Das Wichtigste in Kürze (TL;DR)
- Der Französische Vorstehhund (Braque français) ist eine FCI-anerkannte französische Hunderasse in zwei Typen: Gascogne (groß) und Pyrenäen (kleiner), beide aus Südwestfrankreich.
- Er zählt zu den vielseitigsten Jagdhunden Frankreichs – mit ausgezeichneter Nase, hervorragendem Vorstehen und Freude an allen Wildarten.
- Sein sanftmütiges, ausgeglichenes Wesen macht ihn auch zum idealen Familienhund für aktive Menschen.
Herkunft: Einer der ältesten Vorstehhunde Frankreichs
Der Braque français zählt zu den ältesten kurzhaarigen Vorstehhunderassen Frankreichs – seine Herkunft reicht bis ins Mittelalter zurück. Traditionell ist er vor allem im Südwesten Frankreichs und in den Zentralpyrenäen beheimatet, wo die Reinzucht bis heute gepflegt wird.
Aus den schweren, langsamen Vorstehhunden der Gascogne und des Oysel-Lands entwickelten Züchter ab etwa 1830 zwei unterschiedliche Schläge. 1883 beschrieb der Autor Espée de Sélincourt erstmals präzise den Braque français. Um 1880 übernahm Bernard Sénac-Lagrange den Zuchtaufbau – sein Standard prägt die Rasse bis heute. Die FCI erkannte 1955 beide Typen als eigenständige Rassen an (Standard Nr. 133 und Nr. 134).
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bekam der sehr gefragte Hund seinen heutigen Namen: Braque français. In Deutschland wird die Rasse durch den Verein für Französische Vorstehhunde (VBBFL) gefördert.
Der kleinere Pyrenäen-Typ entstand wohl durch Einkreuzung leichterer europäischer Jagdhunde. Zu seinen nächsten Verwandten zählen der Épagneul Breton als verwandter Hund, der Gordon Setter und der Weimaraner. In Frankreich belegt der Braque français heute Platz drei in der Beliebtheitsskala der kurzhaarigen Vorstehhunde – nach dem Deutschen Kurzhaar und dem Weimaraner.
Rassegruppen: Typ Pyrenäen und Gascogne
Der Französische Vorstehhund gehört zur FCI-Gruppe 7 (Vorstehhunde), Sektion 1.1 – Kontinentale Vorstehhunde, Typus »Braque«, mit Arbeitsprüfung. Er wird in zwei eigenständigen Rassen geführt: FCI-Standard Nr. 133 (Typ Gascogne) und Nr. 134 (Typ Pyrenäen).
Charakter und Wesen: sanftmütig und intelligent
Ist der Französische Vorstehhund ein Jagdhund? Ja – aus Überzeugung. Aber er ist weit mehr als das. Sein ausgeglichener, sanftmütiger Charakter macht ihn zu einem idealen Familienhund. Er ist von Natur aus gehorsam, voller Zuneigung zu Kindern und verträgt sich gut mit anderen Tieren im Haushalt.
Die enorme Jagdpassion ist tief in ihm verwurzelt: Mit ausgezeichneter Nase, hervorragendem Vorstehen und großer Freude am Buschieren im Wald ist er ein idealer Jagdbegleiter für alle Wildarten. Der Gascogne-Typ arbeitet ausdauernd und ruhig mit weiträumiger Suche; der Pyrenäen-Typ ist leichter, schneller und agiler. Beide Varianten produzieren Hunde, die für die Jagd kaum einer besonderen Härte oder zusätzlicher Ausbildung bedürfen – die jagdlichen Instinkte sind von Natur aus vorhanden.
Seinen Menschen gegenüber ist er äußerst anhänglich und liebevoll. Er verträgt weder Ungerechtigkeiten noch harsche Zurechtweisungen. Wer seinen Charakter respektiert, gewinnt einen außergewöhnlichen Begleiter.
Das Wesen des Französischen Vorstehhundes ist ein wichtiges Kriterium bei der Rassewahl: Er ist weder aggressiv noch übermäßig nervös, sondern ruhig und ausgeglichen – selbst in neuen Situationen. Diese Ausgeglichenheit macht ihn zum idealen Jagdbegleiter sowohl für Einsteiger wie für erfahrene Jäger. Außerhalb der Jagdsaison genießt er entspannte Familienabende ebenso wie ausgedehnte Wanderungen in der Natur. Seine sanftmütige Art und seine Zuneigung zum Menschen machen ihn auch zum „sanftmütigen Franzosen“, wie liebevolle Besitzer ihn nennen.
