Das Wichtigste in Kürze (TL;DR):
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Ein Glaukom ist ein schmerzhafter Notfall mit erhöhtem Augeninnendruck, der Sehnerv und Netzhaut oft innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen irreversibel schädigen und zur Erblindung führen kann, wenn nicht sofort ein Tierarzt aufgesucht wird.
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Frühe Warnzeichen sind gerötetes, tränendes oder trübes Auge, erweiterte und lichtstarre Pupille, Lichtempfindlichkeit, Blinzeln oder Zukneifen, Reiben am Auge, unsicheres Laufen, Rückzug und Fressunlust, insbesondere bei prädisponierten Rassen.
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Die Behandlung zielt auf eine rasche Senkung des Augeninnendrucks mit Augentropfen und Medikamenten, ggf. OP (Laser, Drainage oder Entfernung eines blinden, schmerzhaften Auges); viele Hunde können auch mit eingeschränktem Sehvermögen oder Blindheit noch ein gutes Leben führen, wenn Schmerzen konsequent behandelt und Umfeld sowie Routinen angepasst werden.
Was ist ein Glaukom beim Hund?
Bei einem gesunden Auge wird ständig Kammerwasser gebildet und wieder abgeleitet. Diese Flüssigkeit entsteht im Ziliarkörper im Auge und versorgt wichtige Strukturen. Kommt es zu Störungen beim Abfluss des Kammerwassers, steigt der intraokuläre Druck, also der Augeninnendruck an.
Ein Glaukom einen erhöhten Augeninnendruck zu nennen, beschreibt also den eigentlichen Krankheitsmechanismus sehr gut. Bleibt dieser Zustand bestehen, kommt es zu einer Schädigung des Sehnervs und später häufig zum Verlust des Sehvermögens. Ein starker Anstieg des Augeninnendrucks ist immer ein Warnsignal. Deshalb zählt das Glaukom zu den wichtigsten augenmedizinischen Notfällen beim Hund.
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Welche Arten des Glaukoms gibt es?
Tierärzte unterscheiden verschiedene Formen je nach Ursache.
Primärglaukom
Das Primärglaukom bei Hunden entsteht meist durch eine genetische Veranlagung. Veränderungen im Bereich des Kammerwinkels behindern den Abfluss. Ein Primärglaukom durch Abflussstörungen betrifft häufig bestimmte Rassen.
Sekundärglaukom
Ein Sekundärglaukom beim Hund entsteht infolge anderer Erkrankungen. Dazu gehören:
- Entzündung im Auge
- Blutungen
- Tumoren
- Linsenluxation
- Verlagerung der Linse
Das Zustandekommen eines Sekundärglaukoms ist also meist Folge einer anderen Augenerkrankung.
Akutes Glaukom
Ein akutes Glaukom tritt plötzlich auf und ist ein echter Notfall. Ohne Behandlung droht in kurzer Zeit Erblindung.
Chronische Formen
Ein einfaches chronisches Offenwinkelglaukom entwickelt sich langsamer, bleibt dafür aber oft länger unentdeckt.
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Welche Hunde haben Probleme mit dem Augeninnendruck?
Einige Hunde in einem Alter zwischen drei und sieben Jahren zeigen häufiger erste Anzeichen erblich bedingter Formen. Besonders bekannte betroffene Rassen sind:
- Cocker Spaniel
- Chow-Chow
- Siberian Husky
- Beagle
- Basset Hound
- Pudel
- Terrier-Rassen
- Entlebucher Sennenhund
Nicht jeder Hund dieser Rassen erkrankt automatisch. Dennoch ist bei betroffenen Rassen besondere Aufmerksamkeit sinnvoll. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können helfen, Veränderungen früh zu erkennen.
Symptome: So sieht das Anfangsstadium beim grünen Star aus
Die Symptome eines grünen Stars können plötzlich oder schleichend auftreten. Viele Hunde leiden unter starken Schmerzen, zeigen diese aber nur indirekt.
Typische Symptome sind:
- gerötetes oder tränendes Auge
- Lichtempfindlichkeit, gestörter Pupillen-Lichtreflex
- vergrößerte Pupille
- Reiben am Auge
- Unsicherheit beim Laufen
- Rückzug und sichtbare Schmerzen
Die Kombination aus erhöhtem Augeninnendruck und Lichtempfindlichkeit tritt häufig gemeinsam auf. Ein auffällig geweitetes Auge mit starrer Pupille sollte darum immer ernst genommen werden.
Hat ein Hund Schmerzen bei Glaukom?
Ja. Ein Glaukom ist häufig sehr schmerzhaft. Der erhöhte Druck im Auge verursacht kopfschmerzähnliche Beschwerden und ein starkes Druckgefühl. Viele Hunde jaulen jedoch nicht, sondern zeigen Schmerzen eher still.
Mögliche Hinweise auf Schmerzen bei Hunden sind:
- weniger Appetit
- Unruhe und Rückzug
- Reizbarkeit
- Kopf wegdrehen bei Berührung
- vermehrtes Schlafen
Gerade ruhige Tiere werden deshalb manchmal spät vorgestellt.
Tipp von Santévet: Vergleichen Sie regelmäßig beide Augen Ihres Hundes. Wirkt ein Auge plötzlich röter, größer, trüber oder kneift Ihr Hund es zu, sollten Sie sofort tierärztliche Hilfe suchen. Schon kleine Unterschiede können ein frühes Warnsignal sein.
Wie schnell kann ein Hund erblinden?
Ein unbehandeltes akutes Glaukom kann in kurzer Zeit schwere Schäden verursachen. Netzhaut und Sehnerv reagieren sehr empfindlich auf Drucksteigerungen. Deshalb kann ein Glaukom innerhalb weniger Stunden oder Tage zu dauerhaften Sehschäden führen.
