Das Wichtigste in Kürze (TL;DR):
- Gesäugetumoren sind bei Katzen die dritthäufigste Krebsart – betroffen sind vor allem nicht kastrierte Katzen ab dem zehnten Lebensjahr.
- 80 bis 90 Prozent aller Mammatumoren bei der Katze sind bösartig und erfordern schnelles Handeln.
- Die Therapie der Wahl ist die chirurgische Entfernung, in vielen Fällen ergänzt durch eine adjuvante Chemotherapie.
Was sind Mammatumoren bei der Katze?
Als Mammatumor bezeichnet man eine abnormale Zellwucherung in der Milchdrüse. Katzen besitzen acht Zitzen, die alle betroffen sein können.
Mammatumoren bei der Katze machen rund 17 Prozent aller Tumorerkrankungen aus – die dritthäufigste Krebsart. Betroffen sind hauptsächlich nicht kastrierte Weibchen. In seltenen Fällen erkranken auch kastrierte Katzen oder Kater.
Unterschied: gutartig oder bösartig?

Im Vergleich zu Mammatumoren bei Hunden – wo rund 50 Prozent gutartig sind – sind Mammatumoren bei der Katze in 80 bis 90 Prozent der Fälle bösartig. Daher gilt: Jeder Knoten im Gesäugebereich ist verdächtig, bis ein Pathologe die Gewebeprobe untersucht hat.
Tipp von Santévet: Tasten Sie das Gesäuge Ihrer Katze regelmäßig ab – am besten monatlich beim Schmusen oder Kämmen. Jeder neu entdeckte Knoten sollte umgehend von einem Tierarzt beurteilt werden.
Ursachen und Risikofaktoren für Krebs bei Tieren
Wie bei vielen Krebserkrankungen spielen mehrere Faktoren eine Rolle bei der Entstehung von Gesäugetumoren bei Katzen:
- Hormonstatus: Östrogen und Progesteron haben einen starken Einfluss auf die Entstehung von Tumorzellen in der Milchdrüse. Katzen, die vor dem ersten Östrus kastriert werden, haben ein um bis zu 91 Prozent geringeres Risiko, einen Gesäugetumor zu entwickeln.
- Alter: Die meisten Katzen erkranken ab dem zehnten Lebensjahr. Alten Katzen sollte deshalb besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
- Rasse: Siamkatzen gelten als besonders anfällig für Mammatumoren bei der Katze.
- Hormonelle Behandlungen: Die langfristige Gabe von Gestagenen zur Läufigkeitsunterdrückung erhöht das Risiko deutlich.
Symptome: So erkennen Sie Brustkrebs bei Katzen
Das auffälligste Symptom ist ein tastbarer Knoten unter der Haut im Bereich des Gesäuges. Anfangs oft klein und hart, können Tumoren rasch wachsen und ulzerieren, also zu offenen Stellen werden. Weitere typische Anzeichen sind:
- Schwellungenim Gesäugebereich, auch wenn nur eine Zitze betroffen ist
- Verhärtungen oder Knoten, die verschiebbar oder fest am umliegenden Gewebe angewachsen sein können
- Rötung, Wärme oder Schmerzhaftigkeit im Bereich der Gesäugekomplexe
- Offene, nässende oder blutende Stellen (offene Stelle) auf der Haut
- Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und Apathie im Verlauf der Erkrankung
- In fortgeschrittenen Stadien: Schwierigkeiten beim Atmen durch Metastasen in der Lunge
Wichtig: Auch winzige Knoten können bereits malign sein. Warten Sie deshalb nicht ab, ob ein Knoten „von selbst verschwindet“ – das ist bei bösartigen Tumoren nicht zu erwarten.
Expertenzitat: „Bösartige Brusttumoren sind bei Katzen eher die Regel als die Ausnahme. Sie erfordern eine frühzeitige Diagnose und einen radikalen chirurgischen Eingriff, um die Überlebenszeit und Lebensqualität der betroffenen Katzen zu verbessern.“ — Tenovuo et al., Early Detection, Aggressive Therapy, PMC (2024)
Diagnose von Krebs: So geht der Tierarzt vor
Der Tierarzt leitet bei Verdacht auf einen Gesäugetumor mehrere diagnostische Schritte ein, um Tumorgröße und Malignität zu beurteilen sowie mögliche Metastasen auszuschließen.
Körperliche Untersuchung und Feinnadelaspiration
Zunächst tastet der Tierarzt alle Gesäugekomplexe und die regionalen Lymphknoten ab. Mittels Feinnadelaspiration – Zellen werden mit einer dünnen Nadel entnommen – lässt sich eine erste Einschätzung gewinnen. Die endgültige Diagnose stellt ein Pathologe nach der operativen Entfernung.
Bildgebende Verfahren und Blutuntersuchung
Röntgen und Ultraschall klären, ob Organe im Bauchraum oder die Lunge betroffen sind. Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs ist zum Ausschluss von Metastasen in der Lunge unverzichtbar. Die Blutuntersuchung dient zur Bewertung des Allgemeinzustands Ihrer Katze vor einer möglichen Operation.