Expertenzitat: „Dank seiner Führerbindung verliert sich auch bei einer weiträumigen Suche über unwegsames Gelände nicht der Kontakt. Eine seiner besten Eigenschaften bei der Jagd ist seine Ausdauer – er teilt sich seine Kräfte auf der Jagd gut ein, so dass er bei der Arbeit sehr effizient ist. -“Verein für Französische Vorstehhunde Deutschland (VBBFL)
Ist der Braque français ein Jagdhund?
Ja, absolut. Der Braque français zählt zu den vielseitigsten Jagdhunderassen: Er steht vor, apportiert und spürt Wild auf nahezu jedem Gelände auf. Dank seiner ausgezeichneten Nase und enormen Jagdpassion benötigt er kaum Dressurvorbereitung. Dennoch ist er genauso gut als Familienhund geeignet, wenn er ausreichend Auslauf und Beschäftigung bekommt.
Körperliche Merkmale
Fell und Farbe
Das Fell des Braque français ist von Natur aus recht reichlich, grob in der Textur, an Kopf und Ohren feiner. Die typische Farbe des Braque ist Kastanienbraun – entweder uni oder gemischt mit Weiß, mit oder ohne Tigerung sowie mit lohfarbenen Abzeichen. Beim Pyrenäen-Typ ist das Haar feiner und kürzer als beim Gascogne-Typ. Die Haare aus dem Fell fallen in der normalen Schur kaum ins Gewicht, trotzdem sollte man regelmäßig bürsten.
Größe und Gewicht
Der Gascogne-Typ ist mit bis zu 69 cm (Rüden) deutlich größer als der Pyrenäen-Typ (bis zu 58 cm). Das Gewicht liegt je nach Typ und Geschlecht zwischen 17 und 32 kg. Der große Gascogne wirkt massiver und knochiger, während der Pyrenäen-Typ als schlankere, wendige Variante gilt.
Kopf und Ohren
Der Kopf ist kräftig, aber nicht überschwer, mit einem mäßig ausgeprägten Stirnabsatz. Die Ohren sind in Höhe der Augenlinie angesetzt, von mittlerer Länge, leicht gefaltet und rahmen den Kopf gut ein. Beim Pyrenäen-Typ sind die Ohren feiner und reichen nicht ganz bis zur Nasenspitze. Der Nasenschwamm ist kastanienbraun mit gut geöffneten Nasenlöchern – ein deutliches Zeichen für die ausgezeichnete Nase dieser Rasse.
Sind Französische Vorstehhunde leicht zu trainieren?
Ja – dank seiner großen Intelligenz und natürlichen Gehorsamkeit ist der Braque français vergleichsweise einfach in der Hundeerziehung zu führen. Er reagiert sehr gut auf positive Methoden und Motivation. Strenge oder harte Korrekturen vertragen sich nicht mit seinem sensiblen Wesen – er benötigt einen ruhigen, konsequenten Führer.
Die Ausbildung von Führer und Hund sollte früh beginnen. Da dieser Hund keine besondere Härte nötig hat und seine jagdlichen Eigenschaften angeboren sind, kann man sich bei der Erziehung auf Sozialisierung, Gehorsamkeit und Selbstbeherrschung konzentrieren. Field-Trials und Prüfungen des JGHV eignen sich hervorragend, um die Leistung des Hundes zu zeigen und weiterzuentwickeln.
Wen der Besitzer kein Jäger ist, was der Idealfall wäre, müssen dem Braque français regelmäßige, intensive Bewegungseinheiten geboten werden. Er passt sich dem Stadtleben an, solange er genügend Auslauf bekommt und nicht den ganzen Tag allein bleibt.
Als Welpe benötigt der Braque français eine frühzeitige Sozialisation mit anderen Hunden, Menschen und verschiedenen Umgebungen. Agility und Nasenarbeit sind hervorragende Beschäftigungen, die seine natürlichen Fähigkeiten fördern.
Gesundheit: Was sind die typischen Krankheiten der französischen Rasse?
