Das Wichtigste in Kürze (TL;DR)
- Der Flat Coated Retriever stammt aus England, wo er im 19. Jahrhundert als Jagd- und Apportierhund für die Wasserjagd gezüchtet wurde und eng mit Golden Retriever und Labrador verwandt ist.
- Er ist intelligent, verspielt und kinderlieb, benötigt aber viel Bewegung, geistige Beschäftigung und eine liebevolle, konsequente Erziehung.
- Mit 10 bis 14 Jahren Lebenserwartung gilt er als robust, zeigt aber eine auffällige Veranlagung zu bösartigen Tumoren, allen voran das histiozytäre Sarkom.
Herkunft und Geschichte der Rasse
Der Ursprung liegt bei englischen Fischern, die einen wendigen Hund zum Bergen entkommener Fische aus Netzen benötigten. Im 19. Jahrhundert wurde die Rasse in England als Jagdhund etabliert und mit Setter, Labrador und Collie gekreuzt – Letzterer sorgte vermutlich für das glatte Fell, das den Vorfahren den Namen „Wavy-Coated Retriever“ einbrachte. Interessierte Halter finden einen Überblick über weitere Hunderassen im Santévet-Ratgeber.
Offiziell anerkannt wurde die Rasse durch die FCI im Dezember 1954. Der Flat Coated Retriever teilt sich einen gemeinsamen Vorfahren, den St.-John’s-Hund aus Neufundland, mit dem Golden Retriever und dem Labrador – daher die ähnliche Statur und das freundliche Wesen aller drei Rassen. Während Golden Retriever und Labrador die Welpenstatistiken anführen, bleibt der Flat Coated Retriever hierzulande eine Rarität mit entsprechend langen Wartelisten bei seriösen Züchtern.
Charakter und Wesen des Flat Coated Retrievers
Alleinbleiben und Familienleben
Der Flat Coated Retriever ist eng an seine Familie gebunden und verträgt Einsamkeit nur schlecht. Muss er regelmäßig allein bleiben, sollte er von klein auf schrittweise daran gewöhnt werden; Hundesitter oder Gassi-Dienste helfen, lange Alleinzeiten zu vermeiden.

Kinder und andere Tiere
Diese Rasse gilt als sozialverträglich, sanft, verspielt und frei von Aggression – ein hervorragender Spielgefährte für Kinder, die im Gegenzug lernen sollten, die Ruhebedürfnisse des Hundes zu respektieren.
Erziehung und Intelligenz
Der Flat Coated Retriever ist verhältnismäßig leicht zu erziehen, da er intelligent ist und schnell versteht, was von ihm erwartet wird. Positive Verstärkung erzielt besonders gute Ergebnisse. Er kommt auch in der Wohnung zurecht, sofern ausreichend lange Spaziergänge und Gelegenheiten zum Schwimmen eingeplant werden – schließlich zählt er zu den anerkannten Wasserrettungshunden.
Tipp von Santévet: Nutzen Sie die natürliche Begeisterung Ihres Flat Coated Retrievers fürs Apportieren und Schwimmen gezielt als Belohnung im Training – das motiviert stärker als klassische Leckerlis und lastet ihn gleichzeitig körperlich aus.
Bevor rassetypische Gesundheitsrisiken im Detail betrachtet werden, lohnt sich für künftige Halter ein früher Blick auf eine passende Absicherung.
Aussehen und Merkmale
Größe und Gewicht
- Rüden erreichen eine Widerristhöhe von 59 bis 62 Zentimetern und ein Gewicht von 27 bis 36 Kilogramm.
- Hündinnen sind mit 56 bis 59 Zentimetern und 25 bis 32 Kilogramm etwas kleiner und leichter.
- Der Körperbau ist kräftig, ausgewogen und nie schwerfällig, der Kopf leicht flach mit sichtbarem, aber nicht ausgeprägtem Stop.
