Das Wichtigste in Kürze (TL;DR)
- Molosser von den Kanarischen Inseln, ursprünglich Hüte- und Wachhund für Rinderherden.
- Ausgeglichen und wachsam, kein Kampfhund – aber in Bayern und Brandenburg als Listenhund der Kategorie 2 geführt.
- Braucht einen erfahrenen, konsequenten Halter und frühe Sozialisierung.
Herkunft der kanarischen Dogge
Die Wurzeln der kanarischen Dogge liegen auf Gran Canaria und Teneriffa: Der einheimische Hütehund Bardino Majorero wurde dort mit doggenartigen Hunden gekreuzt, die spanische Eroberer im 16. und 17. Jahrhundert mitbrachten. So entstand ein kräftiger Treib- und Wachhund für Rinderherden, der auch Haus und Hof vor Eindringlingen schützte. Bis in die 1950er-Jahre wurde die Rasse zudem für Hundekämpfe eingesetzt, was ihr bis heute anhaftet, obwohl dies längst verboten ist. In den 1960er-Jahren standen die spanischen Doggen kurz vor dem Aussterben; erst die Gründung eines Zuchtclubs 1982 und die offizielle Anerkennung durch die spanische Regierung im Jahr 2001 sicherten ihr Überleben. 1991 wurde er zudem als Natursymbol der Insel Gran Canaria gewürdigt. Zur FCI-Anerkennung musste die Rasse zeitweise den Namen Dogo Canario tragen, seit Dezember 2018 heißt sie wieder Presa Canario. Endgültig anerkannt ist sie seit dem 4. Juli 2011 unter der FCI-Standardnummer 346, Gruppe 2 (Molossoide).
Es gibt andere beliebte Hunderassen, die nicht vom FCI anerkannt wurden. Gründe dafür sind unterschiedlich: Teils fehlt schlicht ein einheitlicher, über Generationen stabiler Zuchtstandard, teils ist die Rasse noch zu jung oder zu regional begrenzt, um von der FCI geprüft zu werden.
Temperament und Charakter des Presa Canario
Innerhalb der Familie zeigt sich der Presa Canario ruhig, anhänglich und loyal, sofern er konsequent erzogen und früh sozialisiert wurde. Fremden gegenüber bleibt er reserviert bis misstrauisch, ohne grundlos aggressiv zu reagieren. Wichtig:
- Die Hunderasse hat einen enormen Schutztrieb. Das macht sie zum zuverlässigen Wachhund, verlangt aber klare Führung.
- Mit anderen Hunden tritt er oft dominant auf und hat ein lebhaftes Temperament.
- Deshalb ist frühe, positive Sozialisierung besonders wichtig.
Vor dem Kauf: Der ideale Halter für einen Presa Canario
Wegen seiner Größe, Kraft und seiner angeborenen Schutzeigenschaften eignet sich der Presa Canario nur für hundeerfahrene Halter mit Zeit für Erziehung, geistige Auslastung und Sozialisierung. Eine kleine Stadtwohnung wird der Rasse nicht gerecht; besser geeignet ist ein Haus mit sicher eingezäuntem Garten.

Bayern und Brandenburg: Wo in Deutschland ist der Presa Canario ein Listenhund?
Grundsätzlich ist die Haltung von spanischen Doggen in Deutschland erlaubt – ein bundesweites Verbot gibt es nicht. Die Rasse fällt jedoch nicht überall unter dieselben Regeln, da Hundegesetze in Deutschland Ländersache sind.
In Bayern und Brandenburg wird der Presa Canario (unter seinem früheren Namen Perro de Presa Canario) in der Kategorie 2 der jeweiligen Rasseliste geführt. Das bedeutet: Die Gefährlichkeit gilt zunächst als Vermutung, lässt sich aber durch einen bestandenen Wesenstest sowie einen Sachkundenachweis widerlegen. Danach erhält der Hund in der Regel eine Haltungserlaubnis, oft verbunden mit Auflagen wie Leinen- und Maulkorbpflicht im öffentlichen Raum.
In den übrigen 14 Bundesländern taucht der Presa Canario auf keiner Rasseliste auf und gilt dort als ganz normaler Hund ohne besondere gesetzliche Einschränkungen.
Wichtig für die Haltung: Auch ohne Rasseliste gelten kommunale Hundeverordnungen, etwa zu Leinen- oder Anzeigepflicht bei bestimmten Hundegrößen, die sich je nach Wohnort unterscheiden können und vor der Anschaffung geprüft werden sollten.
Eine Übersicht über als Kampfhunde geltende Hunderassen und die Auflagen der Bundesländer finden Sie in unserem Ratgeber.
Aussehen: Körperbau, Fell und Farben
Der Dogo Canario hat einen agilen, kräftigen Körper mit einem massigen, würfelförmigen Kopf und einer breiten Brust. Das kurze, raue Fell liegt eng an und kommt ohne Unterwolle aus. Zulässig sind gestromte Schattierungen von Dunkelbraun bis Grau sowie falbe oder sandfarbene Töne, stets mit dunkler Gesichtsmaske. Ein rein schwarzes Fell ohne Strömung sieht der Rassestandard nicht vor, auch wenn sehr dunkel gestromte Tiere umgangssprachlich als „schwarzer Presa Canario“ bezeichnet werden.
