Das Wichtigste in Kürze (TL;DR):
- Der Finnische Lapphund ist ein mittelgroßer, robuster Hütehund aus Lappland mit dichtem, langem Fell in nahezu allen Farben.
- Er gilt als freundlich, ruhig und kinderlieb, hat kaum Jagdtrieb und ist kein Kläffer, sucht aber stark die Nähe seiner Familie.
- Gesundheitlich ist die Rasse robust, kann aber von Hüftdysplasie, Augenerkrankungen und der seltenen Glykogenspeicherkrankheit Morbus Pompe betroffen sein.
Herkunft des Finnischen Lapphundes
Ein jahrhundertealter Begleiter der Rentierhirten
Seit Jahrhunderten lebten Hunde dieses Typs mit den halbnomadischen Samen in Lappland zusammen und halfen ihnen beim Hüten und Bewachen der Rentierherden. Die genaue Abstammung der Rasse ist nicht vollständig geklärt, doch der enge Bezug zur Rentierzucht prägt ihren Charakter bis heute.
Die erste Rassendefinition entstand 1945 unter dem Namen Lappischer Schäferhund. 1955 erfolgte die offizielle Anerkennung durch die FCI, ihren heutigen Namen trägt die Rasse seit 1993. Sie wird in Gruppe 5 (Spitze und Hunde vom Urtyp), Sektion 3, unter der Standardnummer 189 geführt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Rasse durch Vermischung mit anderen Hunden vom Aussterben bedroht. Ein gezieltes Rettungsprogramm finnischer Züchter, unter anderem mit Hunden aus dem Zwinger Peski, sicherte den Fortbestand.
Verwandtschaft mit dem Schwedischen Lapphund
Der Finnische Lapphund ist eng mit dem Schwedischen Lapphund verwandt; beide gehen auf denselben Hütehundtyp der Samen zurück, wurden aber getrennt weiterentwickelt. Der Schwedische Lapphund ist meist einfarbig schwarz oder braun und etwas seltener anzutreffen.

Charakter und Wesen der finnischen Hunderasse
Der Charakter des Finnischen Lapphundes gilt als eine der größten Stärken der Rasse: Er ist freundlich, menschenbezogen und auffallend ruhig. Fremden gegenüber zeigt er sich zugänglich statt misstrauisch, was ihn nicht zu einem klassischen Wachhund, wohl aber zu einem aufmerksamen Melder macht, der nur bei tatsächlichem Anlass anschlägt. Ein Finnischer Lapphund bellt also nicht ohne Grund und beruhigt sich nach einer kurzen Meldung meist schnell wieder.
Sein ursprünglicher Hütetrieb ist bei den meisten Vertretern der Rasse heute nur noch schwach ausgeprägt, ebenso der Jagdinstinkt. Das macht ihn in der Regel gut verträglich mit anderen Tieren, sofern er frühzeitig sozialisiert wird. Intelligent und lernbegierig, lässt er sich über positive Verstärkung gut erziehen und ist Kindern gegenüber meist geduldig.
Eine Eigenschaft, die angehende Halter unbedingt bedenken sollten: Der Finnische Lapphund ist sehr sozial und verträgt Einsamkeit nur schlecht. Wird er regelmäßig über viele Stunden allein gelassen, kann das zu Unruhe führen. Er möchte am liebsten bei jeder Familienaktivität dabei sein.
Der ideale Besitzer für einen Finnischen Lapphund
Dank seines ausgeglichenen, kooperativen Wesens eignet sich der Finnische Lapphund grundsätzlich auch für Anfänger. Besonders in den ersten Monaten lohnt sich gezieltes Welpentraining für Hunde, um die soziale Ader der Rasse optimal zu fördern. Wichtig ist vor allem ausreichend Zeit, denn der Hund kommt mit langer Abwesenheit seiner Bezugspersonen schlecht zurecht.
Eine Wohnung ist möglich, sofern täglich ausgiebige Spaziergänge stattfinden. Ideal ist dennoch ein Haus mit Garten, denn der Finnische Lapphund ist wetterunempfindlich und verbringt gerne Zeit im Freien, auch bei kühlen Temperaturen. Hitze verträgt er aufgrund seines dichten Fells schlechter, weshalb Aktivitäten im Sommer in die Morgen- oder Abendstunden gelegt werden sollten.
Wie viel kostet ein Finnischer Lapphund?
Bevor Sie sich für einen Finnischen Lapphund entscheiden, lohnt sich ein realistischer Blick auf die anfallenden Kosten. Neben dem Anschaffungspreis spielen vor allem tierärztliche Leistungen, laufende Pflege und eine an die Fellpflege angepasste Ernährung eine Rolle im Budget.

