Die Körpersprache der Katze

Auch wenn Katzen nicht maunzen, haben sie eine Menge zu sagen. Ebenso wie bei Menschen machen verbale Signale bei der Katze nur einen kleinen Teil der Kommunikation aus, die übrigen Botschaften werden nonverbal vermittelt. Wenn Sie die „Zeichensprache" der Katzen kennen und Ihre Samtpfote gut beobachten, können Sie eine Menge aus ihr herauslesen. In diesem Artikel erhalten Sie einen kleinen Einblick in die Körpersprache der Katze.

Katze in Abwehrbereitschaft
Katze in Abwehrbereitschaft - Pixabay

Wie drückt eine Katze verschiedene Stimmungslagen aus?

In den nachfolgenden Beschreibungen sind unterschiedliche Merkmale aufgelistet, die in den meisten Fällen auf die jeweilige Situation zutreffen. Wie auch beim Menschen gehen die verschiedenen Stimmungslagen der Katze jedoch fließend ineinander über und es sind individuelle Unterschiede möglich: Nicht zwingend zeigt eine Katze alle Merkmale, die für ihren aktuellen Gemütszustand typisch sind.

Entspannung, Wohlbefinden

  • Körperhaltung: entspannt sitzend, liegend oder stehend
  • Augen: oft halb oder komplett geschlossen, Blinzeln
  • Ohren: aufrecht, Ohrmuscheln nach vorn gerichtet
  • Schwanz: herabhängend
  • Sonstiges: Schnurren, Putzen, Strecken, Gähnen, Rollen

Eine entspannte Katze strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Dies kann im Stehen, Sitzen oder Liegen erfolgen. Zufrieden ruhende oder schlafende Katzen liegen meist lang ausgestreckt. Der Blick ist entspannt, die Augen können geschlossen sein. Ein langsames Blinzeln signalisiert Friedfertigkeit und ein Sicherheitsgefühl. Die Ohrmuscheln sind entspannt nach vorne gerichtet, der Schwanz hängt locker herab. Entspannte Katzen putzen sich häufig, strecken sich ausgiebig, gähnen oder rollen sich wohlig schnurrend auf dem Boden.

Aufmerksamkeit, Neugier

  • Körperhaltung: Kopf vorgestreckt
  • Augen: weit geöffnet, leicht erweiterte Pupillen
  • Ohren: nach vorn gerichtet, Ohrmuscheln nach vorne gedreht, intensives Ohrenspiel möglich
  • Barthaare: entspannt oder nach vorn gerichtet
  • Schwanz: unterschiedlich stark angehoben, zuckende Schwanzspitze

Eine positiv erregte Katze setzt all ihre Sinne ein, um nichts zu verpassen: Der Hals wird häufig lang vorgestreckt, die Ohren und Ohrmuscheln deuten ebenfalls nach vorn, die Augen sind hellwach und folgen ebenso wie der Kopf jeder Bewegung. Auf diese Weise verhalten sich Katzen, die etwas Interessantes beobachten, zum Spielen aufgelegt sind oder Futter erwarten. Insbesondere, wenn der Jagdtrieb einer Katze geweckt wird, kann die Schwanzspitze nervös zucken.

Suche nach Nähe

  • Körperhaltung: entspannt aufrechtstehend oder liegend / rollend
  • Augen: geschlossen oder entspannter Blick
  • Ohren: aufgerichtet, Ohrmuscheln nach vorne gedreht
  • Schwanz: entspannt herabhängend oder zur Begrüßung nach oben gestreckt
  • Sonstiges: Köpfchenreiben, Anschmiegen, Um-die-Beine-Streichen, Schnurren

Schmusebedürftige Katzen suchen den direkten Körperkontakt mit ihrem Besitzer: Sie streichen ihm um die Beine, reiben den oberen Kopfbereich an seinem Körper und schnurren dabei ausgiebig. Katzen, die einen Menschen begrüßen, laufen mit kerzengerade aufgerichtetem Schwanz auf ihn zu. Viele zum Schmusen aufgelegte Katzen rollen sich auch auf den Rücken und reiben sich wohlig am Boden.