Presa Canario vs. Cane Corso: Der Unterschied
Beide Rassen sind Molosser und werden optisch gelegentlich verwechselt:
- Der italienische Cane Corso ist im Schnitt athletischer und hochbeiniger, der Presa Canario kompakter und schwerer.
- Auch die Herkunft unterscheidet sich: Cane Corso aus Süditalien, Presa Canario von den Kanarischen Inseln.
- Charakterlich ähneln sich beide in Schutztrieb und Familienbindung und benötigen erfahrene Halter.
Was kostet ein Presa Canario? Budget im Überblick
Neben dem Kaufpreis sollten Halter auch laufende Tierarzt-, Unterhalts- und Futterkosten einplanen.
Preise für Welpen vom Züchter
Ein Welpe aus seriöser, gesundheitlich geprüfter Zucht kostet in Deutschland meist zwischen 1.000 und 2.500 Euro, abhängig von Abstammung und Zuchtstätte. Da die Rasse teils als Listenhund gilt, lohnt sich vorab ein Blick auf zusätzliche Haltungsauflagen.

Tierärztliche Kosten ohne Versicherung
| Tierärztliche Leistung | Geschätzte Kosten |
|---|---|
| Allgemeine Untersuchung | 50 – 70 € |
| Jährliche Schutzimpfung | 80 – 150 € |
| Röntgen bei Verdacht auf Hüftdysplasie | 80 – 150 € |
| Notfall-OP bei Magendrehung | 1.500 – 3.000 € |
Tipp von Santévet: Füttern Sie großrahmige Hunde wie den Presa Canario auf zwei bis drei Mahlzeiten verteilt und vermeiden Sie Bewegung direkt danach, um das Risiko einer Magendrehung zu senken.
Unser Ratgeber „Verstopfung beim Hund erkennen“ hilft einzuschätzen, wann ein Tierarztbesuch nötig ist.
Laufende Unterhaltskosten
| Position | Geschätzte Kosten |
|---|---|
| Hundehalter-Haftpflicht | 60–120 €/Jahr |
| Hundesteuer (regulär) | 60–180 €/Jahr |
| Parasitenprophylaxe | 15–30 €/Monat |
| Sachkundenachweis/Wesenstest | 100–300 € einmalig |
Futterkosten
Als großer, muskulöser Hund hat der Presa Canario einen entsprechend hohen Futterbedarf:
| Sortiment | Verbrauch/Monat | Kosten/Jahr |
|---|---|---|
| Einstiegs-Trockenfutter | ca. 12 kg | 500 – 700 € |
| Standard-Markenfutter | ca. 12 kg | 750 – 1.000 € |
| Premium-Trockenfutter | ca. 11 kg | 1.000 – 1.400 € |
| BARF/Frischfütterung | ca. 10 kg | 1.200 – 1.700 € |
Gesundheit des Presa Canario
Die kanarische Dogge gilt als robust, mit einer Lebenserwartung von etwa 9 bis 11 Jahren. Wie bei vielen großen Hunderassen zählen Hüft- und Ellbogendysplasie zu den bekannten Risiken, ebenso Magendrehung sowie vereinzelt Epilepsie und Hautreizungen.
Expertenzitat: „Obwohl die subjektive Schmerzbewertung nach sechs Monaten eine Verbesserung zeigte, belegten die Kraftmessplatten-Daten, dass dieselben Tiere zum ursprünglichen Lahmheitszustand zurückgekehrt waren.“ — aus einer Studie an zehn Presa-Canario-Hunden mit Hüftarthrose infolge beidseitiger Hüftdysplasie, behandelt mit Stammzellen. -Vilar JM et al. (2016)
Pflege des Presa Canario
Das kurze, raue Fell ist pflegeleicht: Wöchentliches Bürsten genügt, um lose Haare zu entfernen. Ohren, Zähne und Krallen sollten regelmäßig kontrolliert und die Ernährung an Alter, Gewicht und Aktivitätslevel angepasst werden, um Übergewicht und zusätzliche Gelenkbelastung zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen zum Presa Canario
Unter den richtigen Voraussetzungen ja: Mit konsequenter Erziehung und früher Sozialisierung zeigt er sich loyal und ruhig. Kinder sollten den respektvollen Umgang kennen. Begegnungen sollten immer begleitet stattfinden.
Nein, aggressives Verhalten schließt laut FCI-Standard sogar von der Zucht aus. Dennoch führen Bayern und Brandenburg die Rasse als Listenhund der Kategorie 2 mit zusätzlichen Auflagen.
Er wurde historisch als Wach- und Hütehund gezüchtet und besitzt einen natürlichen Schutztrieb. Formale Schutzhundeausbildung ist möglich, aber kein Muss – wichtiger ist eine solide Grunderziehung.
Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen nur der allgemeinen Information und ersetzen keine Untersuchung oder Beratung durch einen Tierarzt.
Quellen:
Vilar JM et al. (2016): MSC bei Hüftarthrose, Presa Canario. BMC Veterinary Research, 12:223. DOI: 10.1186/s12917-016-0852-z
Vilar JM et al. (2013): Force-Platform-Analyse, Presa Canario. BMC Veterinary Research, 9:131.
https://link.springer.com/article/10.1186/1746-6148-9-131
https://www.wirliebenhunter.de/magazin/hunderassen/dogo-canario
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