Preise für einen Welpen vom Züchter
Wer einen Finnischen Lapphund kaufen möchte, sollte bei einem Welpen aus seriöser Zucht in Deutschland, Österreich oder der Schweiz mit einem Preis zwischen 1.200 und 1.800 Euro rechnen. Lage des Züchters, Abstammung und Ausstellungserfolge der Elterntiere können den Preis nach oben verschieben. Da die Rasse hierzulande noch selten ist, kann die Suche etwas Geduld erfordern. Beim Kauf sollten Sie auf folgende Punkte achten:
- Gesundheitsnachweise der Elterntiere zu Hüfte und Augen einsehen.
- Haltungsbedingungen und Sozialverhalten der Welpen vor Ort beurteilen.
- Keine Abgabe vor der achten Lebenswoche akzeptieren.
Wer keinen Welpen, sondern einen erwachsenen Hund aufnehmen möchte, findet gelegentlich Finnische Lapphunde in Not bei rassespezifischen Auffangstationen oder im Tierschutz, meist zu einer Schutzgebühr deutlich unter dem Züchterpreis.
Tierärztliche Kosten ohne Versicherung
Die folgende Tabelle gibt einen groben Überblick über mögliche tierärztliche Ausgaben, die je nach Klinik und Region variieren können.
| Tierärztliche Leistung | Geschätzte Kosten |
|---|---|
| Augenuntersuchung inkl. PRA-Screening | 80 bis 150 € |
| Hüftgelenksröntgen (HD-Auswertung) | 150 bis 250 € |
| Gentest Morbus Pompe / PRA | Ab 70 € pro Test |
| Zahnsteinentfernung unter Narkose | 150 bis 400 € |
Vor dem Kauf: So hoch sind laufende Unterhaltskosten
Neben den medizinischen Kosten fallen regelmäßige Ausgaben für Pflege, Versicherung und Zubehör an.
| Kostenpunkt | Geschätzte Kosten |
|---|---|
| Fellpflegezubehör (Bürsten, Unterwollkamm) | Einmalig etwa 50 bis 90 € |
| Hundekrankenversicherung | Etwa 20 bis 40 € pro Monat |
| Parasitenprophylaxe | 10 bis 25 € pro Monat |
Futterkosten für einen Finnischen Lapphund
Als aktive, mittelgroße Rasse mit dichtem Fell profitiert der Finnische Lapphund von hochwertigem, proteinreichem Futter.
| Art der Ernährung | Geschätzte Kosten | |
| Trockenfutter (Standardqualität) | 30 bis 50 € pro Monat | |
| Trockenfutter (Premiumqualität) | 50 bis 75 € pro Monat | |
| Nassfutter | 70 bis 100 € pro Monat | |
Körperliche Merkmale des Finnischen Lapphundes
Größe und Gewicht
Der Finnische Lapphund ist mittelgroß und kräftig gebaut, die Körperlänge übertrifft die Widerristhöhe. Die ideale Größe liegt bei Rüden bei 49 cm, bei Hündinnen bei 44 cm, mit einer Toleranz von 3 cm. Es gilt: Typ vor Größe. Das Gewicht bewegt sich zwischen 12 und 25 Kilogramm.
Braun, Grau oder Rot: Fell und Farbvarianten
Eine kurzhaarige Variante des Finnischen Lapphundes gibt es nicht: Das lange, dichte Deckhaar mit feiner Unterwolle gehört zu den prägendsten Rassemerkmalen und macht den Hund nahezu wetterunempfindlich. Rüden tragen zudem eine ausgeprägte Mähne um den Hals.
Erlaubt sind alle Farben, solange eine Grundfarbe deutlich überwiegt. Häufig sind schwarze Hunde mit weißen oder braunen Abzeichen, daneben auch braune, graue, rote und cremefarbene bis nahezu weiße Vertreter. Diese Vielfalt erklärt, warum Suchanfragen zu Farben wie weiß, braun, grau oder rot so häufig sind, ohne dass eine Farbe rassetypischer wäre als eine andere.
Pflege des Finnischen Lapphundes
Allgemeine Grundlagen zur Hundepflege im Alltag gelten auch hier, ergänzt um das dichte Doppelfell. Außerhalb der Fellwechselzeiten reicht wöchentliches Bürsten, im Frühjahr und Herbst sollte täglich gebürstet werden.
Tipp von Santévet: Scheren Sie das Fell Ihres Finnischen Lapphundes nicht. Das Doppelfell schützt sowohl vor Kälte als auch vor Hitze, und nach dem Scheren wächst es oft ungleichmäßig oder dauerhaft verändert nach.
Folgende Pflegemaßnahmen sind erforderlich:
- Ohren regelmäßig auf Schmutz oder Rötungen kontrollieren.
- Zähne regelmäßig putzen, um Zahnsteinbildung vorzubeugen.
- Krallen bei Bedarf kürzen, insbesondere bei wenig Bewegung auf hartem Untergrund.