Der Braque français gilt als robuste, gesunde Rasse mit einer Lebenserwartung von 12 bis 14 Jahren. Trotzdem sollte man einige rassespezifische Gesundheitsrisiken kennen.
Hüft- und Ellbogendysplasie
Wie bei vielen großen Hunden kann auch beim Braque français Gelenkdysplasie beim Hund auftreten. Beim Kauf eines Welpen sollten Gesundheitszertifikate der Elterntiere verlangt werden. Intensive körperliche Belastung während der Wachstumsphase ist zu vermeiden.
Ohrenentzündungen
Durch die hängenden Ohren neigt der Braque français zu Ohrenentzündungen, besonders nach dem Jagen in feuchtem Gelände. Regelmäßige Reinigung und Kontrolle der Ohren ist wichtig.
Magendrehung
Als Hund mit tiefer Brust gehört der Französische Vorstehhund zu den Rassen, die anfällig für Magendrehung beim Hund sind. Zwei Mahlzeiten pro Tag und kein Sport direkt nach dem Fressen mindern das Risiko.
Augenerkrankungen
Gelegentlich können erbliche Augenerkrankungen auftreten. Ein jährlicher augenärztlicher Check empfiehlt sich, insbesondere bei der Zucht.
Atemwegserkrankungen
Als Jagdhund mit enger Witterungsführung ist der Braque français auch anfällig für Reizungen der Nasenschleimhaut. Bei anhaltend verändertem Geruchssinn oder Nasenausfluss lohnt es sich, Rhinitis beim Hund in Betracht zu ziehen – eine häufig unterschätzte, aber gut behandelbare Erkrankung.
Präventivmedizin
Eine jährliche Grundimpfung gegen Staupe, Parvovirose, Leptospirose und Hepatitis ist Pflicht. Als Jagdhund empfiehlt sich zusätzlich die Tollwutimpfung sowie regelmäßiger Schutz vor Zecken, Flöhen und Herzwürmern. Bei saisonalen Allergien oder Juckreiz können Antihistaminika für Hunde eine wirkungsvolle Unterstützung sein – immer in Absprache mit dem Tierarzt. Tierärztliche Vorsorgeuntersuchungen ein- bis zweimal jährlich helfen, Erkrankungen früh zu erkennen.
Budget: Was kostet ein Französischer Vorstehhund?
Anschaffungskosten für einen Welpen
Ein Welpe des Braque français aus seriöser Zucht kostet in Deutschland in der Regel zwischen 800 und 1.500 €. Der Preis hängt vom Typ des Welpen (Gascogne oder Pyrenäen), der Linie und dem Ruf des Züchters ab. Eine Übersicht der VDH-anerkannten Vereine für Französische Vorstehhunde Deutschland (VBBFL) hilft bei der Suche nach seriösen Züchtern.
| Ausgabe | Kosten (ca.) |
| Kaufpreis Welpe (Gascogne oder Pyrenäen) | 800 – 1.500 € |
| Erstausstattung (Zubehör, Impfungen) | 300 – 500 € |
| Laufende jährliche Kosten (Futter, Zubehör) | 1.200 – 2.000 €/Jahr |
| Tierkrankenversicherung | ab ca. 30 €/Monat |
Tierarztkosten ohne Versicherung
Hier sind die wichtigsten tierärztlichen Leistungen für einen Französischen Vorstehhund und die zu erwartenden Kosten:
| Tierärztliche Leistung | Kosten ohne Versicherung |
| Hüftröntgen (HD-Screening) | 150 – 300 € |
| Behandlung Ohrenentzündung | 80 – 200 € |
| Operation Magendrehung | 1.500 – 3.000 € |
| Jahrliche Schutzimpfungen | 60 – 120 €/Jahr |
| Zahnsteinentfernung | 120 – 400 € |
| Blutuntersuchung/Checkup | 80 – 150 € |
Laufende Unterhaltskosten
Neben den Tierarztkosten fallen für einen aktiven Jagd- und Familienhund wie den Braque français weitere regelmäßige Ausgaben an:
| Ausgabe | Kosten pro Monat |
| Floh- und Zeckenprävention | 15 – 30 € |
| Wurmkuren (alle 3–6 Monate) | 10 – 25 € |
| Pflege und Grooming | 20 – 50 € |
| Spielzeug, Zubehör | 10 – 20 € |
Futterkosten
Der Braque français ist ein aktiver Hund mit einem entsprechend guten Appetit. Hochwertiges Trockenfutter für mittelgroße bis große Hunde mit hohem Proteinanteil ist zu empfehlen. Das Budget für Futterkosten:
| Futterart | Kosten pro Monat |
| Premiumtrockenfutter | 40 – 70 € |
| Nass- und Mischfütterung | 50 – 90 € |
| BARF (rohes Fleisch) | 60 – 100 € |
| Snacks und Leckerlis | 5 – 15 € |
Haltung und Pflege
Der ideale Besitzer
Idealer Besitzer ist ein Jäger oder zumindest ein sehr aktiver Mensch, der täglich lange Spaziergänge und Bewegung ermöglichen kann. Ein Haus mit Garten ist ideal, aber kein Muss – solange der Hund nicht den ganzen Tag alleine bleibt und seine soziale Gruppe um ihn ist.