Fell und schwarze Farbe
Namensgebend ist das glatte, flach anliegende Fell (englisch „flat coat“), das wasserabweisend ist und dem Hund beim Schwimmen zugutekommt. Anerkannt sind ausschließlich die Farben Schwarz und Leberbraun. In den Fellwechselzeiten ist intensives Bürsten nötig, ansonsten reicht eine wöchentliche Fellpflege meist aus.
Verwechslung mit dem Golden Retriever
Ein schwarzer Golden Retriever existiert im Rassestandard eigentlich nicht – wer einen vermeintlich schwarzen Golden sieht, hat meist einen Flat Coated Retriever vor sich. Beide Rassen teilen Silhouette, Hängeohren und Wesen, unterscheiden sich aber deutlich im Fell: langes, gewelltes, goldenes Fell beim Golden Retriever gegenüber glattem, glänzendem Fell in Schwarz oder Leberbraun beim Flat Coated Retriever. Auch die Statur ist schlanker und eleganter als die des kompakteren Labradors.
Vor dem Kauf: Was kostet ein Flat Coated Retriever?
Wer sich für die Anschaffung eines Flat Coated Retrievers entscheidet, sollte neben dem Kaufpreis auch tierärztliche Leistungen, laufende Unterhaltskosten und eine hochwertige Ernährung im Budget einplanen.
Anschaffungskosten für einen Welpen vom Züchter
Ein Flat Coated Retriever-Welpe aus seriöser Zucht kostet in der Regel zwischen 900 und 1.500 Euro, abhängig von Abstammung und Ruf des Züchters. Da die Rasse selten ist, sollten Interessierte mit längeren Wartezeiten rechnen. Alternativ finden sich gelegentlich erwachsene Tiere aus dem Tierschutz oder von Züchtern, die ihre Zuchttiere abgeben.
Tierärztliche Kosten ohne Versicherung
Die folgende Tabelle gibt einen groben Überblick über mögliche tierärztliche Ausgaben, die je nach Klinik und Region variieren können.
| Tierärztliche Leistung | Geschätzte Kosten |
| Behandlung einer Otitis | 100 bis 200 € |
| Röntgen und Behandlung Hüftdysplasie | 500 bis 2.500 € |
| Operation und Chemotherapie bei histiozytärem Sarkom | 2.000 bis 4.000 € |
| Physiotherapie bei Bänderverletzungen | 500 bis 900 € pro Serie |
Probleme mit trockenen oder roten Augen sind bei Hunden häufig. Wir haben für Sie die wichtigsten Informationen zusammengefasst.
Laufende Unterhaltskosten
Neben den medizinischen Ausgaben fallen regelmäßige Kosten für Pflege, Zubehör und Versicherung an.
| Kostenpunkt | Geschätzte Kosten |
| Fellpflegezubehör (Bürsten, Shampoo) | Einmalig etwa 40 bis 70 € |
| Hundekrankenversicherung | Ab etwa 25 € pro Monat |
| Parasitenprophylaxe | 15 bis 25 € pro Monat |
| Hundesteuer | Je nach Kommune, häufig 90 bis 180 € pro Jahr |
Futterkosten für einen Flat Coated Retriever
Als aktive, mittelgroße bis große Rasse benötigt der Flat Coated Retriever energiereiches, hochwertiges Futter, das seinen Bewegungsdrang unterstützt.
| Art der Ernährung | Geschätzte Kosten |
| Trockenfutter (Standardqualität) | 35 bis 55 € pro Monat |
| Trockenfutter (Premiumqualität) | 55 bis 80 € pro Monat |
| Nassfutter | 70 bis 100 € pro Monat |
| Leckerlis und Kausnacks | 10 bis 15 € pro Monat |
Wer diese Kosten von Anfang an einplant, ist im Ernstfall finanziell besser vorbereitet.
Typische Krankheiten und Lebenserwartung
Wie viele große Hunderassen kann der Flat Coated Retriever von einer Hüftdysplasie betroffen sein, die im Röntgenbild diagnostiziert und je nach Schweregrad konservativ oder operativ behandelt wird.