Gesundheit und typische Krankheiten des Finnischen Lapphundes
Insgesamt gilt der Finnische Lapphund als robuste und langlebige Rasse, die jedoch für einige genetisch bedingte Erkrankungen anfällig ist. An erster Stelle steht die progressive Retinaatrophie (PRA), eine erbliche Augenerkrankung, die schrittweise zur Erblindung führt. Bei dieser Rasse beruht sie auf dem PRCD-Locus nahe dem Zentromer von Chromosom 9; ein zuverlässiger Gentest steht zur Verfügung und sollte bei Zuchttieren konsequent genutzt werden. Jesús Aguirre-Hernández und Kollegen kartierten 2007 den PRA-Genort beim Finnischen Lapphund mittels DNA-Pooling.
Expertenzitat „Die individuelle Genotypisierung mit diesen drei Markern bestätigte Homozygotie ausschließlich für den GALK1-Mikrosatelliten (Chromosom 9).“ –Jesús Aguirre-Hernández und Kollegen
Auch Hüftgelenksdysplasie (HD) kommt vor, wenn auch seltener als bei vielen größeren Hunderassen. Wie bei vielen Rassen zählt Hüftdysplasie beim Hund zu den häufiger beschriebenen Gelenkerkrankungen. Regelmäßige Röntgenkontrollen bei Zuchttieren helfen, betroffene Linien zu erkennen.
Eine seltene, aber ernste Besonderheit der drei Lapphundrassen ist die Glykogenspeicherkrankheit Typ II, auch als Morbus Pompe bekannt. Ein Defekt des Enzyms Glucosidase führt zu einer Anreicherung von Glucose in den Lysosomen. Betroffene Welpen zeigen Erbrechen, fortschreitende Muskelschwäche und eine Herzschwäche, die meist bis zum zweiten Lebensjahr tödlich verläuft. Ein Gentest erlaubt es Züchtern, Anlageträger von der Zucht auszuschließen. Daneben werden gelegentlich degenerative Myelopathie, Epilepsie, Hypothyreose und Katarakte beschrieben.
Wie alt wird ein Finnischer Lapphund?
Die Lebenserwartung liegt bei 12 bis 14 Jahren. Ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen von Augen und Hüfte tragen entscheidend dazu bei, dass der Hund möglichst lange gesund bleibt.
Erziehung und Aktivitäten mit dem Finnischen Lapphund
Der Finnische Lapphund gilt als gelehrig und kooperativ. Wer unsicher ist, findet in unseren Tipps zum Hundetraining eine gute Orientierung. Eine frühe Sozialisierung mit Artgenossen, Menschen und Alltagssituationen ist wichtig, damit der Hund sein freundliches Wesen voll entfalten kann.
Bewegung braucht der Finnische Lapphund regelmäßig: Aufgeweckte Vertreter zeigen oft Begeisterung für Agility als Hundesport, auch Fährtenarbeit passt zu seinem lernfreudigen Wesen. Aufgrund seines dichten Fells eignet er sich besonders für Aktivitäten in kühlerer Witterung.
Wer einem Finnischen-Lapphund-Mix oder einem reinrassigen Vertreter ein Zuhause gibt, profitiert von einem ruhigen, anpassungsfähigen Begleiter, der sich sowohl in aktiven Familien als auch bei erfahrenen Einzelhaltern wohlfühlt.
Häufige Fragen zum Finnischen Lapphund
Was ist ein Finnischer Lapphund?
Der Finnische Lapphund, auf Finnisch Suomenlapinkoira, ist eine von der FCI anerkannte Hütehundrasse (Standard Nr. 189), die ursprünglich Rentiere hütete. Heute ist er vor allem als freundlicher, dicht behaarter Familienhund bekannt.
Ist ein Finnischer Lapphund für Anfänger geeignet?
Grundsätzlich ja: Sein kooperatives, gelehriges Wesen macht ihn auch für Hundeanfänger gut führbar. Wichtig ist, sich vorab mit der Fellpflege und dem hohen Bedürfnis nach sozialer Nähe auseinanderzusetzen.
Kuscheln Finnische Lapphunde gerne?
Ja, der Finnische Lapphund sucht aktiv die körperliche Nähe seiner Familie und genießt Kuscheleinheiten sehr. Diese Anhänglichkeit macht ihn zum idealen Familienhund, der aber schlecht mit langer Einsamkeit zurechtkommt.
Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen nur der allgemeinen Information und ersetzen keine Untersuchung oder Beratung durch einen Tierarzt.
Quellen:
https://bmcvetres.biomedcentral.com/articles/10.1186/1746-6148-3-14
https://www.fressnapf.de/magazin/hund/rassen/finnischer-lapphund
https://www.purina.de/wahl-eines-haustieres/hunderassen/finnischer-lapphund
Santévet
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Fotos : Pexels
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