Der Braque français benötigt täglich ausreichend Bewegung und geistige Beschäftigung. Wer ihm das bieten kann, erhält auf Dauer einen ausgeglichenen, gutmütigen Hund.
Fellpflege
Die Fellpflege ist unkompliziert: Wöchentliches Bürsten genügt, um Haare aus dem Fell zu entfernen und dieses glänzend zu halten. Regelmäßiges Reinigen der Ohren und Kontrollieren der Pfoten nach dem Ausflug in Wald und Feld sind wichtig. Weitere Tipps gibt es in unserem Leitfaden zur Fellpflege beim Hund.
Ernährung
Die Ernährung des Braque français sollte an sein Alter, seinen Gesundheitszustand und sein Aktivitätsniveau angepasst sein. Zwei Mahlzeiten pro Tag sind ideal und grundsätzlich besser als eine einzige – besonders für mittlere bis große Hunde, da so das Risiko einer Magendrehung reduziert wird.
Während der Wachstumsphase benötigt der Welpe ein speziell auf große Rassen abgestimmtes Junghundefutter, das eine kontrollierte Entwicklung der Knochen und Gelenke unterstützt. Ab dem Erwachsenenalter empfiehlt sich ein proteinreiches Futter. Ihr Tierarzt kann die passende Tagesration berechnen und bei der Futterauswahl beraten. Bei Verdauungsproblemen lesen Sie unseren Artikel „Wann mit dem Hund zum Tierarzt bei Verstopfung“.
Tipp von Santévet: Der Braque français als Jagdhund verbringt viel Zeit im Gebüsch und in feuchtem Gelände. Kontrollieren Sie nach jedem Jagdeinsatz Ohren, Pfoten und das Fell auf Zecken, Verletzungen oder Fremdkörper – so beugen Sie Infektionen und teuren Folgebehandlungen vor.
Häufige Fragen zum Französischen Vorstehhund
Ist der Französische Vorstehhund ein Jagdhund?
Ja, der Braque français ist ein vielseitiger Jagdhund, der für nahezu alle Wildarten und alle Geländearten geeignet ist. Er vorsteht, apportiert und spürt auch Wasserwild zuverlässig auf. Gleichzeitig passt er sich gut dem Familienleben an, solange er genügend Bewegung bekommt.
Sind Französische Vorstehhunde leicht zu trainieren?
Ja. Dank seiner großen Intelligenz und seiner natürlichen Gehorsamkeit gehört der Braque français zu den gelehrigen Hunderassen. Er spricht sehr gut auf positive, faire Führung an. Strenge oder harte Methoden sind kontraproduktiv. Wer ruhig und konsequent erzieht, hat sehr schnell einen zuverlässigen, gehorsamen Begleiter. Für Jagdaufgaben ist kaum eine spezielle Ausbildung notwendig – seine Eigenschaften bei der Jagd sind von Natur aus vorhanden. In der Welpenphase profitiert er von einer Hundeschule und regelmäßigen Sozialisierungseinheiten, um später in jedem Umfeld sicher und gelassen zu agieren.
Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen nur der allgemeinen Information und ersetzen keine Untersuchung oder Beratung durch einen Tierarzt.
Quellen:
Mastrangelo S et al. (2018): Genomic characterization of the Braque Français type Pyrénées dog and relationship with other breeds. PLOS ONE. DOI: 10.1371/journal.pone.0208548
Santévet
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