Nervosität, Angst

  • Körperhaltung: oft zusammengekauert, erstarrt
  • Augen: weit aufgerissen, Pupillen geweitet
  • Ohren: seitlich nach unten gefaltet
  • Barthaare: angelegt
  • Schwanz: eng an den Körper gelegt oder zuckend
  • Sonstiges: nervöses Maunzen möglich

Ängstliche Katzen, die keine Fluchtmöglichkeit haben, versuchen sich instinktiv vor Verletzungen zu schützen. Dazu gehören das „Kleinmachen" und die Intention, keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: Die Katze nimmt eine zusammengekauerte Körperhaltung ein, in der sie bewegungslos verharrt. Sie legt den Schwanz dabei eng an den Körper, dreht ihre Ohrmuscheln schützend nach unten und legt die Barthaare an. Die Augen sind weit geöffnet und die Pupillen ängstlich erweitert. Weiß die Katze bereits, dass sie bemerkt wurde (zum Beispiel auf dem Behandlungstisch beim Tierarzt), maunzt sie möglicherweise klagend.

Abwehrbereitschaft

  • Körperhaltung: oft seitlich zum „Angreifer", Katzenbuckel
  • Augen: weit geöffnet, Pupillen verengt
  • Ohren: seitlich nach unten geklappt, Ohrmuscheln weggedreht
  • Barthaare: nach vorn oder hinten gerichtet
  • Schwanz: nach oben oder unten gerichtet, zuckend, peitschend
  • Sonstiges: gesträubtes Fell, Zischen, Fauchen

Fühlt eine Katze sich bedroht oder bedrängt, geht sie häufig in Abwehrbereitschaft. Dies kann zunächst so aussehen, dass sie sich groß macht, um möglichst einschüchternd zu wirken. Dazu gehören ein Katzenbuckel, ein gesträubtes Fell und ein nach oben gerichteter Schwanz. Die Pupillen sind mitunter geweitet, die Ohren nach unten geklappt und die Ohrmuscheln schützend zur Seite weggedreht. Überwiegt die Aggression gegenüber der Ängstlichkeit, verengen sich die Pupillen zunehmend, der Schwanz wird abgesenkt und es werden Drohlaute (vor allem Fauchen) geäußert.

Aggression

  • Körperhaltung: sprungbereit oder mit angespannten Gliedmaßen auf dem Rücken liegend
  • Augen: weit aufgerissen, starrend, Pupillen verengt
  • Ohren: angelegt, Ohrmuscheln nach hinten gedreht
  • Barthaare: nach vorne gerichtet
  • Schwanz: peitschend
  • Sonstiges: Maulaufreißen, Zischen, Knurren, Fauchen, Spucken, Schlagen

Ist die Katze bereit zum Angriff, nimmt sie entweder eine sprungbereite Position ein oder rollt sich auf den Rücken und hält alle vier Pfoten bereit zum Zuschlagen. Die Augen sind weit geöffnet und die Pupillen verengt, die Barthaare nach vorn gerichtet, die Ohren eng an den Kopf gelegt und die Ohrmuscheln zum Schutz weggedreht. Dabei peitscht die Katze mit dem Schwanz, zeigt ihre Zähne und äußert unmissverständliche Warnlaute wie Knurren und Zischen. Nun ist größte Vorsicht geboten!

Unwohlsein, Schmerzen

  • Körperhaltung: gekrümmt oder zusammengekauert, gesenkter Kopf
  • Augen: halb geschlossen, trüber Blick
  • Ohren: unterschiedlich stark hängend, Ohrmuscheln oft seitlich ausgerichtet
  • Schwanz: herabhängend oder an den Körper gelegt
  • Sonstiges: angespannte Gesichtsmuskulatur, Apathie, Stöhnen oder Schnurren möglich

Die Körpersprache der Katze zu verstehen, ist von großer Bedeutung, um gesundheitliche Probleme frühzeitig zu bemerken. Unter anderem nehmen kranke Katzen häufig eine gekrümmte, „buckelige", zusammengekauerte Körperhaltung ein, halten den Kopf gesenkt und die Augen mehr oder weniger geschlossen. Der Blick wirkt dabei trüb und desinteressiert.

Die Ohren und der Schwanz hängen herab. Die Gesichtsmuskulatur ist im Falle von Schmerzen oft angespannt: Das Gesicht nimmt eine „Dreiecksform" an, wobei der Kinnbereich verbreitert wirkt. Paradoxerweise schnurren einige Katzen mit chronischen Schmerzen nahezu ununterbrochen, möglicherweise, um sich selber zu beruhen. Erst bei sehr starken Schmerzen oder anderweitigen Leiden zeigt eine Katze deutliche Symptome wie Apathie oder Stöhnen.

Schon gewusst?
Viele Krankheiten bei Katzen werden erst spät entdeckt, da Katzen von Natur aus versuchen, Unwohlsein zu verbergen.

 

Herausgegeben von

Martin Walter