Wichtig: Der Tierarzt kann mittels bildgebender Verfahren und Blutuntersuchung einschätzen, ob die Katze narkosefähig und operabel ist. Diese Voruntersuchungen sind bei alten Katzen besonders sorgfältig durchzuführen.
Behandlung von Mammatumoren bei Katzen

Operation: Die Therapie der Wahl
Die chirurgische Entfernung ist die Therapie der Wahl bei Gesäugetumoren. Je nach Tumorgröße, Anzahl der betroffenen Komplexe und Ausdehnung in das umliegende Gewebe stehen verschiedene Operationsmethoden zur Verfügung:
- Partielle Mastektomie: Entfernung des betroffenen Gesäugekomplexes bei einem einzelnen, gut abgrenzbaren Tumor.
- Einseitige Mastektomie: Entfernung aller Gesäugekomplexe einer Körperseite – empfohlen, wenn mehrere Knoten auf einer Seite vorliegen.
- Radikale Mastektomie: Beidseitige vollständige Entfernung aller Gesäugekomplexe einschließlich der regionalen Lymphknoten (bei ausgedehntem Befall).
Studien belegen, dass eine radikale Mastektomie bessere Heilungschancen bietet, da weniger Tumorgewebe verbleibt.
Adjuvante Chemotherapie
Nach der Operation kann eine adjuvante Chemotherapie eingesetzt werden, um verbliebene Tumorzellen abzutöten. Katzen profitieren vor allem von einer Chemotherapie auf Doxorubicin-Basis. Der Einsatz richtet sich nach Tumorgröße, Pathologen-Befund und Allgemeinzustand.
Behandlungskosten im Überblick
| Leistung | Kosten (ca.) |
| Tierarztbesuch / Voruntersuchung | 50–100 € |
| Blutuntersuchung | 80–150 € |
| Röntgenaufnahme des Brustkorbs | 80–150 € |
| Feinnadelaspiration | 50–100 € |
| Operation (partielle Mastektomie) | 500–1.200 € |
| Operation (einseitige/radikale Mastektomie) | 1.000–2.500 € |
| Chemotherapie (pro Zyklus) | 200–600 € |
| Histologische Untersuchung (Pathologe) | 100–200 € |
Heilungschancen und Überlebenszeit
Die Prognose für Katzen mit Mammatumoren hängt vor allem von der Tumorgröße zum Zeitpunkt der Diagnose ab:
| Tumorgröße | Prognose | Mittlere Überlebenszeit |
| < 2 cm im Durchmesser | Günstig | > 3 Jahre |
| 2–3 cm im Durchmesser | Mäßig | ca. 2 Jahre |
| > 3 cm im Durchmesser | Ungünstig | ca. 4–6 Monate |
Die durchschnittliche Überlebenszeit bei Tumoren unter 2 cm liegt nach der Operation bei über zwei Jahren – vorausgesetzt, die richtige Behandlung erfolgt frühzeitig. Hat der Tumor bereits Metastasen gebildet, sinkt die Prognose erheblich.
Ob eine Katze mit einem Mammatumor eingeschläfert werden sollte, ist eine individuelle Entscheidung, die gemeinsam mit dem Tierarzt. getroffen wird. In seltenen Fällen, wenn der Tumor bei der Katze sehr ausgedehnt ist und starke Schmerzen verursacht, kann dies eine tierschutzgerechte Option sein.
Vorbeugung: Was können Katzenbesitzer tun?
Die wirksamste Vorbeugung ist die frühzeitige Kastration. Katzen, die vor dem ersten Östrus kastriert werden, haben ein um bis zu 91 Prozent geringeres Erkrankungsrisiko.
FAQ – Häufige Fragen zu Gesäugetumoren bei Katzen
Wie viel kostet eine Tumor-OP bei Katzen?
Die Kosten hängen vom Umfang des Eingriffs ab. Eine partielle Mastektomie kostet zwischen 500 und 1.200 Euro, eine radikale Mastektomie 1.000 bis 2.500 Euro. Hinzu kommen Voruntersuchungen und Nachsorge. Eine Tierkrankenversicherung hilft, diese Kosten zu tragen.
Wie ist die Prognose für ein Mammakarzinom bei Katzen?
Die Prognose zur weiteren Lebenserwartung hängt stark von Tumorgröße und Diagnosezeitpunkt ab. Kleine Tumoren unter 2 cm im Durchmesser, die vollständig entfernt wurden, haben eine deutlich günstigere Prognose. Eine adjuvante Chemotherapie kann den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen.
Wie lange lebt eine Katze mit einem Mammatumor?
Das hängt von Diagnose und Therapie ab. Bei früh erkannten, kleinen Tumoren sind mehrere Jahre möglich. Bei Tumoren über 3 cm oder mit Metastasen in der Lunge beträgt die mediane Überlebenszeit nach der Operation oft nur 4 bis 6 Monate.
Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen nur der allgemeinen Information und ersetzen keine Untersuchung oder Beratung durch einen Tierarzt.
Quellen:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10816587
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10829160
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