Wenn eine Katze schnurrt, beruhigt das nicht nur sie selbst, sondern auch uns Menschen. Die tieffrequenten Vibrationen wirken entspannend, senken den Blutdruck und können das Wohlbefinden steigern. Doch das Schnurren der Katze hat viele Gesichter: Es drückt Zufriedenheit aus, dient als Kommunikationsmittel zwischen Mutter und Kätzchen – und kann auch ein Hinweis auf Stress oder Schmerzen sein. In diesem Ratgeber erfahren Sie, warum Katzen schnurren, wie sie das tun und welche Wirkung das Katzenschnurren auf den Menschen hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Katzen schnurren nicht nur aus Zufriedenheit, sondern auch unter Stress oder bei Schmerzen.
- Die Frequenzen des Schnurrens liegen zwischen 25 und 50 Hertz und regen die Ausschüttung von Serotonin im Gehirn der Katze und beim Menschen an.
- Der Kontakt mit einer schnurrenden Katze kann den Blutdruck senken und den Herzschlag innerhalb weniger Minuten verlangsamen.
Warum schnurren Katzen?
Das Schnurren ist typisch für viele Katzen – und nicht nur für Hauskatzen. Auch Luchs, Puma und Gepard können schnurren. Bereits zwei Tage nach der Geburt beginnen junge Katzen damit, beim Säugen instinktiv zu schnurren. Die Mutterkatze antwortet ihnen auf dieselbe Weise und signalisiert so Sicherheit. Das Schnurren der Katze ist damit von Anfang an ein Mittel der Kommunikation zwischen Mutter und Kitten sowie zwischen Wurfgeschwistern.
Im Erwachsenenalter erfüllt das Schnurren der Katze gegenüber Menschen und Artgenossen verschiedene Funktionen. Je nach Situation ist es ein Zeichen von Zufriedenheit, eine Aufforderung oder ein Versuch der Selbstberuhigung.
Ist Schnurren bei Katzen ein gutes Zeichen?
Am häufigsten drückt das Katzenschnurren Zufriedenheit aus. Wenn Ihre Katze auf Ihrem Schoß liegt, sich gestreichelt fühlt und entspannt mit dem Bauch nach oben ruht, ist das Schnurren ein klares Zeichen von Wohlbefinden. Oft knetet sie dabei mit den Pfoten Ihre Decke oder Ihre Beine – eine Geste aus der Kittenzeit, die ans Säugen erinnert.
Wenn die Katze auf dem Rücken liegt, sich genüsslich rollt und Sie aus halb geschlossenen Augen anschaut, gehört das Schnurren meist zum entspannten Repertoire. Lesen Sie mehr über die Signale Ihrer Katze in unserem Ratgeber zur Körpersprache der Katze.

Warum schnurrt die Katze beim Streicheln, Spielen oder Fressen?
Beim Streicheln antwortet Ihre Katze mit einem Zeichen von Zufriedenheit: Sie genießt die Berührung, und ihr Körper schüttet Endorphine aus. Auch beim Spielen oder Kuscheln schnurren viele Hauskatzen, weil sie Nähe und Aufmerksamkeit positiv erleben.
Schnurrt die Katze beim Fressen, ist das oft eine Erinnerung an die Säugezeit. Hungrige Katzen setzen aber auch ein gezieltes Aufforderungsschnurren ein: ein lauteres, eindringlicheres Geräusch, das die Aufmerksamkeit ihres Menschen sicher auf sich zieht. Forscher haben gezeigt, dass dieses Schnurren in seiner Frequenz dem Schrei eines Säuglings ähnelt – ein wirksamer kleiner Trick, um die Futtergabe zu beschleunigen.
Ist Schnurren ein Zeichen von Stress bei Katzen?
Nicht jedes Schnurren bedeutet, dass es Ihrer Katze gut geht. Eine Katze unter Stress schnurrt manchmal genauso – etwa in der Transportbox, beim Tierarzt oder in einer neuen Umgebung. In diesen Situationen ist das Schnurren ein Selbstberuhigungsmechanismus: Die Schwingungen helfen der Katze, ihre Anspannung zu regulieren. Ein möglicher Grund ist die Ausschüttung von Endorphinen, die durch das Schnurren angeregt wird.
Achten Sie immer auf das Gesamtbild. Sind die Ohren angelegt, die Pupillen geweitet, der Schwanz an den Körper gelegt oder die Schwanzspitze zuckend? Dann handelt es sich vermutlich um ein Stressschnurren, nicht um ein Wohlfühlschnurren. Auch wenn Ihre Katze zittert und gleichzeitig schnurrt, kann Sorge, Stress oder Schmerz dahinterstecken.
Wie schnurren Katzen?
Wie genau das Schnurren der Katze entsteht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler vertreten mehrere Theorien:
- Stimmbänder und Zungenbein: Die führende Theorie unter Wissenschaftlern besagt, dass Muskeln im Kehlkopf die Stimmbänder rhythmisch zusammenziehen, während Luft beim Ein- und Ausatmen durch den Kehlkopf strömt. Das knöchern verbundene Zungenbein der Hauskatze verstärkt diese Vibrationen pro Sekunde und ermöglicht das gleichmäßige, leise Schnurren.
- Vibrationen des Stimmapparats: Eine zweite Theorie sieht den Ursprung in Schwingungen des gesamten Stimmapparats, also Kehlkopf, Luftröhre und Rachen.
- Blutgefäße: Eine ältere Theorie führt das Katzenschnurren auf Schwingungen großer Blutgefäße zurück. Sie gilt heute unter Forschenden als überholt.
Interessanterweise können nur Katzen, die schnurren, nicht brüllen – und umgekehrt. Genau das verhärtete Zungenbein der Hauskatze fehlt Löwen und Tigern, um leise und ausdauernd zu schnurren.

