Was sind Herzwürmer beim Hund?
Herzwürmer sind weiße Fadenwürmer aus der Gruppe der Dirofilarien. Erwachsene Weibchen werden bis zu 30 cm lang und 1 bis 3 mm dick. Sie befallen vorrangig Hunde, in seltenen Fällen auch Katzen, Frettchen, Füchse und Wölfe. Übertragen wird die Infektion ausschließlich durch den Stich einer infizierten Stechmücke – von Tier zu Tier ist die Krankheit nicht ansteckend.
Nach dem Stich gelangen die Larven des Herzwurms über die Haut und das Blutsystem ins Herz und in die großen Blutgefäße der Lunge. Dort entwickeln sie sich zu erwachsenen Herzwürmern. Bis aus den Mikrofilarien Makrofilarien werden, vergehen rund sechs Monate. Adulte Würmer können dann mehrere Jahre überleben und neue Mikrofilarien ins Blut abgeben, die beim nächsten Stich einer Mücke auf andere Tiere übergehen.
Bei starkem Befall kann die Infektion zu Lungenhochdruck, allergischen Reaktionen, Blutgerinnseln und – in seltenen Fällen – zum gefürchteten Cava-Syndrom mit plötzlichem Tod führen. Auch eine Herzinsuffizienz beim Hund zählt zu den möglichen Spätfolgen einer unbehandelten Herzwurmerkrankung.
Verbreitung der Herzwürmer: In welchen Ländern liegen die Risikogebiete?
Die Verbreitung der Herzwürmer umfasst weltweit fast alle feucht-warmen Regionen. In Europa gelten als endemische Länder vor allem der Mittelmeerraum (Italien, Spanien, Südfrankreich, Portugal, Griechenland) sowie Teile von Ungarn und Kroatien. Saisonale Spitzen werden zwischen März und Oktober beobachtet.
In Deutschland ist der Parasit bisher nicht heimisch. Das Risiko betrifft vor allem Hunde, die mit ihren Halterinnen und Haltern in den Süden reisen oder aus dem Ausland adoptiert wurden. Mit wärmeren Sommern und der zunehmenden Ausbreitung der Tigermücke ist allerdings auch in Mitteleuropa schrittweise mit einem Anstieg der Infektionen zu rechnen.

Wie merkt man, dass ein Hund Herzwürmer hat?
Die Tücke der Erkrankung: Symptome zeigen sich erst Monate nach dem Stich, manchmal sogar Jahre später. Viele Hunde mit Herzwürmern wirken anfangs unauffällig. Wer früh hinschaut, gibt seinem Tier die besten Chancen auf eine gute Prognose. Die Symptome entwickeln sich in zwei Phasen.
Frühe Symptome bei Hunden mit Herzwürmern
In der Anfangsphase fallen betroffene Hunde häufig durch unspezifische Beschwerden auf:
- ausgeprägte Müdigkeit und reduzierte Belastbarkeit
- chronischer, trockener Husten
- spürbarer Gewichtsverlust
- stumpfes Fell und Hautprobleme
- Schwäche der Muskulatur
- Flüssigkeitsansammlung in der Lunge (Lungenerguss)
- kurze Ohnmachtsanfälle (Synkopen)
- erhöhte Nierenwerte (Harnstoff, Kreatinin)

Fortgeschrittene Symptome
Schreitet die Infektion fort, verschärft sich das Bild deutlich. Bei einem Hund mit Herzwürmern im fortgeschrittenen Stadium sind diese Anzeichen typisch:
- starke allgemeine Schwäche und Apathie
- Appetitlosigkeit bis hin zur Anorexie
- Lethargie
- dunkel verfärbter Urin
- neurologische Auffälligkeiten
- beschleunigter Herzschlag mit erhöhtem Risiko für Herzversagen
Wie schwer die Symptome ausfallen, hängt maßgeblich von der Wurmlast ab: Je mehr erwachsene Herzwürmer im Körper sitzen, desto höher das Risiko, dass sich ein Blutgerinnsel bildet und eine Arterie oder Vene verschließt. Auch Lungenwürmer beim Hund können übrigens ähnliche Atemwegsbeschwerden auslösen – Ihr Tierarzt grenzt die beiden Erkrankungen über gezielte Tests voneinander ab.
Beim geringsten Verdacht gilt: zügig in die Praxis. Eine frühe Diagnose verbessert die Prognose deutlich.

