Vorhautentzündung bei Hunden erkennen und behandeln

Die Vorhautentzündung, medizinisch als Balanoposthitis bezeichnet, ist eine häufige Erkrankung bei männlichen Hunden. Sie wird meist durch bakterielle Infektionen oder mangelnde Hygiene verursacht und kann mit Ausfluss, Schmerzen sowie vermehrtem Lecken des Penis einhergehen.

Was ist Vorhautentzündung (Balanoposthitis) beim Hund?

Bei der Balanoposthitis handelt es sich um eine Entzündung der Schleimhaut der Eichel (Balanitis) und der Vorhaut (Posthitis). Typische Symptome sind ein gelblicher bis grünlicher Ausfluss aus der Vorhaut, häufiges Lecken des Genitalbereichs, ein unangenehmer Geruch und gelegentlich auch Schwellungen.

Die Erkrankung tritt besonders häufig bei nicht kastrierten Rüden auf. In den meisten Fällen ist sie infektiösen Ursprungs: Bakterien, seltener auch Hefepilze, vermehren sich in der Vorhaut und lösen eine Entzündung aus. Begünstigt wird dies durch unzureichende Hygiene, kleine Verletzungen durch Reiben oder Lecken sowie eine geschwächte Immunabwehr.

In einigen Fällen können auch Fremdkörper oder anatomische Besonderheiten dazu führen, dass sich Sekret und Schmutz in der Vorhaut ansammeln. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann lokale Reinigungen, antiseptische Spülungen, Antibiotika oder die Therapie der Grunderkrankung umfassen. Um die Diagnose abzusichern und Komplikationen zu vermeiden, sollte stets eine Tierärztin oder ein Tierarzt aufgesucht werden.

Balanoposthitis tritt besonders häufig bei jungen Rüden auf, die sich in der Pubertät befinden. Diese beginnt bei kleinen Hunderassen meist im Alter von etwa 4 bis 6 Monaten, während große Rassen ihre Geschlechtsreife in der Regel zwischen 12 und 18 Monaten erreichen.

Warum leckt mein Hund seinen Penis? Was sind die Ursachen einer Balanoposthitis?

Hunde lecken ihren Penis aus unterschiedlichen Gründen. Gelegentliche Reinigung gehört zur normalen Körperpflege und ist unbedenklich. Wird das Lecken jedoch häufig, zwanghaft oder tritt es zusammen mit Ausfluss auf, kann dies auf ein gesundheitliches Problem hinweisen.

  • Die häufigste Ursache ist eine Balanoposthitis, also eine Entzündung von Penis und Vorhaut, die meist durch Bakterien verursacht wird. Sie kann Juckreiz, Schmerzen und ungewöhnlichen Ausfluss hervorrufen.
  • Auch Reizungen, zum Beispiel nach einem Spaziergang, Allergien, Parasiten oder kleine Verletzungen, können vermehrtes Lecken auslösen.
  • Bei manchen jungen Rüden steht das Verhalten vorübergehend mit sexueller Erregung im Zusammenhang.
  • Darüber hinaus können auch Harnwegsprobleme, etwa eine Blasenentzündung, zu lokalem Lecken führen.

Tipp von Santévet: Hält dieses Verhalten an oder wird es von weiteren Anzeichen wie Ausfluss, Schwellungen oder unangenehmem Geruch begleitet, sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt aufgesucht werden. Er kann die Ursache abklären und eine passende Behandlung empfehlen.

Wie kommt es zu einem Problem mit der Vorhaut beim Hund?

Probleme mit der Vorhaut können sich beim Hund entweder schleichend entwickeln oder plötzlich auftreten – je nach Ursache. 

Die Vorhaut besteht aus einer empfindlichen Schleimhaut, die besonders anfällig für Schmutz, Bakterien, kleine Verletzungen und übermäßiges Lecken ist.