Warum schnurrt die Katze immer oder so laut? Schnurren bei Schmerzen
Schnurrt Ihre Katze plötzlich den ganzen Tag oder deutlich lauter als sonst, sollten Sie aufmerksam werden. Schnurren kann auch ein Zeichen von Schmerzen sein. Mutterkatzen schnurren während der Geburt, verletzte Tiere schnurren in der Tierarztpraxis, und chronisch kranke Katzen schnurren manchmal nahezu ununterbrochen. Auf diese Weise versuchen sie, sich selbst zu beruhigen und ihre Beschwerden zu lindern.
Beobachten Sie Veränderungen im Verhalten: Frisst die Katze schlechter, zieht sie sich zurück, schläft sie mehr als sonst oder schnurrt sie nach einer Operation wie einer Sterilisation auffällig viel? Dann ist ein Tierarztbesuch sinnvoll – ein abruptes Ende des Schnurrens kann ebenso auf ein gesundheitliches Problem hinweisen.
Schon gewusst?
Mit der Katzenkrankenversicherung von SantéVet lassen sich Ihre Tierarztkosten bei Unfall und Krankheit bis zu 90 % erstatten – so können Sie sich entspannt um die Gesundheit Ihrer Samtpfote kümmern.
Wirkung des Schnurrens auf den Menschen: die Schnurrtherapie
Dass Katzen uns guttun, ist längst kein Bauchgefühl mehr. Mehrere Studien zeigen, dass das Katzenschnurren beim Menschen Stress reduziert, den Blutdruck senken und die Stimmung heben kann. Für diese Wirkung hat sich der Begriff Schnurrtherapie (im Französischen ronronthérapie) etabliert.
Frequenzen des Schnurrens: 25 bis 50 Hertz
Die tieffrequenten Schwingungen des Schnurrens liegen zwischen 25 und 50 Hertz. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass diese Vibrationen pro Sekunde den Heilungsprozess unterstützen können – sowohl bei der Katze selbst (Stichwort Gesunderhaltung von Organen, Knochen- und Gewebeheilung) als auch beim Menschen. Wichtig: Das Schnurren ersetzt keine medizinische Behandlung. Es ist ein angenehmer Begleiter, kein Heilmittel.
Serotonin und tiergestützte Therapie
Wer eine schnurrende Katze streichelt, regt im Gehirn der Katze – und beim Menschen – die Ausschüttung von Serotonin an, dem Botenstoff, der gemeinhin als „Glückshormon“ bezeichnet wird. Genau deshalb wird die tiergestützte Therapie heute auch in Seniorenheimen, in der Begleitung von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung und in psychiatrischen Einrichtungen eingesetzt.
Seit Ende der 1990er Jahre verbreiten sich außerdem Katzencafés: Gäste essen und trinken in entspannter Atmosphäre und verbringen gleichzeitig Zeit mit Katzen, ohne sie zu bedrängen. Das erste Katzencafé eröffnete 1998 in Taipeh, in Europa hat sich das Konzept ab Mitte der 2010er Jahre etabliert. Einige Cafés arbeiten mit Tierschutzvereinen zusammen und vermitteln die anwesenden Katzen in liebevolle Hände.
Wie bringe ich meine Katze zum Schnurren? Tipps für mehr Berührung und Kuscheln
Jede Katze ist anders – manche schnurren ständig, andere nur selten. Diese Tipps erhöhen die Chance, das beruhigende Vibrieren zu hören:
- Sanftes Streicheln: Gleichmäßige Berührungen am Kinn, hinter den Ohren oder am Rücken lösen bei vielen Katzen Schnurren aus. Beobachten Sie, welche Stellen Ihre Katze besonders mag.
- Spielen: Tägliche Spielsessions stärken die Bindung und fördern das Wohlbefinden – beides ideale Voraussetzungen für ein zufriedenes Schnurren.
- Komfortable Räume schaffen: Ein weicher Schlafplatz an einem ruhigen, idealerweise erhöhten Ort lädt zum Entspannen und Schnurren ein. Viele Katzen schnurren beim Schlafen auf ihrer Lieblingsdecke, die sie zuvor genüsslich kneten.
- Hochwertige Ernährung: Eine ausgewogene Fütterung mit qualitativ hochwertigem Trocken- oder Nassfutter und festen Mahlzeiten unterstützt das Wohlbefinden – viele Katzen schnurren bereits in Erwartung des Napfes.
- Sanfte Stimme: Sprechen Sie ruhig und freundlich mit Ihrer Katze. Sie reagiert sensibel auf Tonfall und Lautstärke.
- Einer Routine folgen: Feste Zeiten für Mahlzeiten, Spiel und Kuschelrunden geben Sicherheit – und Sicherheit ist die beste Voraussetzung für ausgiebiges Schnurren.
Respektieren Sie immer die Grenzen Ihrer Katze. Wer ihre Signale liest und ihr Tempo akzeptiert, wird mit umso mehr Vertrauen – und Schnurren – belohnt. Bedenken Sie auch: Manche Katzen schnurren von Natur aus weniger laut als andere. Solange Ihre Samtpfote frisst, spielt und entspannt ist, gibt es keinen Grund zur Sorge, wenn sie eher zu den leisen Vertreterinnen ihrer Art gehört.


Zum gleichen Thema
Unsere neuesten Artikel