Je schneller die Senkung des Augeninnendrucks gelingt, desto besser ist die Prognose.
Sofort zum Tierarzt, wenn:
1. Auge plötzlich rot wird
2. Pupille groß und starr wirkt
3. Hund das Auge zukneift
4. Hornhaut trüb wird
5. Hund gegen Möbel läuft
Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend. Oft misst der Tierarzt mit einem Tonometer den Augeninnendruck. Zusätzlich werden Pupille, Hornhaut, vordere Augenkammer und Linse kontrolliert.
Therapie: Welche Behandlung ist möglich?
Das Ziel der Therapie ist immer die schnelle Senkung des Augeninnendrucks, die Linderung von Schmerzen und – wenn möglich – der Erhalt des Sehvermögens.
Medikamentöse Therapie
Ein Glaukom mit Medikamenten zu behandeln, ist meist die erste Maßnahme. Zum Einsatz kommen:
- Augentropfen
- Schmerzmittel
- entzündungshemmende Medikamente
- Mittel zur Reduktion der Kammerwasserproduktion
Chirurgische Therapie
Wenn Medikamente nicht ausreichen, kann eine chirurgische Therapie notwendig werden. Möglich sind:
- Laserbehandlung des Ziliarkörpers zur Reduktion der Kammerwasserproduktion
- Drainage-Implantate
- weitere operative Verfahren
Entfernung des Auges
Ist das Auge blind und dauerhaft schmerzhaft, kann die Entfernung des Auges die beste Lösung sein, um Lebensqualität zurückzugeben.
Expertenzitat: „Glaukom ist eine der führenden Ursachen für irreversiblen Sehverlust bei Hunden.“ -(Komáromy et al., 2019)
OP-Kosten beim Glaukom beim Hund laut GOT
Die Kosten hängen vom Schweregrad der Erkrankung, vom Notdienst, von der Klinik und von der Therapieform ab.
| Leistung | Ca. Kosten |
|---|---|
| Untersuchung beim Tierarzt | 25 – 80 € |
| Messung Augeninnendruck | 25 – 90 € |
| Medikamente | 50 – 200 € |
| Spezialdiagnostik | 100 – 300 € |
| Operation | 800 – 2.500 € |
| Entfernung des Auges | 600 – 1.800 € |
Eine Hundekrankenversicherung kann helfen, hohe Behandlungskosten abzufedern und medizinische Entscheidungen unabhängig vom Budget zu treffen.
Leben mit blindem Hund nach Glaukom
Auch wenn ein Auge oder beide Augen betroffen sind, können viele Hunde weiterhin ein gutes Leben führen. Hunde orientieren sich stark über ihren Geruchssinn, ihr Gehör und feste Gewohnheiten. Hilfreich ist es, zuhause möglichst feste Wege beizubehalten und Möbel nicht ständig umzustellen, damit sich der Hund sicher orientieren kann. Auch sichere und bekannte Spazierwege geben zusätzliche Stabilität. Eine klare Ansprache durch den Halter erleichtert dem Hund die Orientierung im Alltag. Mit Geduld, Ruhe und einer verlässlichen Routine passen sich viele Tiere erstaunlich schnell an ihre neue Situation an.
Einschläfern nötig? Prognose beim grünen Star
Die Prognose beim grünen Star hängt stark vom Zeitpunkt der Behandlung ab. Wird früh reagiert, lässt sich das Sehvermögen in manchen Fällen erhalten oder zumindest teilweise stabilisieren. Erfolgt die Behandlung spät, steigt das Risiko einer dauerhaften Schädigung des Sehnervs deutlich. Je länger der erhöhte Druck im Auge besteht, desto schlechter sind meist die Chancen auf einen guten Therapieerfolg.
Deshalb ist es aber nicht nötig, vorschnell an Einschläfern zu denken. Ein Glaukom bedeutet nicht automatisch das Ende einer guten Lebensqualität. Viele Hunde können auch mit eingeschränktem Sehvermögen oder nach Verlust eines Auges weiterhin zufrieden und schmerzfrei leben. Entscheidend ist, dass Schmerzen konsequent behandelt werden und gemeinsam mit dem Tierarzt die beste Therapie gewählt wird.
Wenn ein Auge bereits erblindet und dauerhaft schmerzhaft ist, kann eine Operation – etwa die Entfernung des betroffenen Auges – oft deutlich mehr Lebensqualität bringen. Hunde gewöhnen sich häufig erstaunlich gut an das Leben mit nur einem Auge oder auch ohne Sehvermögen. Maßgeblich für die Prognose sind daher nicht allein das Sehen, sondern vor allem Schmerzfreiheit, Sicherheit im Alltag und das allgemeine Wohlbefinden des Tieres.
FAQ
Kann ein Hund mit Glaukom leben?
Ja. Viele Hunde können mit Glaukom leben, wenn Schmerzen behandelt und das Auge gut überwacht wird. Auch blinde Hunde kommen oft gut zurecht.
Was kostet eine Glaukom-OP beim Hund?
Je nach Eingriff meist zwischen 800 und 2.500 Euro. Komplexe Fälle können teurer sein.
Was tun, wenn der Hund an einem Glaukom erkrankt ist?
Sofort zum Tierarzt, keine Zeit verlieren und nicht abwarten. Ein akutes Glaukom ist ein Notfall.
Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen nur der allgemeinen Information und ersetzen keine Untersuchung oder Beratung durch einen Tierarzt.
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Bildnachweis: Shutterstock
Quellen:
https://www.tierklinikrostock.de/glaukom-beim-hund-gruener-star/
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6744300
https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0300985816666611