  • Ein Ungleichgewicht der natürlichen Bakterienflora – etwa nach einer Verletzung, durch Stress oder infolge einer Antibiotikabehandlung – kann das Entstehen einer lokalen Infektion begünstigen. Dies ist häufig die Ursache einer Balanoposthitis.
  • Auch Verletzungen durch Reibung, Bisse oder zwanghaftes Lecken sowie Fremdkörper wie Grannen, Zweige oder Sand, die in der Vorhaut stecken bleiben, können eine Entzündung auslösen.
  • Bei jungen, geschlechtsreifen Rüden kann zudem eine übermäßige Beschäftigung mit dem Genitalbereich – etwa durch sexuelle Neugier oder Unsicherheit – die Schleimhaut reizen.
  • In manchen Fällen begünstigen auch anatomische Besonderheiten, wie eine sehr enge Vorhaut oder ein dauerhaft freiliegender Penis, das Auftreten von Problemen.

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Was sind die Symptome einer Balanoposthitis bei Hunden?

Anzeichen einer Balanoposthitis beim Hund können vielfältig sein. Häufig zeigen sich folgende Symptome:

  • Übermäßiges Lecken von Penis und Vorhaut. Manche Hunde reiben sich zusätzlich an Gegenständen oder reagieren empfindlich, wenn dieser Bereich berührt wird.
  • Ungewöhnlicher Ausfluss aus der Vorhaut, der sich manchmal als Tropfen auf dem Boden zeigt. Er ist oft gelblich oder grünlich gefärbt und kann unangenehm riechen.
  • Schwellungen der Vorhaut sowie eine Rötung der Schleimhaut sind ebenfalls möglich.
  • Der Hund kann Schmerzen oder eine erhöhte Empfindlichkeit im Genitalbereich zeigen und Berührungen vermeiden.
  • Beim Urinieren nehmen manche Hunde eine ungewohnte Haltung ein, was auf Beschwerden hindeuten kann.
  • In schweren oder unbehandelten Fällen können sich offene Stellen, Wunden oder Abszesse bilden.

Wie wird eine Balanoposthitis beim Hund behandelt?

Die Behandlung einer Balanoposthitis richtet sich immer nach der Ursache, die die Tierärztin oder der Tierarzt feststellt.

In den meisten Fällen beginnt die Therapie mit einer gründlichen Reinigung der Vorhaut mithilfe milder, antiseptischer Lösungen, um Sekrete und Bakterien zu entfernen. Liegt eine Infektion vor, kann Antibiotika oder Antimykotika verordnet werden – entweder als lokale Salben oder, bei tiefergehenden Entzündungen, in Form von Tabletten.

Steckt ein Fremdkörper, wie zum Beispiel eine Granne, in der Vorhaut, muss dieser entfernt werden. Je nach Situation erfolgt dies unter örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose.

Ist mangelnde Hygiene die Ursache, werden regelmäßige Pflege und vorsichtige Reinigung des Genitalbereichs empfohlen.

In schweren oder wiederkehrenden Fällen kann auch ein chirurgischer Eingriff, etwa eine Kastration, in Betracht gezogen werden, um erneuten Entzündungen vorzubeugen. Regelmäßige Nachkontrollen bei der Tierärztin oder beim Tierarzt sind wichtig, um den Heilungsverlauf zu überwachen und Komplikationen zu vermeiden.

Die Behandlung von Erkrankungen im Bereich der Fortpflanzungsorgane (Tierarztbesuch, zusätzliche Untersuchungen, Therapien) wird von der Hundeversicherung von Santévet erstattet.

Wie reinigt man den Penis seines Hundes richtig?

Die Reinigung von Penis und Vorhaut sollte immer sanft und vorsichtig erfolgen, um Reizungen oder Infektionen zu vermeiden.