Wie werden Herzwürmer beim Hund diagnostiziert und behandelt?
Diagnose: Test und bildgebende Verfahren
Der Tierarzt stützt die Diagnose auf mehrere Untersuchungen:
- Bluttest: Ein Herzwurm-Antigen-Test weist erwachsene Herzwürmer nach, ein Mikrofilarien-Test sucht im Blut gezielt nach Larven des Herzwurms (70 bis 160 €).
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs (80 bis 180 €) und Echokardiographie (150 bis 300 €, Ultraschall des Herzens), um Herz und Lunge zu beurteilen.
- Bei aus dem Ausland importierten Hunden oder nach Reisen in Risikogebiete wird ein Test ausdrücklich empfohlen – auch wenn das Tier noch keine Symptome zeigt.
Behandlung der Mikrofilarien und Makrofilarien
Wird die Infektion bestätigt, ist die Behandlung zeitintensiv. Hunde mit Herzwürmern müssen 30 bis 40 Tage strikt ruhig gehalten und engmaschig vom Tierarzt überwacht werden.
Die Therapie verfolgt zwei Ziele:
- Mikrofilarien werden mit makrozyklischen Laktonen (oral oder als Injektion) abgetötet.
- Erwachsene Herzwürmer (Makrofilarien) werden mit dem Wirkstoff Melarsomin (Immiticide®) per intramuskulärer Injektion behandelt – meist begleitet vom Antibiotikum Doxycyclin. Die sogenannte „Slow-Kill“-Methode mit ausschließlich makrozyklischen Laktonen ist umstritten und wird heute von vielen Fachkliniken nicht mehr empfohlen.
Diese Medikamente sind sehr wirksam, aber auch belastend. Nach jeder Injektion muss das Tier mindestens 12 Stunden lang überwacht werden, da das Absterben der Würmer ein Herz-Kreislauf-Versagen auslösen kann. Ein stationärer Aufenthalt in der Tierklinik ist daher in der Regel sinnvoll – die Santévet Versicherung erstattet bis zu 90 % der entstandenen Tierarztkosten bei Krankheit und Unfall.
Bei massivem Befall des Herzens kann zusätzlich eine chirurgische Entfernung der Würmer nötig werden. Dieser Eingriff ist riskant, langwierig und kostenintensiv und kann nur in spezialisierten Tierkliniken durchgeführt werden. Eine Hundekrankenversicherung hilft dabei, die hohen Behandlungskosten finanziell aufzufangen.
Sind Herzwürmer beim Hund heilbar?
Ja, bei früher Diagnose sind Herzwürmer beim Hund grundsätzlich heilbar. Die Prognose hängt jedoch stark vom Stadium ab: Eine späte Behandlung kann bleibende Schäden an Herz und Lunge hinterlassen. Auch nach erfolgreicher Therapie sind Kontrolluntersuchungen über mehrere Monate notwendig, um den Therapieerfolg zu bestätigen.
Bei Katzen ist die Lage komplizierter. Da Mikrofilarien hier meist nicht heranreifen und die üblichen Wirkstoffe schlecht vertragen werden, gibt es keine Standardtherapie. Im Vordergrund steht die Symptombehandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten und engmaschiger Überwachung durch den Tierarzt.
Wie schütze ich meinen Hund vor Herzwürmern?
Vorbeugen bleibt beim Herzwurm beim Hund die zuverlässigste Maßnahme. Halterinnen und Halter, die mit ihrem Tier in Risikogebiete reisen, sollten frühzeitig handeln:
- Mückenschutz: Halsbänder oder Spot-on-Präparate mit insektenabwehrender Wirkung reduzieren das Risiko eines Stichs durch Stechmücken erheblich.
- Medikamentöse Prophylaxe: Tabletten oder Spot-on-Präparate auf Basis makrozyklischer Laktone, die rund einen Monat vor Reisebeginn und während des Aufenthalts verabreicht werden. Eine reguläre Entwurmung beim Hund ersetzt diese Prophylaxe nicht – sie wirkt gegen Darmwürmer, nicht gegen den Parasiten im Herz.
- Bluttest nach der Reise: Bei Hunden, die in Risikogebieten unterwegs waren oder aus dem Ausland kommen, empfiehlt sich ein Test etwa sechs Monate nach möglicher Exposition (40 bis 80 €).
- Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt: Vor jeder Reise oder Adoption hilft ein Gespräch mit dem Tierarzt, das passende Schutzkonzept festzulegen.
Der Herzwurm ist eine ernste, aber vermeidbare Erkrankung. Mit konsequenter Vorbeugung, einem wachen Blick für Symptome und schnellem Handeln im Verdachtsfall stehen die Chancen gut, dass Ihr Hund oder Ihre Katze ein langes, gesundes Leben führt.
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