Die weitaus bedeutsamere gesundheitliche Besonderheit der Rasse ist jedoch die auffällig hohe Veranlagung zu bösartigen Tumoren, insbesondere zum histiozytären Sarkom, einer aggressiven Krebserkrankung des Bindegewebes. Eine britische Kohortenstudie an 174 Flat Coated Retrievern verfolgte die Tiere über mehrere Jahre und stellte fest, dass 42 Prozent der Hunde an einer bestätigten Krebserkrankung starben; Weichteilsarkome – allen voran das histiozytäre Sarkom – waren dabei mit 44 Prozent aller Neoplasien die häufigste Tumorart.
Expertenzitat: „In Studien zu den Todesursachen bei Hunden in Schweden und Dänemark wurde festgestellt, dass der Flat Coated Retriever zu den fünf Rassen mit dem höchsten Krebsrisiko gehört.“ — Constantino-Casas F. et al. 2011
Das histiozytäre Sarkom tritt meist als Schwellung an den Gliedmaßen oder in Gelenknähe auf, kann aber auch die Milz befallen. Da die Erkrankung häufig aggressiv verläuft, sind regelmäßige tierärztliche Kontrollen und ein rasches Abklären auffälliger Schwellungen besonders wichtig.
Fellpflege des Flat Coated Retrievers
- Das glatte Fell benötigt in der Regel wöchentliches Bürsten, während der Fellwechselzeiten häufiger.
- Bäder nur bei sichtbarer Verschmutzung, mit speziellem Hundeshampoo.
- Da die Rasse gerne schwimmt, sollten die Ohren nach jedem Wasserkontakt kontrolliert werden, um Ohrenentzündungen vorzubeugen.
- Regelmäßiges Zähneputzen und Krallenschneiden ergänzen die Routinepflege.
Erziehung und Aktivitäten
Der Flat Coated Retriever benötigt täglich ausgiebige Bewegung sowie geistige Beschäftigung, etwa durch Apportierspiele oder Dummytraining. Frühe Sozialisierung und positive Erziehung fördern ein ausgeglichenes Wesen. Als leidenschaftlicher Schwimmer freut er sich über jede Gelegenheit zum Wasserkontakt.
Zusammenfassend ist der Flat Coated Retriever ein freundlicher, wasserbegeisterter Familienhund, der bei ausreichend Bewegung und aufmerksamer Gesundheitsvorsorge ein treuer Begleiter wird.
Häufig gestellte Fragen zum Flat Coated Retriever
Bei guter tierärztlicher Betreuung und artgerechter Haltung erreichen Flat Coated Retriever ein Alter von 10 bis 14 Jahren.
Grundsätzlich ja, sofern sich die Halter auf den hohen Bewegungsbedarf und eine konsequente, liebevolle Erziehung einstellen. Wer wenig Zeit für lange Spaziergänge und Wasseraktivitäten hat, sollte eine andere Rasse in Betracht ziehen.
Der auffälligste Unterschied liegt im Fell: Der Golden Retriever hat langes, gewelltes, goldenes Fell, der Flat Coated Retriever glattes, glänzendes Fell in Schwarz oder Leberbraun. Beide Rassen sind eng verwandt und teilen sich einen gemeinsamen Vorfahren, den St.-John’s-Hund.
Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen nur der allgemeinen Information und ersetzen keine Untersuchung oder Beratung durch einen Tierarzt.
Quellen:
Fressnapf Tiernahrungs GmbH: „Flat Coated Retriever“, fressnapf.de/magazin/hund/rassen/flat-coated-retriever
Constantino-Casas, F., Mayhew, D., Hoather, T. M., Dobson, J. M.: „The Clinical Presentation and Histopathologic–Immunohistochemical Classification of Histiocytic Sarcomas in the Flat Coated Retriever“, Veterinary Pathology, 48(3), 764–771, 2011. DOI: 10.1177/0300985810385153.
Morris, J. S. et al.: „Mortality in a Cohort of Flat-Coated Retrievers in the UK“, Veterinary and Comparative Oncology, 2008. PMID: 19453365.
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Fotos : 123rf
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