  1. Verwenden Sie eine saubere Kompresse, die mit lauwarmem Wasser oder einer milden, speziell für Tiere geeigneten, antiseptischen Lösung angefeuchtet ist.
  2. Verzichten Sie unbedingt auf aggressive Reinigungsmittel oder Produkte, die nicht für Hunde vorgesehen sind.
  3. Reinigen Sie den Genitalbereich behutsam, um sichtbare Verschmutzungen oder Sekret zu entfernen.
  4. Ist Ausfluss vorhanden, kann dies auf ein gesundheitliches Problem wie eine Balanoposthitis hindeuten und sollte tierärztlich abgeklärt werden.
  5. Trocknen Sie den Bereich anschließend sorgfältig mit einem sauberen Tuch ab.

Bei Hunden mit ausgeprägten Hautfalten oder wiederkehrender Sekretbildung kann eine regelmäßige Reinigung einmal pro Woche oder nach Empfehlung der Tierärztin oder des Tierarztes sinnvoll sein. Achten Sie dabei stets auf Veränderungen wie Rötungen, Schwellungen oder kleine Verletzungen und suchen Sie bei Auffälligkeiten rechtzeitig einen Tierarzt auf, um Komplikationen zu vermeiden.

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Welche anderen Probleme treten häufig im Genitalbereich von Rüden auf?

Neben der Balanoposthitis können mehrere andere Probleme den Genitalbereich von Rüden beeinträchtigen:

Problem

Beschreibung

Symptome

Ursachen

Behandlung

Prostatitis

Entzündung der Prostata, meist verursacht durch eine bakterielle Infektion

Bauchschmerzen, Probleme beim Wasserlassen, Ausfluss, Fieber

Bakterielle Infektionen, hormonelle Störungen

Antibiotika, entzündungshemmende Medikamente, in bestimmten Fällen Kastration

Prostatatumoren

Krankhafte Vergrößerung oder Neubildung der Prostata, vor allem bei älteren Hunden

Erschwertes Wasserlassen, Blut im Urin, Schmerzen im Beckenbereich

Altersbedingte Veränderungen, genetische Veranlagung

Operative Behandlung, Strahlentherapie oder Kastration

Hodenzysten

Flüssigkeitsansammlungen in Zysten im Bereich der Hoden

Schwellung des Hodens, lokale Schmerzen

Infektionen, angeborene Fehlbildungen

Chirurgische Entfernung der Zyste

Harnsteine

Bildung von Kristallen oder Steinen in der Harnblase, die den Harnabfluss blockieren können

Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin, erschwertes Wasserlassen

Ungeeignete Ernährung, unzureichende Flüssigkeitsaufnahme

Medikamentöse Auflösung der Steine oder operative Entfernung

Erektionsstörungen

Beeinträchtigung der Erektionsfähigkeit, teils infolge hormoneller Störungen oder Infektionen

Ausbleibende Erektion, auffälliges Sexualverhalten

Hormonelle Störungen, Infektionen

Hormonbehandlung, Antibiotika, gegebenenfalls chirurgischer Eingriff

Zusammenfassend handelt es sich bei der Balanoposthitis um eine Entzündung von Penis und Vorhaut, die in den meisten Fällen gut behandelbar und nicht schwerwiegend ist. In bestimmten Situationen kann eine Kastration dazu beitragen, das Risiko für ein erneutes Auftreten dauerhaft zu senken.

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Quellen:

  • Smith, J. D., & Brown, K. P. (2015). Balanoposthitis in male dogs: Clinical presentation and management strategies. Journal of Veterinary Internal Medicine, 29(3), 478-483. 
  • Wade, C. E., & Clark, P. R. (2018). Bacterial infections of the canine prepuce: A retrospective study of balanoposthitis cases. Veterinary Dermatology, 29(1), 31-37. 
  • Johnson, R. T., & Miller, J. S. (2017). Prevalence and management of balanoposthitis in dogs: A review of 20 clinical cases. Canine Health and Medicine, 15(2), 45-50.