclosporin oder Mycophenolat.
- Behandlung der Begleiterkrankungen: Bluttransfusionen bei schwerer Anämie, Nierenschutztherapie bei Nierenbeteiligung.
- Regelmäßige Verlaufskontrollen: Da Lupus eine chronische Erkrankung ist, sind engmaschige Kontrollen essenziell.
| Behandlung | Kosten pro Monat | Hinweis |
| Lokale Kortikosteroide (DLE) | 20–60 € | Langfristig notwendig |
| Systemische Immunsuppressiva (SLE) | 80–250 € | Je nach Körpergewicht |
| Verlaufskontrollen Blut/Urin | 50–150 € | Alle 3–6 Monate |
| Gesamtkosten SLE (pro Jahr) | ca. 1.000–3.000 € | Abhängig von Komplikationen |
Lebenserwartung und Prognose bei Lupus beim Hund
DLE-Prognose: Sehr gut. Mit konsequentem Sonnenschutz und lokaler Therapie können betroffene Hunde ein normales, langes Leben führen. Die Lebenserwartung ist in der Regel nicht eingeschränkt.
SLE-Prognose: Vorsichtiger. Hunde mit schwerem Organbefall (Nieren, Herz) haben eine eingeschränktere Prognose. Bei frühzeitiger Diagnose und gutem Ansprechen auf Immunsuppressiva können viele Hunde jedoch mehrere Jahre stabil geführt werden.
Lupus beim Hund ist eine Autoimmunerkrankung mit zwei sehr unterschiedlichen Gesichtern: Der diskoide Lupus (DLE) bleibt auf die Haut beschränkt und hat mit der richtigen Therapie eine gute Prognose, während der systemische Lupus (SLE) mehrere Organe befallen und lebensbedrohlich werden kann. Entscheidend ist die frühzeitige Diagnose – wer Hautveränderungen an der Nase seines Hundes oder unklare Lahmheiten nicht ignoriert, gibt seinem Tier die beste Chance auf ein normales Leben. Da Lupus chronisch ist und eine Langzeitbehandlung erfordert, lohnt sich eine Tierkrankenversicherung besonders: Sie schützt vor den teils erheblichen Kosten für Diagnostik, Medikamente und Verlaufskontrollen.
FAQ – Häufige Fragen zu Lupus beim Hund
Wie hoch ist die Lebenserwartung bei Lupus beim Hund?
Hunde mit DLE haben in der Regel eine normale Lebenserwartung, wenn die Erkrankung konsequent behandelt und direktes Sonnenlicht gemieden wird. Beim SLE ist die Prognose von der Organschädigung abhängig: Mit frühzeitiger Diagnose und gutem Ansprechen auf Immunsuppressiva können viele Hunde mehrere Jahre stabil leben. Schwere Nieren- oder Herzschäden können die Lebenserwartung jedoch deutlich verkürzen.
Wie äußert sich Lupus beim Hund?
Der DLE beginnt meist mit Depigmentation und Schuppenbildung an der Nase, gefolgt von Erosionen und Krusten. Der SLE zeigt ein breiteres Bild: wechselnde Lahmheit, Fieber, Erschöpfung, Hautveränderungen und – in schweren Fällen – Blutarmut oder Nierensymptome. Bei Verdacht sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden.
Was ist Lupus beim Hund?
Lupus beim Hund ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem gegen körpereigene Zellen vorgeht. Es gibt zwei Hauptformen: den diskoiden Lupus (DLE), der hauptsächlich die Haut betrifft, und den systemischen Lupus (SLE), der mehrere Organe befallen kann. Lupus ist nicht ansteckend.
Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen nur der allgemeinen Information und ersetzen keine Untersuchung oder Beratung durch einen Tierarzt.
Quellen:
Banovic F. Canine Cutaneous Lupus Erythematosus: Newly Discovered Variants. Vet Clin North Am Small Anim Pract. 2019;49(1):37–45. DOI: 10.1016/j.cvsm.2018.08.004
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30227971
Fournel C, Chabanne L et al. Canine systemic lupus erythematosus. I: A Study of 75 cases. Lupus. 1992;1(3):133–139. DOI: 10.1177/096120339200100303
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/1301973
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